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Nostalgie – Vertreiben warme Gedanken wirklich die Kälte?

20. Januar 2013

Lässt-das-Gedächtnis-im-Alter-zwangsläufig-nach-1-300x199Oft assoziieren Menschen positive und negative Stimmungen mit einer bestimmten Temperatur. Es gibt Dinge, da kann es einem „kalt den Rücken herunter laufen“ und andere, wo einem „ganz warm ums Herz“ wird. Eine neue Studie hat die Wirkung nostalgischer Gefühle auf das Temperaturempfinden von Testpersonen untersucht. Wir haben die Presseerklärung der Universität zu der Studie vom Dezember übersetzt, die – passend zur Jahreszeit – zeigt, dass es so etwas wie warme Gedanken tatsächlich gibt:

Wenn die Nächte länger werden und die Temperaturen fallen, werden viele von uns überlegen, wie sie sich in dunklen Winternächten aufwärmen können. Aber die wenigsten würden wohl darauf kommen, dass Erinnerungen an vergangene Zeiten eine effektive Methode sind, um sich warm zu halten.

Doch eine Studie englischer Forscher von der University of Southampton zeigt, dass Menschen von nostalgischen Gefühlen wärmer werden kann.

Die Studie, die in dem Fachjournal Emotion veröffentlicht wurde, untersuchte die Wirkung nostalgischer Gefühle auf die Reaktion von Menschen auf Kälte und die Wahrnehmung von Wärme. Die Freiwilligen von der Sun Yat-Sen-Universität in China und der Universität Tilburg in den Niederlanden nahmen an je einem von insgesamt fünf Experimenten teil.

Für das erste Experiment sollten die Teilnehmer 30 Tage lang aufschreiben, an welchen Tagen sie nostalgische Gefühle hatten. Die Ergebnisse zeigten, dass sie sich an kälteren Tagen eher nostalgisch fühlten. Für das zweite Experiment hielten sich die Teilnehmer in einem von drei Räumen auf, die unterschiedliche Temperaturen hatten: kühl (20?C), angenehm (24?C) und heiß (28?C). Dann wurde gemessen, wie nostalgisch sie sich fühlten. Die Teilnehmer in dem kühlen Raum fühlten sich nostalgischer als die in den angenehmen und heißen Räumen. In den angenehmen und heißen Räumen fühlten sich die Testpersonen gleich.

Im dritten Experiment, das online durchgeführt wurde, benutzten die Forscher Musik, um nostalgische Gefühle hervorzurufen und den Zusammenhang mit Wärme zu testen. Die Teilnehmer, die angaben, dass die Musik sie nostalgisch machte, fühlten sich bei der Musik oft auch physisch wärmer.

Das vierte Experiment testete die Wirkung nostalgischer Gefühle auf das körperliche Wärmeempfinden von Teilnehmern, die in einem Kühlraum waren. Dort sollten sie sich an nostalgische oder neutrale Ereignisse aus ihrer Vergangenheit erinnern. Dann sollten sie die Temperatur des Raumes schätzen. Diejenigen, die sich an ein nostalgisches Ereignis erinnert hatten, empfanden den Raum, in dem sie waren, als wärmer.

In Experiment Nummer 5 sollten sich die Teilnehmer wieder an ein nostalgisches oder ein neutrales Ereignis aus ihrer Vergangenheit erinnern. Dann hielten sie ihre Hand in eiskaltes Wasser, um zu testen, wie lange sie es aushalten konnten. Die Ergebnisse zeigten, dass diejenigen Teilnehmer, die in Nostalgie geschwelgt hatten, ihre Hand länger im Wasser lassen konnten.

Dr. Tim Wildschut, Dozent an der University of Southampton und einer der Autoren der Studie, sagt zu den Ergebnissen: „Menschen haben oft nostalgische Gefühle und praktisch jeder hat sie. Wir wissen, dass sie zum seelischen Wohlbefinden beitragen. Zum Beispiel können nostalgische Träumereien helfen mit Einsamkeit fertig zu werden. Wir wollten einen Schritt weitergehen und testen, ob sie auch zum körperlichen Wohlbefinden beitragen können.“

„Unsere Studie hat gezeigt, dass Nostalgie eine homöostatische Funktion hat [der Aufrechterhaltung des Wohlbefindens dient]. Sie ermöglicht es einem Menschen im Geiste einen Zustand zu simulieren, den er früher einmal als angenehm empfunden hat. Das gilt auch für Zustände körperlichen Wohlbefindens, in diesem Fall, dass jemand sich wärmer fühlt oder Kälte besser aushalten kann. Nun müssen wir noch weitere Untersuchungen durchführen, um zu testen, ob Nostalgie auch bei anderen Formen physischen Unbehagens helfen kann, nicht nur bei niedrigen Temperaturen.“

Quellen:

EurekAlert!, 3. Dez 2012

Zhou et al. Emotion, 2012

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Rubrik: Alter, Glücksforschung
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