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Können Emotionen das Schmerzempfinden beeinflussen?

12. November 2009

Können Emotionen das Schmerzempfinden beeinflussen sViele Menschen greifen bei starken Schmerzen zu Pillen – mit wechselndem Erfolg. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung zeigt nun, dass sich Schmerzen auch anders und vielleicht wirksamer lindern lassen. Ich habe die Pressemitteilung der Forscher für Sie übersetzt.

Sie lassen sich diesen Herbst gegen Grippe impfen? Kanadische Wissenschaftler haben festgestellt, wenn man sich dabei auf ein schönes Bild konzentriert, könnte die Impfspritze weniger wehtun. Nach einer neuen Studie von Forschern der Université de Montréal in Nature Precedings, wirken sich negative und positive Emotionen stark auf das Schmerzempfinden eines Menschen aus.

Emotionen – oder Stimmungen – können unsere Reaktion auf Schmerzen verändern, weil beides miteinander verknüpft ist“, sagt der Hauptautor der Studie Mathieu Roy, der die Untersuchung als Doktorand an der Université de Montréal durchführte und jetzt Postdoctoral Fellow an der Columbia University ist. „Unsere Tests haben gezeigt, wann unser Gehirn Schmerz wahrnimmt, und wie dieser Schmerz verstärkt werden kann, wenn er mit negativen Emotionen kombiniert wird.“

Für die Studie erhielten 13 Testpersonen kleine, aber schmerzhafte Elektroschocks, mit denen eine Kniereflex-Reaktion ausgelöst wurde. Diese Reflexe werden von Nervenzellen im Rückenmark kontrolliert und lassen sich messen. Während der Experimente wurden den Testpersonen nacheinander Bilder gezeigt, die entweder angenehm (nämlich im Sommer Wasserski fahren), unangenehm (ein grimmiger Bär) oder aber neutral (ein Buch) waren. Dabei wurde die Reaktion im Gehirn der Testpersonen durch fMRT (Funktionelle Magnetresonanztomographie) gemessen. Bei dieser Methode aus der Diagnostik befindet sich der Mensch in einem magnetischen Feld, und die Aktivität bestimmter Gehirnregionen wird sichtbar gemacht, ähnlich wie bei Röntgenaufnahmen.

Anhand der fMRT-Aufnahmen konnten die Wissenschaftler die Gehirnaktivitäten unterscheiden, die durch Emotionen und die Reaktion auf den Schmerz in verschiedenen Gehirnregionen ausgelöst werden. „Wir stellten fest, dass der Anblick unangenehmer Bilder während der Schocks bei den Testpersonen einen stärkeren Schmerz auslöste als das Betrachten angenehmer Bilder“, sagt Dr. Roy.

Die Beobachtungen sind ein wissenschaftlicher Nachweis dafür, dass das Schmerzempfinden eines Menschen von seiner Stimmung beeinflusst wird. Damit stehen sie im Einklang mit Dr. Roy’s früheren Untersuchungen, die zeigten, wie angenehme Musik Schmerzen lindern konnte. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass man eine nicht-medikamentöse Behandlung – zum Beispiel Fotografie oder Musik zum Aufhellen der Stimmung – bei Kranken zum Lindern von Schmerzen verwenden könnte“, sagt er und betont: „Solche Behandlungen wären nicht teuer und ließen sich nach Bedarf für viele Bereiche anpassen.“

Quellen:

UdeMNouvelles, 10. Nov 2009

Roy et al. Nature Precedings, 2009

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Rubrik: Hirnforschung, Psychosomatik & Schmerzen
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