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Wie wirksam ist Verhaltenstherapie bei Depressionen?

24. Januar 2010

Eine aktuelle Studie untersucht die Wirkung von Psychotherapie als vorbeugende Maßnahme gegen Depression bei besonders gefährdeten Patienten. Die Forscher zeigen, dass eine relativ kurze Gruppentherapie eine lang anhaltende Schutzwirkung haben kann. Ich habe einen Presseartikel von Reuters Health übersetzt, der diese ermutigenden Ergebnisse beschreibt:

(Reuters Health) Eine neue Studie untersuchte die Behandlung von Patienten, die sich von einer Phase mit schwerer Depression erholt haben, für die aber weiterhin ein hohes Risiko einer erneuten Erkrankung besteht. Die Ergebnisse zeigen, dass relativ wenige Gruppensitzungen kognitive Verhaltenstherapie (KVT) bald nach der Genesung neue Depressionsphasen fünf Jahre oder länger verhindern können.

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass KVT bei frisch von Depression genesenen Patienten eine Wiedererkrankung verhindern kann. Allerdings war nicht bekannt, wie lange die Wirkung der Behandlung anhält, sagen Dr. Claudi L. H. Bockting von der Universität Groningen in den Niederlanden und ihre Mitarbeiter von der DELTA-Studiengruppe.

Die Forscher veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Untersuchung in der Dezemberausgabe des Journal of Clinical Psychiatry. An der groß angelegten Studie nahmen 172 Patienten teil, die sich bei ihrer Aufnahme gerade von einer Depression erholt hatten. Die Patienten wurden mit KVT behandelt und dann fünfeinhalb Jahre lang beobachtet.

In einer E-Mail an Reuters Health betonte Dr. Bockting: „In unserer Studie war auch eine Gruppe mit hohem Risiko für eine Wiedererkrankung – Patienten, die in der Vergangenheit schon mehrere Phasen von Depression hatten“.

Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und hatten entweder eine Standardbehandlung, oder sie nahmen zusätzlich acht Wochen lang einmal pro Woche an zweistündigen Gruppensitzungen mit KVT durch speziell dafür geschulte Psychologen teil. Bei dieser vorbeugenden KVT lag der Schwerpunkt auf der Identifizierung und Veränderung gestörter Einstellungen zum Leben, der Verstärkung positiver Erinnerungen durch ein Tagebuch über positive Erlebnisse und der Ausarbeitung spezifischer Strategien, um gegen einen neuen Rückfall vorzubeugen.

Während der Studiendauer hatten insgesamt 135 (79 Prozent) der Patienten einen oder mehrere Rückfälle. Aber laut Dr. Bockting und Mitarbeitern zeigte die kurze KVT über den Beobachtungszeitraum von fünfeinhalb Jahren eine „deutliche und anhaltende” Schutzwirkung gegen eine erneute Erkrankung.

„Wir hatten erwartet, dass nach zwei Jahren kein Unterschied zwischen den Gruppen mehr sichtbar sein würde, aber er blieb sogar fast sechs Jahre lang erhalten“, sagt Dr. Bockting.

Die Wirkung war am deutlichsten bei den Patienten, die in der Vergangenheit die meisten Rückfälle von Depression hatten. Bei den 52 Prozent der Studienteilnehmer, die bereits vier oder mehr Depressionsphasen hatten, reduzierte KVT die Rückfallrate über die gesamte Studiendauer von 95 auf 75 Prozent. Dieser Unterschied war statistisch eindeutig.

Die Autoren weisen darauf hin, dass trotz der klinisch bedeutend verminderten Anzahl der Wiedererkrankungen nach kurzer KVT „wir uns vor Augen halten müssen, dass die tatsächlichen Rückfallraten von wiederkehrender Depression immer noch ausgesprochen hoch sind.“

Nach Meinung der Wissenschaftler werden weitere Studien untersuchen müssen, welche der „Elemente entscheidend” für den Erfolg der Behandlung sind. Auch welche Form der Therapie für bestimmte Patientengruppen am besten geeignet ist, müsse eingehender untersucht werden, um die Rückfallraten weiter zu senken.

Bis dahin schließen die Forscher aufgrund der derzeitigen Erkenntnisse: „Eine kurze kognitive Verhaltenstherapie als Vorbeugemaßnahme gegen eine Wiedererkrankung bei wiederkehrenden Depressionen könnte eine Art von länger anhaltender Behandlung sein, die den Rhythmus der Depression zumindest unterbricht.“

Quellen:

Reuters Health, 18. Jan 2010

Bockting et al. Journal of Clinical Psychiatry, Dez 2009

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Rubrik: Depression, Verhaltenstherapie
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