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Wie viel Schlaf braucht ein Teenager?

2. April 2012

behaviour therapy improves sleep sIn der Pubertät gerät für ein paar Jahre, wie vieles andere auch, der Tag-Nacht-Rhythmus junger Menschen durcheinander. Nicht selten kommt es deswegen zwischen Eltern und Jugendlichen zu Spannungen. Eine neue Studie hat untersucht, wie viel Schlaf Menschen in diesem Alter wirklich brauchen. Wir haben einen Presseartikel über die Studie vom Februar übersetzt, in der die Forscher die schulische Leistung als Maßstab nahmen:

Wie lange sollten 16 bis 18 Jahre alte Teenager am besten schlafen – sieben Stunden oder lieber neun? Scheinbar sind junge Leute, die sieben Stunden schlafen, in der Schule besser als ihre Klassenkameraden, die neun Stunden schlafen, obwohl offizielle Richtlinien neun empfehlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von zwei Forschern der Brigham Young University in den USA, die jetzt im Eastern Economics Journal erschienen ist.

Eric Eide, einer der Autoren, sagt:

„Wir empfehlen keinen Schlafentzug. Die Daten zeigen einfach, dass für dieses Alter sieben Stunden optimal sind.“

Eric Eide und Wirtschaftsprofessor Mark Showalter wollten herausfinden, welchen Einfluss die Schlafdauer und –qualität auf die schulische Bildung und Gesundheit junger Menschen haben könnte. Dies ist der erste in einer Reihe von Artikeln über die Studie.

Die Autoren sagen, dass ihre Ergebnisse Regierungsrichtlinien widersprechen, nach denen Teenager so lange schlafen sollten, wie sie möchten.

Showalter sagt:

„Wenn Sie so an eine Richtlinie herangingen, wie viel ein Mensch essen sollte, würden sie ihn in eine schön volle Speisekammer stecken und einfach zusehen, wie viel er isst bis er sich satt fühlt. Das klingt irgendwie nicht richtig.“

Die Forscher wollten untersuchen, ob es einen Zusammenhang von Schlaf und Produktivität oder Leistung gibt, der sich quantifizieren lässt. Sie sammelten Daten über 1724 Grund- und Oberschülern aus den ganzen Vereinigten Staaten. Die Autoren weisen darauf hin, dass ihre Stichprobe repräsentativ für amerikanische Schulkinder war.

Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Schlafdauer der Schüler auf ihre Leistung bei Standardtests in der Schule auswirkte.

Aber wenn es um Schlaf geht, ist mehr nicht unbedingt besser.

Je älter ein Schulkind wird, desto weniger Schlaf braucht es:

• 10 Jahre: die optimale Schlafdauer ist 9 bis 9,5 Stunden pro Nacht.
• 12 Jahre: die optimale Schlafdauer ist 8 bis 8,5 Stunden pro Nacht.
• 16 Jahre: die optimale Schlafdauer ist 7 Stunden pro Nacht.

Eide sagt:

„Wir sollten das nicht nur aus der einen Perspektive betrachten, dass ein Kind vielleicht zu viel schläft. Auf der anderen Seite des Spektrums könnte ein Kind nur 5,5 Stunden Schlaf pro Nacht bekommen, weil es zu viel um die Ohren hat, aber es könnte mehr leisten, wenn es jede Nacht 90 Minuten mehr Schlaf hätte.“

Die Leistung in diesen Tests hängt von verschiedenen Faktoren ab, schreiben die Autoren. Aber sie haben errechnet, dass eine Anpassung von 80 Minuten in Richtung auf die optimale Schlafdauer einem extra Schuljahr entspricht, das ein Mensch länger zur Schule geht.

Showalter sagt:

„Die meisten unserer Studenten an der BYU, besonders die, die an der Highschool früh morgens Unterricht hatten, werden feststellen, dass die besten Schüler nicht die sind, die 9 Stunden schlafen.“

Quellen:

Medical News Today, 20. Feb 2012

Eide & Showalter. Eastern Economic Journal, Jan 2012

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Rubrik: Kinder & Jugendliche, Schlafstörungen
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7 Kommentieren

  1. Markus
    April 5th, 2012

    Die besten Schulnoten korrelieren also mit ca. 7 Stunden Schlaf. Heisst das, dass Kinder u.U. weniger schlafen sollten, oder dass die Kinder die 9 Stunden schlafen wollen schlechtere Noten kriegen?
    Es ist z.B. vorstellbar das Kinder die Belastungen ausgesetzt sind deswegen mehr schlafen wollen und aus gleichem Grund auch schlechtere Noten kriegen.
    Der Text hier gibt jedenfalls nur die Korrelation her, keinen Kausalzusammenhang.

  2. Tim
    Juni 6th, 2013

    Ich stimme da Markus Kommentar vollkommen zu. Außerdem ist es sehr stark genetisch bedingt, wieviel Schlaf ein Mensch benötigt. Einige wenige Menschen kommen mit unter 6 Stunden jede Nacht aus, andere benötigen 8,5-9 Stunden um sich vollkommen fit und leistungsfähig zu fühlen!

    Grüße

    Tim

  3. Karin
    Oktober 6th, 2013

    Ich muss zugeben, dass ich die Quellen nicht nachgelesen habe. Aber es kann auch sein, dass ein Kind, welches eher von der langsamen Sorte ist auch mehr Schlaf braucht. Dann ist der geringere Schlafbedarf nur ein Symptom, aber nicht die Ursache.

    Interessant wäre es wenn man eine Studie durchführt in der Jugendliche zufällig Gruppen zugeordnet werden (7h Gruppe, 6h Gruppe, 8 h Gruppe, …). Sie dürfen dann nur noch so viel schlafen wie vorgegeben. Dann wäre die Studie aussagekräftig. Es müssten natürlich 500++ Jugendliche teilnehmen und man müsste die Leistungen kontinuierlich abprüfen.

    Ich werde die Quellen vielleicht mal nachlesen. Es hört sich jedenfalls interessant an.

    Servus
    Karin

  4. Thomas
    Juli 15th, 2014

    Ich finde die Studie irrelevant, weil für mich der Gradmesser nicht die Leistungsfähigkeit ist, die ein Kind erbringen kann, sondern vielmehr sein Befinden. Geht es ihm gut, kann es sich ganzheitlich entwickeln und die eigene Persönlichkeit entfalten – das wären für mich relevante Fragen. Leistung messen ist letztes Jahrhundert.

  5. Thomas
    Juli 15th, 2014

    Ich finde die Studie irrelevant, weil für mich der Gradmesser nicht die Leistungsfähigkeit ist, die ein Kind erbringen kann, sondern vielmehr sein Befinden. Geht es ihm gut, kann es sich ganzheitlich entwickeln und die eigene Persönlichkeit entfalten, wie entwickelt es sich in sozialer Hinsicht etc. – das wären für mich relevante Fragen. Leistung messen ist letztes Jahrhundert.

  6. Jasmin
    September 18th, 2014

    Ich (41) habe immer auf min. 8Std. Schlaf geachtet.
    Doch èinmal konnte ich ganz schlecht schlafen. Habe nachts wach gelegen und musste doch am nächsten Tag arbeiten.
    Zu meinem Erstaunen, war ich viel konzentrierter, schneller und leistungsfähiger als sonst.
    LG Jasmin

  7. Marcel
    Februar 24th, 2015

    @Thomas ,
    ich denke, dass es einen ganz großen Zusammenhang zwischen der Leistungsfähigkeit eines Kindes und dessen Wohlbefinden gibt.
    Daher finde ich, dass diese Studie keinesfalls irrelevant ist.

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