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Wie wichtig ist guter Schlaf in der Pubertät?

11. November 2012

Wie hängt Schlaf mit Kreativität & Erinnerungsvermögen zusammenWenn junge Menschen in die Pubertät kommen, wollen sie auf einmal möglichst spät ins Bett, dafür aber lange ausschlafen. Man könnte meinen, diese allgemein bekannte Verschiebung des Biorhythmus sei nichts als ein vorübergehendes Problem, das sich später wieder von selbst gibt. Nun hat eine aktuelle Studie das Schlafverhalten von Teenagern untersucht und zeigt, dass gerade in diesem Alter ein regelmäßiges Schlafmuster besonders wichtig ist. Wir haben einen Presseartikel über die Studie vom September übersetzt:

Der Tiefschlaf hat einen entscheidenden Einfluss auf den Beginn der Pubertät. Deshalb ist es äußerst wichtig, dass Eltern dafür sorgen, dass ihre Teenager jede Nacht genug Schlaf bekommen.

In der Pubertät beziehungsweise im Jugendalter wird der Mensch fortzupflanzungsfähig. In welchem Alter das ist, variiert stark von einem zum anderen. Faktoren, die einen Einfluss auf den Beginn der Pubertät haben können, sind das genetische Make-up des Einzelnen, seine Ernährungsgewohnheiten, seine Umwelt, manche sozialen Faktoren und, wie diese Studie zeigt, auch seine Schlafgewohnheiten.

Die Pubertät kann bei Mädchen im Alter von 8 bis 13 und bei Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren einsetzen.

Nun zeigt eine neue Studie im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism (JCEM), das von der Endocrine Society herausgegeben wird, dass bestimmte Prozesse im Gehirn die Veränderungen auslösen, die bei Mädchen und Jungen während der Pubertät stattfinden.

Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass bestimmte Gehirnregionen, die die Pubertät kontrollieren, aktiv werden, wenn ein Mensch schläft. Die aktuelle Studie zeigt aber, dass es nicht der Schlaf als solcher, sondern der Tiefschlaf ist, der die Pubertät in Gang bringt.

Im Jahre 2010 haben Forscher eine Studie veröffentlicht, nach der das Hormon Leptin den Beginn der Pubertät bei Mädchen auslösen könnte, indem es auf die sogenannte PMV-Region des Hypothalamus im Gehirn wirkt.

Als „Tiefschlaf” oder „SWS“ (vom Englischen „slow wave sleep”) bezeichnet man die Stadien 3 und 4 des Non-REM-Schlafs. Aber seit die American Academy of Sleep Medicine 2008 aufgehört hat die Bezeichnung „Stadium 4“ zu verwenden, betrachtet man die Stadien 3 und 4 als ein einziges Stadium, den Tiefschlaf.

Der Tiefschlaf ist das Stadium, in dem der Mensch am meisten träumt. Die Träume, die wir in dieser Phase haben, sind weniger lebhaft, wir erinnern uns später nicht so gut an sie, und die geträumten Handlungen sind weniger durchgängig als bei Träumen im REM-Schlaf.

Dr. Natalie Shaw, die erste Autorin der Studie vom Massachusetts General Hospital and Boston Children’s Hospital, sagt zu den Ergebnissen:

„Wenn die Teile des Gehirns, die das Fortpflanzungssystem aktivieren, den Tiefschlaf brauchen, müssen wir uns Sorgen machen, dass unzureichender oder gestörter Schlaf bei Kindern und Jugendlichen die normale Reifung in der Pubertät beeinträchtigen könnte. Das gilt besonders für Kinder, die eine Diagnose von Schlafstörungen haben, könnte aber noch andere weitreichende Folgen haben. Denn neuere Studien haben gezeigt, dass die meisten jungen Menschen nicht so viel Schlaf bekommen, wie sie brauchen.“

Für ihre Studie untersuchten die Experten die Sekretion des luteinisierenden Hormons (LH) bei Kindern im Alter von 9 bis 15 Jahren, und wie sie mit bestimmten Stadien des Schlafs zusammenhängt.

LH spielt eine entscheidende Rolle beim Auslösen des Eisprungs bei Mädchen und der Testosteronproduktion bei Männern und ist damit ein wesentlicher Bestandteil des Fortpflanzungssystems.

Die Experten stellten fest, dass nach den meisten LH-Pulsen eines Schlafenden eine Tiefschlafphase folgt. Das bedeutet, dass es einen engen Zusammenhang zwischen dem Tiefschlaf und Prozessen zu Beginn der Pubertät gibt.

Eine frühere Studie, die 2009 in dem Journal SLEEP publiziert wurde, zeigt, dass manchmal Veränderungen beim Schlafmuster von elf- bis zwölfjährigen Kindern schon vor den körperlichen Veränderungen sichtbar werden, die zur Pubertät gehören. Es ist daher äußerst wichtig, dass Eltern sich darum bemühen, dass ihre Kinder und Teenager ein regelmäßiges Schlafmuster haben, wenn sie in einem Alter kurz vor Beginn der Pubertät sind.

Quellen:

Medical News Today, 12. Sept 2012

Shaw et al. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, Sept 2012

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Weitere Links:

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Rubrik: Hirnforschung, Kinder & Jugendliche, Schlafstörungen
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