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Wie weit reichen die gesundheitlichen Folgen von Belastungen im Kindesalter?

29. Januar 2009

Belastende Erfahrungen in der Kindheit können einen langanhaltenden Einfluss auf die Gesundheit der Kinder haben, selbst dann wenn die negativen Erfahrungen schon lange zurückliegen. Dies sind die Ergebnisse, die in dieser Woche in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurden. Forscher des Child Emotion Laboratory der University of Wisconsin-Madison, USA haben den Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen in der Kindheit und physischer Gesundheit im Jugendalter untersucht. Hierzu wurden Jugendliche, die in der Kindheit entweder körperlich misshandelt wurden oder in einem Waisenhaus aufgewachsen sind auf ihr Immunsystem hin untersucht.

Da der Zusammenhang von Stress und körperliche Gesundheit hinlänglich belegt ist, überraschte es nicht, dass das Immunsystem dieser Gruppe signifikant schlechter bzw. angreifbarer war als das Immunsystem von Jugendlichen, die diesen Belastungen in ihrer Kindheit nicht ausgesetzt waren. Was allerdings sehr wohl überraschte, ist, dass selbst bei Kindern, die nur relativ kurze Zeit in schwierigen Bedingungen aufgewachsen waren, etwa Kinder, die  im Alter von wenigen Jahren von amerikanischen Eltern aus Waisenhäusern in Rumänien, Russland oder China adoptiert wurden, ebenfalls ein signifikant schlechteres Immunsystem aufwiesen. Und dies obwohl sie bereits seit mehr als einem Jahrzehnt unter vergleichbar guten Bedingungen gelebt hatten wie die Kontrollgruppe.

Offensichtlich können also hohe Belastungen im Kindesalter weitreichende gesundheitliche Folgen haben; – selbst dann, wenn die belastenden Erfahrungen längst Geschichte sind.

Quelle:

Medical News Today, 27.01.09

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Rubrik: Burnout/Stress, Kinder & Jugendliche
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1 Kommentieren

  1. Jörg Beyer
    Februar 11th, 2009

    Hm. Woraus sich allerhand interessante Fragen ergeben.

    Z.B., sind solche langanhaltenden immunologischen Lerneffekte durch Stress abhängig von einer sensiblen Prägungsphase (“ca. von x bis y Jahren”), oder sind sie altersunabhängig?

    Eine zweite Frage wäre, was würde immunologisch passieren, wenn man beginnen würde, (verhaltens-)therapeutisch gegenzusteuern? Mit anderen Worten, wo sitzt der Kern des Problems, um wie viel könnte man die Uhr zurückdrehen? Oder sind die immunologischen Folgen irreversibel?

    Ich musste beim Lesen spontan an Erfahrungen aus der Traumatherapie Erwachsener denken, wo sich vergleichbare Muster beobachten lassen, aber zum Thema langfristige immunologische Konsequenzen? Ich glaube, ich sollte wieder mehr Originalartikel lesen. Viel mehr ;-)

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