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Werden Kinder mit ADHS als Erwachsene häufiger straffällig?

30. Oktober 2009

Dass überaktive Kinder in der Schule oft Schwierigkeiten haben, weiß jeder. Ob und welche Folgen das auch für das spätere Leben haben kann, ist weit weniger klar. Ein aktuelle Studie hat die Diskussion über diese Frage unter Fachleuten in den letzten Tagen weiter entfacht. Die wichtigsten Ergebnisse des Artikels habe ich für Sie zusammengefasst:

Schulkinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) werden im späteren Leben viel wahrscheinlicher Straftaten begehen wie zum Beispiel Einbruch, Diebstahl und Drogenhandel. Zum diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Forschern der Yale School of Public Health, die jetzt im Journal of Mental Health Policy and Economics veröffentlich wurde.

Die Untersuchung wurde an 10 000 Jungendlichen durchgeführt, die dann wieder als junge Erwachsene befragt wurden. Sie zeigte, dass Menschen, die als Kinder ADHS hatten, später doppelt so oft Diebstahl begingen und 50 Prozent häufiger Drogen verkauften. Die Forschungsergebnisse gelten als die ersten wissenschaftlichen Daten über eine Bevölkerungsgruppe, die für die USA landesweit repräsentativ sind, und zeigen einen Zusammenhang zwischen illegalem Verhalten und der sogenannten ADHS, einer Verhaltensstörung bei Kindern.

Nach Meinung der Autoren Jason M. Fletcher, Assistant Professor an der Yale School of Public Health, und Barbara Wolfe von der University of Wisconsin-Madison zeigen die Ergebnisse, dass Kinder mit Symptomen von ADHS als eine Risikogruppe anzusehen sind und Programme für eine vorbeugende Behandlung angebracht sein könnten.

Forscher schätzen die Kosten für die Gesellschaft durch Straftaten, bei denen ADHS eine Rolle spielt, auf jährlich zwei bis 4 Milliarden Dollar. „Nachdem viele Studien bereits einen Zusammenhang zwischen ADHS und dem relativ kurzfristigen schulischen Erfolg von Jugendlichen gezeigt haben, weisen unsere Ergebnisse nun auch auf wichtige langfristige Folgen in anderen Bereichen wie Straffälligkeit hin ”, sagt Fletcher, der Leiter der Studie, und fährt fort: „Außerdem stellten wir wichtige Unterschiede beim Zusammenhang zwischen Straffälligkeit als Erwachsener und der Art der ADHS-Symptome in der Kindheit fest—ob überaktiv oder unaufmerksam oder beides.”

Man schätzt, dass zwei bis zehn Prozent der Schulkinder in den USA unter ADHS leiden. Die Störung ist bei Jungen weitaus häufiger als bei Mädchen und unter nahen Verwandten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung stark gehäuft, was man als Hinweis auf einen genetischen Ursprung deuten kann. In den letzten 20 Jahren hat der Gebrauch von Medikamenten wie Ritalin zur Behandlung von ADHS stark zugenommen und ist heutzutage weit verbreitet.

Fletcher sagt, der Zusammenhang zwischen ADHS und Straffälligkeit wird nun genauer untersucht, um festzustellen, ob eine medikamentöse Behandlung im Kindesalter das Risiko für ein kriminelles Verhalten im Erwachsenenalter vermindern kann. Außerdem untersucht er das Verhältnis von ADHS-Symptomen bei Kindern und Auswirkungen für den Arbeitsmarkt wie spätere Berufstätigkeit und Einkommen.

Quelle:

Journal of Mental Health Policy and Economics, 30.9.09

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Rubrik: ADHS, Kinder & Jugendliche
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1 Kommentieren

  1. Heinzi
    November 2nd, 2009

    Bei all solchen Berichten geht mir die Frage nach dem Warum? also nach den wirklichen Ursachen der „Krankheit“ abhanden.

    Es ist in meinen Augen eine Form der Rebellion gegen bestehende Verhältnisse, gegen bestehende Anforderungen, mangelnde Annahme des kindlichen Selbst und somit eine soziale Störung auf Grund von asozialen Verhältnissen in Familien und in der Gesellschaft.

    Sind es nicht gerade autoritätshörige Eltern mit einem Hang zur Law and Order Führung und bauen nicht gerade diese Sorte Eltern einen enormen Leistungsdruck in ihren Kindern auf?
    Wie viel Aufwand wird betrieben um die Bindungssituation der Kinder zu analysieren und das Verhalten der Eltern zu kritisieren? Ich befürchte das gerade in dieser Situation, daß Eltern mit einem problematischen Kind bei einem Arzt erscheinen und eine schnelle effiziente Hilfe wünschen. Natürlich gilt das schnelle-Lösungs-Prinzip nicht immer und nicht für alle, ich will hier nicht pauschalieren, sondern den nach meinem Wissen Urtypus des Hilfesuchenden Eltern(paares?) aufzeigen.

    Für mich verbleibt in jedem Falle ein sehr bitterer Beigeschmack einer solchen Meldung. Selbstverständlich war es immer so, daß Aufmüpfige Kinder zu Rebellion und „Autoritätskränkendem“ Verhalten neigen. Die letzte Zuflucht zum Erhalt eines Selbst, das unter den Bedingungen einer gesellschaftshörigen leistungsorientierten Familienprägung übrig bleibt. Trotzreaktion, Abgrenzungsverhalten für den Selbsterhalt. Dies kann hinter den sozialen Wucherungen dieser „Anpassungsstörung“ liegen.

    Also rein mit der Pille, Hörigkeit erzeugt, Abhängig machen und künftig sind alle glücklich. Die später erwachsenen Kinder kriegen ihr Soma, die Eltern haben ein gutes Gewissen alles richtig gemacht zu haben und die Industrie und Ärzte haben ihr geregeltes Einkommen.
    Wieso nicht einmal an der Wurzel anpacken? Wieso sind Kinder so viel unter Druck? Wieso müssen Kinder schon soviel Streß und Konkurrenzdruck aushalten? Was soll der Leistungsgedanke in den Köpfen der Kinder? Es tötet das kindliche Kind und erzeugt kleine Erwachsene. Wer dabei nicht mit gerechtfertigten Reaktionen der Kinder rechnet, die sich eben in solchen „Krankheits“bildern zeigen, ist einfach selbst nicht mehr in der Lage die wirklichen Bedürfnisse von Kindern zu erkennen und schon lange nicht mehr willens Kindern die nötigen Freiräume zur Entwicklung zu geben, die sie brauchen.

    Grüße

    Heinzi

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