Februar 24th, 2010 — 7:09pm
Gut ausgeschlafene Schüler lernen am besten – aber wieso eigentlich? Eine neue Studie von Forschern aus den USA zeigt, dass während des Schlafs ein entscheidender Schritt beim Lernprozess stattfindet. Ich habe eine Pressemitteilung der Universität vom 22. Februar übersetzt, der die Untersuchung vorstellt, von der auch Senioren profitieren könnten:
Wenn Sie das nächste Mal einen Studenten in der Bibliothek wegdösen oder eine Kollegin am Arbeitsplatz bei der Siesta sehen, verdrehen Sie nicht gleich die Augen. Eine neue Studie von der University of California in Berkeley zeigt, dass ein Stündchen Schlaf die geistige Leistungsfähigkeit erheblich steigern und wiederherstellen kann. Weiter zeigen sie, dass ein zweiphasiges Schlafmuster nicht nur den Geist erfrischt, es kann Menschen sogar schlauer machen.
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Comment » | Hirnforschung, Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen
Januar 3rd, 2010 — 11:25pm
Eine aktuelle Studie hat die Freudlosigkeit bei Menschen mit Depression und ihre neurophysiologischen Grundlagen untersucht. Die Ergebnisse deuten auf eine gestörte Regulation des Empfindens von Freude und nicht ihr Fehlen hin. Ich habe eine Pressemitteilung der Universität vom 28.12.09 übersetzt, in der die Autoren meinen, neue Therapieformen könnten auf diese Fehlregulation der neuralen Mechanismen abzielen:
Eine neue Studie an der University of Wisconsin-Madison in den USA zeigt, dass Patienten mit Depression die Aktivität in Gehirnregionen, die mit positiven Emotionen zusammenhängen, nicht aufrechterhalten können.
Damit widerspricht die Studie der bisher verbreiteten Auffassung, dass Menschen mit Depression eine generell verminderte Aktivität in Gehirnregionen haben, die mit positiven Emotionen assoziiert sind. Stattdessen zeigen die neuen Ergebnisse, dass die Aktivität zunächst ein ähnliches Niveau erreicht, dann aber nicht sehr lange aufrechterhalten werden kann. Die Forschungsergebnisse wurden Ende Dezember 2009 in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.
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1 comment » | Depression, Hirnforschung
Dezember 26th, 2009 — 9:11am
Eine aktuelle Studie untersucht die geistige Fitness von Senioren in einem Projekt, das auf die Förderung von sozial schwachen alten und jungen Menschen abzielt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Arbeit mit Kindern die Senioren geistig reger macht, was sich auch in der Aktivität der entsprechenden Gehirnregionen sehen lässt. Ich habe einen Presseartikel der Universität vom 15. 12. übersetzt, der die positiven Gesundheitsaspekte dieses auch sozial sinnvollen Programms beschreibt:
Eine ehrenamtliche Tätigkeit wie etwa Förderunterricht für Schulkinder kann helfen, das Nachlassen der Gehirnfunktion bei älteren Menschen hinauszuzögern oder umzukehren. Das geht aus einer Studie amerikanischer Forscher an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health hervor. Die Forscher benutzten die Methode des funktionellen magnetischen Resonanzimaging (fMRT), um die Gehirnfunktion bei Senioren zu untersuchen, die an einem Betreuungsprogramm für Schulkinder teilnahmen. Mit fMRT wird der Blutfluss und damit die Aktivität bestimmter Gehirnregionen mithilfe eines magnetischen Feldes auf Scans (Bildern) sichtbar gemacht. Die Ergebnisse zeigten eine verbesserte Funktion der Gehirnregionen, die an der geistigen Planung und Organisation des täglichen Lebens beteiligt sind.
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Dezember 22nd, 2009 — 1:32pm
Beim Thema Video- und Computerspiele scheiden sich die Geister von Eltern. Kürzlich hat eine Studie den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass solche Spiele durchaus ihr Gutes haben, weil sie die visuelle Wahrnehmung von Spielern schärfen. Vor ein paar Tagen erschien ein Pressebericht über die Untersuchung, den ich übersetzt habe:
Wollen Ihre Kinder dieses Jahr eine Wii, PlayStation oder Xbox 360? Dieses Weihnachten gibt es beliebte Spielsysteme zuhauf, und Spiele zum Adrenalinpumpen und Scharfschießen. Was sollen Eltern also tun? Gibt es etwas, das all die Stunden wettmacht, die Teens wie gelähmt mit diesen Videospielen zubringen?
Eine neue Studie in Current Directions in Psychological Science, einem Journal der Association for Psychological Science, zeigt, dass regelmäßige Spieler Informationen schnell und präzise verarbeiten können. Und das nicht nur beim Spielen, sondern auch in wirklichen Lebenssituationen.
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Dezember 15th, 2009 — 4:32pm
In einer neuen Studie haben Neurowissenschaftler gezeigt, dass bei Patienten mit allgemeinen Angststörungen die Aktivität bestimmter Gehirnregionen verändert ist. Manche dieser Regionen haben Funktionen, die Symptome wie irrationale Ängste oder Herzrasen erklären können. Studien dieser Art machen sichtbar, wie real psychische Probleme sind, die ein Patient nur schildern kann. Ich habe einen Presseartikel von voriger Woche übersetzt, der die Ergebnisse der Studie genauer beschreibt:
Eine aktuelle Studie untersuchte die Funktion von Nervenverbindungen im Gehirn von Patienten mit allgemeinen Angststörungen (GAD) und zeigte eine unnormale Funktion in Teilen der Amygdala, einer Gehirnregion. Weiter stellten die Forscher eine unnormale Aktivierung eines Netzwerks von Nerven in Regionen des Großhirns fest, die hinter der Stirn und über den Ohren liegen. Die Aktivierung dieses Netzwerks könnte bei Patienten zur Steuerung ihres unnormalen Verhaltens mit beitragen aber auch die Veränderungen in der Amygdala teilweise ausgleichen. Diese Untersuchungsergebnisse, die in der Dezemberausgabe der Archives of General Psychiatry veröffentlicht sind, bestätigen Theorien der Hirnforschung über die Wahrnehmung bei Patienten mit GAD.
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Comment » | Angst- & Panikstörung, Hirnforschung
November 18th, 2009 — 5:33pm
Wenn jemand sich an etwas stört, kann er wegschauen oder weghören, aber wegriechen – das gibt es nicht. Wir haben nicht die gleiche Willenskontrolle über den Geruchssinn wie über andere Sinne. Eine neue wissenschaftliche Studie zeigt nun warum: Die Wahrnehmung von Gerüchen funktioniert anders. Ich habe die Pressemitteilung der Forscher übersetzt:
Von den Madeleine-Küchlein in Prousts Novelle Auf der Suche nach der verlorenen Zeit zu dem anmaßenden Restaurantkritiker im Film Ratatouille, den der Duft von geschmortem Gemüse in seine Kindheit zurück versetzt – Künstler wussten schon lange, dass manche Gerüche spontan die lebhaftesten Erinnerungen wachrufen können. Wissenschaftler am Weizmann Institute of Science in Israel haben jetzt die wissenschaftliche Basis für diesen Zusammenhang aufgezeigt. Ihre Forschungsergebnisse sind in der letzten Ausgabe von Current Biology veröffentlicht worden.
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Comment » | Hirnforschung
November 16th, 2009 — 6:01pm
Der Schritt vom Verhalten von Molekülen oder Nerven zur Wahrnehmung und Empfindung des Menschen ist riesig, und entsprechend lange kann die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden dauern. Forscher haben in einer aktuellen Studie eine Methode vorgestellt, mit der man diesen Prozess für Menschen mit Angststörungen beschleunigen könnte. Ich habe die Pressemitteilung der Wissenschaftler zu ihrer faszinierenden Studie übersetzt:
In einer neuen Studie gelang es Psychologen an der University of Alabama, Birmingham (UAB) in den USA zum ersten Mal zu sehen, wie genau verschiedene Gehirnregionen des Menschen bei einem unerwarteten oder traumatischen Ereignis reagieren. Die Untersuchung könnte die Entwicklung biologischer Diagnoseverfahren ermöglichen, mit denen man bei Leuten eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) feststellen kann, oder Patienten mit PTSD, die von einer bestimmten Behandlungsmethode profitieren könnten.
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November 13th, 2009 — 10:01pm
Manchen Kindern fällt es in der Schule besonders schwer, lesen zu lernen. Eine aktuelle Studie hat nun einen Mechanismus im Gehirn identifiziert, der bei diesen Kindern gestört ist, sodass sie sich auf Sprache nur schwer konzentrieren können. Ich habe die Pressemitteilung der Autoren zusammengefasst und übersetzt.
Eine neue Forschungsuntersuchung zeigt, dass Kinder mit Entwicklungsdyslexie (Leseleistungsschwäche) einen Defekt in einem Mechanismus im Gehirn haben, der eine Rolle bei der Wahrnehmung von Sprache in einer geräuschvollen Umgebung spielt. Die Studie, die Cell Press in der Novemberausgabe von Neuron veröffentlichte, liefert den ersten direkten Beweis, dass sich das auditorische (für das Hören zuständige) Stammhirn des Menschen bemerkenswert schnell umzuformen und eine Feineinstellung vornehmen kann, die für das Herausfiltern von störenden Geräuschen wichtig ist.
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November 12th, 2009 — 8:54am
Viele Menschen greifen bei starken Schmerzen zu Pillen – mit wechselndem Erfolg. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung zeigt nun, dass sich Schmerzen auch anders und vielleicht wirksamer lindern lassen. Ich habe die Pressemitteilung der Forscher für Sie übersetzt.
Sie lassen sich diesen Herbst gegen Grippe impfen? Kanadische Wissenschaftler haben festgestellt, wenn man sich dabei auf ein schönes Bild konzentriert, könnte die Impfspritze weniger wehtun. Nach einer neuen Studie von Forschern der Université de Montréal in Nature Precedings, wirken sich negative und positive Emotionen stark auf das Schmerzempfinden eines Menschen aus.
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Februar 3rd, 2009 — 10:59am
Stress ist mitverantwortlich für eine Reihe von psychischen Erkrankungen. Was aber genau im Gehirn passiert, wenn Menschen unter Stress geraten, ist bislang weitgehend unklar. In einer Studie, die vor einigen Wochen in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, haben Forscher der Rockefeller University versucht, etwas Licht in das Dunkel zu bringen. Die Forscher ließen zwei Gruppen von jeweils 20 Studenten Aufgaben lösen, in denen es u.a. notwendig war, die Aufmerksamkeit zwischen unterschiedlichen Arten von Informationen zu wechseln, um die Aufgabe bewältigen zu können (”attention shifting”). Die eine Gruppe befand sich kurz vor einer entscheidenden Prüfung und war nach eigenen Angaben unter Stress. Die andere Gruppe nahm das Studieren gerade leicht (”taking it easy”), gab also an, nicht unter Stress zu sein.
In den “Attention-Shifting”-Tests war die Leistungsfähigkeit der gestressten Gruppe tatsächlich erheblich schlechter als die der Kontrollgruppe. Mit Hilfe eines Magnetresonanztomographen konnte außerdem gezeigt werden, dass bei den gestressten Versuchspersonen die Hirnareale im präfrontalen Cortex, die für das Lösen der Aufgaben nötig waren, deutlich niedrigere Aktivität aufwiesen als bei den nicht gestressten.
Stress führt also offensichtlich zu physischen Veränderungen in der Hirnaktivität und damit einhergehend zu einer verminderten Leistungsfähigkeit bei spezifischen Aufgaben.
Die gute Nachricht: Das Gehirn kann sich offensichtlich relativ schnell regenerieren. Als die Forscher die gestressten Studenten einige Zeit nach ihren Prüfungen wieder untersuchten, unterschieden sich ihre Leistungen sich nicht mehr von der Kontrollgruppe. Auch die Aktivität der entsprechenden Hirnareale war wieder auf dem zu erwartenden Niveau.
Quelle:
Liston et al. Proceedings of the National Academy of Sciences, Jan 2009
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