3. Februar 2012
Dass man eine wichtige Entscheidung gut informiert und wohl überlegt treffen sollte, versteht sich von selbst. Aber kann man etwas auch zu gründlich überlegen? Eine aktuelle Studie hat Leute untersucht, die zu viel über ihre Entscheidungen nachdenken. Wir haben eine Presseerklärung der Universität zu der Studie vom Dezember übersetzt, die zeigt, dass ewige Zauderei Menschen unzufrieden macht:
Sie sind auf der Suche nach einer neuen Kaffeemaschine und diese simple Aufgabe wird für Sie, nun, zu einer Tortur. Nach ausgiebigen Nachforschungen und Lektüre von ein paar Dutzend Verbraucherratgebern machen Sie endlich Ihren Einkauf. Aber schon fragen Sie sich: „War das wirklich die richtige Wahl? Gibt es nicht doch noch etwas Besseres? Hat das Gerät eigentlich eine Rücknahmegarantie?“ Mal ehrlich, sind Sie das?
Wenn ja, könnte eine neue Untersuchung von Forschern an der Florida State University etwas Licht auf Ihr Unvermögen werfen eine Entscheidung zu fällen und damit zufrieden zu sein.
24. Januar 2012
Gerade ältere Menschen, die immer kränker werden und das Alter mehr und mehr spüren, sind oft am zufriedensten. Ein aktueller Artikel gibt einen Überblick zu der wissenschaftlichen Literatur über das paradoxe Phänomen. Wir haben eine Presseerklärung des Herausgebers zu dem Artikel von Anfang Januar übersetzt, der den Stand der Forschung zusammenfasst:
Ältere Menschen sind eher glücklich und zufrieden als jüngere. Aber warum? Manche Psychologen glauben, dass dafür geistige Prozesse verantwortlich sind. Insbesondere konzentrieren sich ältere Menschen auf positive Ereignisse und erinnern sich besser an Positives, während sie Negatives hinter sich lassen. Diese Prozesse, glauben sie, helfen älteren Menschen ihre Emotionen zu regulieren und lassen sie das Leben in einem sonnigeren Licht sehen. „Es gibt viele gute Theorien über diesen Altersunterschied bei der Zufriedenheit“, sagt der Psychologe Derek M. Isaacowitz von der Northeastern University in Boston „aber die meisten Untersuchungen liefern keine direkten Beweise“ für einen Zusammenhang zwischen solchen Phänomenen und der Zufriedenheit.
In einem neuen Artikel in den Perspectives on Psychological Science, einem Journal der Association for Psychological Science, fordern Isaacowitz und die inzwischen verstorbene Fredda Blanchard-Fields vom Georgia Institute of Technology mehr gründliche Untersuchungen über das Thema.
29. Oktober 2011
Der Mensch braucht Zeit für sich selbst, um sich von Stress zu erholen und seine Ressourcen zu regenerieren. Doch wie viel Freizeit braucht man eigentlich? Eine aktuelle Studie untersuchte die Bedeutung der Freizeit für das Wohlbefinden von Menschen. Wir haben einen Presseartikel über die Studie von Mitte Oktober übersetzt, die unzufriedene junge Leute untersuchte:
Was ist besser für einen Menschen: nicht genug oder zu viel Freizeit haben? Um glücklich zu sein, irgendetwas in der Mitte, sagen Chris Manolis und James Roberts von der Xavier University in Cincinnati und der Baylor University in Waco in den USA. Ihre Untersuchung zeigt, dass materialistische junge Leute mit einem zwanghaften Konsumverhalten gerade die richtige Menge Freizeit brauchen, um sich glücklicher zu fühlen. Die Studie wurde online in dem Springer-Journal Applied Research in Quality of Life veröffentlicht.
Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der die Zeit immer knapp ist. Wenn Menschen meinen, dass sie zu wenig Zeit haben oder unter Zeitdruck stehen, sind sie weniger zufrieden. Gleichzeitig beeinflusst aber auch unsere Konsumkultur, die von Materialismus und einem zwanghaften Konsumverhalten gekennzeichnet ist, die Zufriedenheit von Menschen: der Wunsch materielle Dinge zu besitzen lässt die Lebenszufriedenheit sinken.
12. Juli 2011
Damit ein Mensch mit seinem Leben zufrieden sein kann, müssen seine wichtigsten Bedürfnisse befriedigt sind. Natürlich sind manche Bedürfnisse wie Essen essentieller sind als andere, zum Beispiel Kreativität, aber bei vielen ist es auch Ansichtssache. Eine neue Studie hat untersucht, inwieweit sich die Wichtigkeit der Bedürfnisse bei Menschen in verschiedenen Kulturen unterscheidet. Wir haben die Presseerklärung der Universität zu der Studie von Ende Juni übersetzt, für die Menschen weltweit befragt wurden:
Im Jahre 1943 stellte der amerikanische Psychologe Abraham Maslow die These auf, dass alle Menschen danach streben eine Hierarchie von Bedürfnissen zu befriedigen, die er als eine Pyramide darstellte. Die Basis der Pyramide bildeten Grundbedürfnisse (zum Beispiel nach Essen, Schlaf und Sex), die seiner Meinung nach zuerst befriedigt werden müssen. Danach kamen laut Maslow Sicherheit und Geborgenheit, dann Liebe und Zugehörigkeit, dann Anerkennung, und an die Spitze der Pyramide stellte er schließlich etwas, das er „Selbstverwirklichung“ nannte. Maslow schrieb, dass Menschen, bei denen diese Bedürfnisse befriedigt sind, zufriedener sein sollten als Menschen, bei denen sie nicht befriedigt sind.
In einer neuen Studie testeten Forscher an der University of Illinois die These Maslows anhand von Daten aus 123 Ländern, die repräsentativ für jede wichtige Region der Welt waren.
27. Juni 2011
Das Streben nach Glück ist etwas so Elementares, dass es in der amerikanischen Verfassung als ein natürliches Recht des Menschen verankert ist. Doch dieses Streben kann Menschen auch geradewegs ins Unglück führen. Eine neue Studie hat untersucht, wann Glück und das Streben danach etwas Negatives sein kann. Wir haben eine Pressemitteilung des Herausgebers der Studie vom Mai übersetzt, die überraschend viele Fälle fand:
Scheinbar wären alle Menschen am liebsten glücklicher, und das Streben nach Glück ist eine der Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft. Aber auch das Glück kann seine Schattenseiten haben, meinen die Autoren eines neuen Übersichtsartikels, der jetzt in den Perspectives on Psychological Science, einem Journal der Association for Psychological Science, veröffentlicht wurde. Sie schreiben, man solle nicht glauben, dass Glück in jedem Fall etwas Gutes ist, und schildern vier Situationen, auf die das zutrifft. Denn in Wirklichkeit sind weder alle Arten des Glücks gleich gut, noch wie glücklich ein Mensch ist. Und sogar das Streben nach Glück kann dazu führen, dass sich ein Mensch schlechter fühlt.
21. Juni 2011
Mit Gesundheit assoziieren die meisten Menschen Dinge wie Sport treiben oder cholesterinarme Ernährung. Eine aktuelle Studie hat die Wirkung der Kunst auf das Wohlbefinden untersucht und zeigt, dass Kultur die körperliche und seelische Gesundheit fördert. Wir haben einen Presseartikel über die Studie von Ende Mai übersetzt, deren Autoren meinen, man sollte diese Wirkung im Gesundheitswesen gezielt einsetzen:
Männer, die regelmäßig in Kunstgalerien, Museen und ins Theater gehen, erfreuen sich einer besseren Gesundheit und sind mit ihrem Leben zufriedener. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die online im Journal of Epidemiology and Community Health publiziert wurde. Die Studie zeigt, dass sowohl Männer als auch Frauen, die ein Musikinstrument spielten, malten oder Theater und Museen besuchten, sich gesünder fühlten, mehr Freude am Leben hatten und weniger ängstlich oder depressiv waren als Menschen, die nicht an kulturellen Aktivitäten teilnahmen.
21. Mai 2011
Mancher wird scheinbar als Frohnatur geboren, ein anderer eher als Neurotiker. Eine aktuelle Studie hat ein Gen untersucht, das zu einer solchen Veranlagung beitragen könnte. Es kodiert für ein Protein, das eine wichtige Rolle im Belohnungssystem des menschlichen Gehirns und bei der Entstehung von Krankheiten wie Depressionen spielt. Wir haben die Presseerklärung der Universität zu der Studie von Anfang Mai übersetzt, die auch auf die Bedeutung von Umwelteinflüssen hinweist:
Eine neue Studie zeigt, dass ein Mensch glücklicher ist, wenn er eine aktivere Variante eines Gens hat, das im Gehirn den Transport des Botenstoffs Serotonin (oder auch 5-HT) reguliert.
Die Ergebnisse der Studie, die heute im Journal of Human Genetics erscheint, zeigen zum ersten Mal einen direkten Zusammenhang zwischen dem genetischen Make-up und dem Glücksempfinden eines Menschen, wie es sich in seiner Zufriedenheit mit dem Leben ausdrückt.
Die Studie von Jan-Emmanuel De Neve, einem Verhaltensökonom an der London School of Economics and Political Science (LSE), analysierte genetische Daten von mehr als 2 500 Menschen, die am National Longitudinal Study of Adolescent Health (eine Langzeitstudie) teilnehmen und für die US-Bevölkerung repräsentativ sind. Er untersuchte insbesondere, welche funktionellen Varianten des 5-HTT-Gens die Teilnehmer hatten.
27. April 2011
Eine neue Studie englischer Forscher hat die Zufriedenheit von Kindern in der Familie untersucht und zeigt, dass Kinder in einer „heilen“ Familie am glücklichsten sind. Was Kinder aus ihrer Sicht darunter verstehen, ist aber zum Teil schon etwas überraschend. Wir haben die Presseerklärung der Forscher von Anfang April übersetzt, die die Rolle der Mutter betont:
Wie zufrieden Kinder und Jugendliche mit ihrer Familiensituation sind, hängt eindeutig mit der Qualität der Beziehung zu ihren Eltern zusammen und insbesondere mit der Zufriedenheit ihrer Mutter. Das zeigen die ersten Ergebnisse von Understanding Society (Die Gesellschaft verstehen), der weltweit größten Untersuchung über Familienhaushalte, die unter Leitung von Forschern des Institute for Social and Economic Research (ISER) an der University of Essex in Großbritannien durchgeführt wird.
Als Teil der Studie, die 40 000 britische Haushalte über einen Zeitraum von mehreren Jahren beobachten soll, haben die Forscher Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis fünfzehn Jahren befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind. Die Ergebnisse zeigen, dass für ein Kind die Zufriedenheit der Mutter in ihrer Partnerschaft wichtiger ist als die des Vaters. Die Ergebnisse beruhen auf den Daten von zunächst 6 441 Frauen, 5 384 Männern und 1 268 Kindern und Jugendlichen.
20. Januar 2011
Geld macht nicht glücklich ‒ Viele würden da wohl zustimmen, im Ernstfall aber doch handeln, als ob sie selber nicht so recht daran glauben. Eine neue Studie amerikanischer Forscher hat diesen Widerspruch untersucht und zeigt, dass er mit unterschiedlichen kurz- und langfristigen Bedürfnissen des Menschen zu tun hat. Wir haben die Presseerklärung der Universität zu der Untersuchung vom Dezember übersetzt, die offen lässt, ob es eine Lösung für den Widerspruch gibt:
Eine neue Studie des Wirtschaftswissenschaftlers und Universitätsprofessors Richard Easterlin – nach dem das „Easterlin-Paradox” benannt ist, und der als Begründer der Glücksforschung gilt – ist die bis jetzt umfangreichste wissenschaftliche Untersuchung, die zeigt, dass ein hohes Wirtschaftswachstum Menschen nicht zufriedener macht.
Bei ihrer Untersuchung am Beispiel von 37 Ländern aus der ganzen Welt, darunter reiche und arme, ehemals kommunistische und kapitalistische, kommen Easterlin und seine Mitarbeiter zu einem bemerkenswert übereinstimmenden Ergebnis: langfristig nimmt das Wohlbefinden der Menschen eines Landes nicht zu, wenn dort das Einkommen steigt.
29. Dezember 2010
Grübeln und Gedankenkreisen sind klassische Symptome von Depression. Eine aktuelle Studie hat untersucht, wie sich mangelnde Konzentration auf das menschliche Befinden allgemein auswirkt und zeigt, dass Tagträumen (sogar über Angenehmes) auch gesunde Menschen unglücklich macht, egal was sie sonst tun. Wir haben einen Presseartikel vom November aus Medical News Today über die noch laufende Studie übersetzt, an der Besitzer eines Smartphones selbst teilnehmen können:
Menschen sind meistens unglücklich, wenn sie ihre Gedanken schweifen lassen, was wir offenbar 46,9 Prozent der Zeit tun, die wir nicht schlafen. Am glücklichsten sind Menschen, wenn sie Sex haben, Sport treiben oder sich mit anderen unterhalten, schreiben Forscher der Harvard University in einem Artikel, der heute in dem Fachjournal Science erscheint. Am wenigsten glücklich sind wir, wenn wir uns ausruhen, einen Heimcomputer benutzen oder arbeiten. Wir sind die einzigen Tiere auf diesem Planeten, die ausgesprochen viel Zeit damit verbringen, über Dinge nachzudenken, die gar nicht um uns herum passieren. Wir denken über Dinge in der Vergangenheit nach, die in der Zukunft geschehen könnten, oder die wahrscheinlich nie eintreffen werden. Man könnte sagen, Gedankenschweifen ist der Standardmodus unseres Gehirns.