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Beeinträchtigt Stress unser Urteilsvermögen?

3. Oktober 2009

Ja, wahrscheinlich tut es dies.  Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die in der aktuellen Ausgabe von Psychological Science, einem Journal der Association for Psychological Science, veröffentlicht wurden. Außerdem ist diese Untersuchung ein schönes Beispiel dafür wie man komplexe Fragestellungen in überaus simple Versuchsanordnungen herunterbrechen kann. Natürlich können damit Themen wie Einfluss von Stress auf Urteilsbildung nicht erschöpfend bearbeitet werden. Aber es ist ein weiterer interessanter Baustein innerhalb einer Serie von Untersuchungen zu diesem Thema. Nachfolgend meine auszugsweise Übersetzung der entsprechenden Mitteilung der Association for Psychological Science:

Wir müssen dauernd Entscheidungen treffen. Oft denken wir dabei über das Für und Wider unserer Alternativen sorgfältig nach und berücksichtigen frühere Erfahrungen in ähnlichen Situationen, bevor wir zu einem endgültigen Entschluss kommen. Aber eine neue Untersuchung zeigt, dass kognitiver Stress wie zum Beispiel Ablenkung diese ausgewogene, logische Vorgehensweise bei der Entscheidungsfindung beeinflussen kann. Die Psychologen Jane Raymond und Jennifer L. O’Brien von der Bangor University in Großbritannien wollten untersuchen, wie kognitiver Stress das Fällen vernünftiger Entschlüsse beeinträchtigt. In dieser Studie spielten Versuchspersonen ein simples Glücksspiel, wo sie Geld verdienten, indem sie sich zwischen zwei Reizen entscheiden konnten – in diesem Fall zwei Bilder von verschiedenen Gesichtern. Sobald sie ihre Wahl getroffen hatten, wurde sofort klar, ob sie gewonnen, verloren oder gleichgezogen hatten. Die ganze Aufgabe hindurch war jedes Gesicht immer mit dem gleichen Ergebnis assoziiert. In der nächsten Phase des Experiments wurde den Freiwilligen jedes Gesicht einzeln gezeigt, und sie mussten angeben, ob sie diese Gesichter vorher gesehen hatten. Während dieser Aufgabe wurden die Freiwilligen manchmal abgelenkt und manchmal nicht.

Die Ergebnisse zeigen, dass Ablenkungen einen erheblichen Einfluss auf die Entscheidungsfindung haben. Wenn die Freiwilligen nicht abgelenkt waren, erkannten sie die Gesichter am ehesten, mit denen sich die Ergebnisse “gewinnen” oder “verlieren” sehr gut voraussagen ließen. Wenn sie dagegen abgelenkt waren, erkannten sie nur diejenigen Gesichter, die zuvor mit “gewinnen” assoziiert gewesen waren.

Die Autoren stellen fest, dass wenn wir eine Entscheidung unter Stress fällen müssen, “wir eher Dinge berücksichtigen, die in der Vergangenheit zu einer Belohnung führten, und übersehen dabei Informationen, die negative Ergebnisse vorhersagen”. Anders ausgedrückt zeigen diese Ergebnisse, dass in Zeiten der Anspannung unser Verhalten durch irrationale Neigungen, die frühere Belohnungen bevorzugen, gelenkt werden kann.

Quellen:

Association for Psychological Science, 15.9.2009

Raymond & O’Brien. Psychological Science, Aug 2009

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Rubrik: Burnout/Stress, Leistungsfähigkeit
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