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Gibt es eine psychologische Erklärung für Englands Elfmeterschwäche?

12. Dezember 2009

soccer s sIm Laufe seiner Karriere verwandelte Roberto Baggio zwei Elfmeter mit „Doppelbande“ (Latte, rückwärts an den Keeper, ins Tor). Eine neue Studie zeigt nun, dass es auch simpler geht und ganz ohne Torwart. Man(n) darf nur keine Angst haben. Ich habe die Pressemitteilung der Forscher aus dem Mutterland des Fußballs übersetzt, in der so etwas wie Hoffnung mitschwingt:

Eine neue Studie könnte eine Erklärung liefern, warum die englische Nationalmannschaft beim Elfmeterschießen immer verliert – und könnte dem Team helfen, dass Problem noch rechtzeitig zum Worldcup 2010 anzupacken. Die Untersuchung von Forschern der University of Exeter in England hat zum ersten Mal die Auswirkungen von Furcht auf die Augenbewegungen eines Fußballspielers sichtbar gemacht, während er einen Elfmeter schießt.

Die Studie zeigt, wenn ein Elfmeterschütze Angst hat, blickt er den Torhüter in der Mitte des Tores an und fixiert ihn. Wegen der engen Abstimmung von Blick- und motorischer Kontrolle landet der Schuss eher in der Mitte und ist damit einfacher zu halten. Die Ergebnisse wurden jetzt unter dem Titel „Angst, Konzentration und Versagen beim Elfmeterschuss“ in der Dezemberausgabe des Journal of Sport and Exercise Psychology veröffentlicht.

Die Forscher halten diese Veränderung der Augenbewegungen und des Ziels der Konzentration für einen Ausdruck der Angst. Greg Wood, einer der Autoren von der University of Exeter’s School of Sport and Health Sciences, sagt: „Wenn eine Situation allzu nervenaufreibend wird, lassen wir uns vom Eindruck der Bedrohung stärker ablenken und konzentrieren uns auf sie und nicht mehr auf die Aufgabe vor uns. Unter dem Stress des Elfmeterschießens richtet sich daher die Aufmerksamkeit des Fußballspielers eher auf den Torwart als auf die besten Zonen für einen Treffer (direkt innerhalb der Pfosten). Das hindert am gezielten Schuss und erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen Schuss auf den Keeper, der ihn dann eher hält.“

Für ihre Untersuchung konzentrierten sich die Forscher auf vierzehn Spieler des Fußballteams der University of Exeter. Die Spieler hatten zwei Serien von Strafstößen zu verwandeln. Zuerst sollten sie einfach nur ihr Bestes geben um zu treffen. Die zweite Serie machten die Forscher dann nervenaufreibender und mehr wie ein Elfmeterschießen. Sie sagten den Spielern, jetzt würde ihr Ergebnis aufgeschrieben und den anderen Spielern mitgeteilt, wenn später der beste Elfmeterschütze mit einem Preisgeld von fünfzig Pfund Sterling geehrt würde.

Die Spieler trugen eine Spezialbrille, mit deren Hilfe die Forscher die Augenbewegungen genau auszeichnen konnten. Dann analysierten sie, worauf genau der Blick des Fußballspielers gerichtet war, und wie lange er verschiedene Stellen im Tor anblickte.

Die Ergebnisse zeigten, wenn die Spieler Angst hatten, blickten sie den Torwart viel früher und länger an. Dieses veränderte Blickverhalten führte dazu, dass die Spieler häufiger auf die Mitte des Tores schossen, wo der Torwart den Ball leichter halten konnte. Die Forscher meinen, wenn man Trainern die Wirkung von Angst auf Augenbewegungen bewusst macht, und welchen Einfluss sie auf die Treffsicherheit von Spielern haben, könnten sie im Training daran arbeiten.

Und Greg Wood fährt weiter: „Die Ergebnisse zeigen, die beste Strategie für Elfmeterschützen ist, sich eine Stelle aussuchen, auf diese Stelle zielen und den Torhüter dabei ignorieren. Ein Training für diese Strategie würde wahrscheinlich auf die eng abgestimmten Augenbewegungen und die dann folgenden motorischen Abläufe aufbauen, damit der Schuss zielgenauer wird. Das Argument, man könne das Gefühl der Angst bei einem Elfmeterschützen nicht künstlich erzeugen, ist keine Entschuldigung das nicht zu üben. Glauben Sie, andere Klassespieler beim Darts, Snooker oder Golf üben deswegen grundlegende Schüsse aufs Ziel nicht? Diese praktischen Fähigkeiten müssen in Fleisch und Blut übergehen, damit sie Druck standhalten.“

Quellen:

University of Exeter News

Journal of Sport and Exercise Psychology 2009

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Rubrik: Angst- & Panikstörung, Burnout/Stress
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