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Wie baut Yoga Stress ab?

20. August 2012

Werden-wir-im-Alter-glücklicher-1-300x199Dem Yoga werden eine ganze Reihe von gesundheitsfördernden Wirkungen auf Körper und Geist zugeschrieben. Wissenschaftlich erwiesen ist aber das Wenigste davon, zum Teil weil sich viele dieser Wirkungen nur schwer objektiv messen lassen. Nun hat eine neue Studie Yogameditation als Hilfe bei chronischem Stress untersucht und seine Wirkung auf das Immunsystem durch Bluttests gemessen. Wir haben die Presseerklärung der Universität zu der Studie von Ende Juli übersetzt, die eine Form des Yogas untersuchte, die leicht zu erlernen ist:

Vor sechs Monaten veröffentlichten Forscher von der University of California – Los Angeles (UCLA) eine Studie, in der sie zeigten, dass eine bestimmte Art von Yogaübungen, die täglich als eine kurze und einfache Meditation praktiziert wird, den Stress bei Menschen abbaut, die sich um Patienten mit Alzheimer und Demenz kümmern. Nun wissen sie warum.

Wie schon berichtet, hemmt eine bestimmte Art der Yogameditation, bei der Versuchspersonen acht Wochen jeden Tag nur zwölf Minuten lang chanten (ein Mantra vor sich hinsingen), die biologischen Mechanismen, die für Entzündungsreaktionen des Immunsystems verantwortlich sind. Wenn solche Entzündungsmechanismen ständig aktiviert sind, kann das zu einer Vielzahl von chronischen Erkrankungen beitragen.

Die Studie unter Leitung von Dr. Helen Lavretsky, einer Professorin für Psychiatrie am Semel Institute für Neurowissenschaften und Verhalten des Menschen der UCLA, erscheint in der aktuellen Online-Ausgabe des Journals Psychoneuroendocrinology. Die Autoren untersuchten 45 Leute, die sich um Familienangehörige mit Demenz kümmerten, und identifizierten 68 Gene, deren Aktivität sich nach Kirtan Kriya-Meditation (KKM) so veränderte, dass Entzündungsreaktionen vermindert waren.

Betreuer sind die unbesungenen Helden, die gute Arbeit leisten, wenn die sich um ihre Lieben kümmern, die an Alzheimer und anderen Formen von Demenz leiden, sagt Lavretsky, die auch das Forschungsprogramm der UCLA über Depressionen, Stress und Wohlbefinden im hohen Alter leitet. Aber die Betreuung von gebrechlichen oder dementen Familienangehörigen kann für den, der sie pflegt, mit viel Stress verbunden sein. Ältere Menschen, die jemanden betreuen, geben an, dass sie mehr unter Stress und Depressionen leiden. Sie haben weniger Elan und sind allgemein mit ihrem Leben weniger zufrieden. Außerdem haben Betreuer höhere Messwerte für Biomarker für Entzündungen. Oft hört man, dass Familienmitglieder ein besonders hohes Risiko haben stressbedingte Krankheiten und andere Gesundheitsschäden zu entwickeln.

Da in den USA in den nächsten zwei Jahrzehnten der Bevölkerungsanteil älterer Menschen immer weiter zunehmen wird, betont Lavretsky, dürfte die Anzahl von Demenzkranken und Familienmitgliedern, die sich um solche Angehörigen kümmern, noch dramatisch steigen. Schon heute versorgen mindesten fünf Millionen Amerikaner jemanden mit Demenz.

„Wir wissen, dass Betreuer unter chronischem Stress stehen und dadurch ein erhöhtes Risiko haben Depressionen zu entwickeln”, sagt sie. „Im Durchschnitt hat fast die Hälfte der Familienangehörigen, die Verwandte mit Demenz betreuen, klinische Depressionen. Betreuer haben auch ein doppelt so hohes Risiko stark unter emotionalem Stress zu stehen.“ Außerdem sind viele Betreuer selbst ältere Menschen, was zu, wie Lavretsky es nennt, „Beeinträchtigungen der Belastbarkeit“ gegenüber Stress führt, zu mehr Herz-Kreislauferkrankungen und einer erhöhten Sterblichkeitsrate.

Die Ergebnisse verschiedener Studien deuten schon seit einiger Zeit darauf hin, dass psychosoziale Interventionen wie Meditation die negativen Auswirkungen vermindern, die Stress auf die körperliche und psychische Gesundheit von Betreuern hat. Aber man weiß kaum etwas über die Mechanismen, wie solche psychosozialen Interventionen auf biologische Prozesse wirken.

Für die Studie wurden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Der Meditationsgruppe wurde eine zwölfminütige Yogaübung beigebracht, die auf der Kirtan Kriya-Meditationstechnik beruht. Diese Yogaübung praktizierten die Teilnehmer acht Wochen lang jeden Tag und immer zu der gleichen Uhrzeit. Die andere Gruppe sollte an einem ruhigen Ort relaxen, dabei die Augen schließen und sich Instrumentalmusik von einer Entspannungs-CD anhören (ebenfalls acht Wochen lang jeden Tag zwölf Minuten). Zu Beginn der Studie und an ihrem Ende nach acht Wochen wurden den Teilnehmern Blutproben entnommen.

„Das Ziel der Studie war zu untersuchen, ob Meditation die Aktivität von Proteinen verändern könnte, die die Genexpression von Immunzellen regulieren und eine Rolle bei Entzündungen und der Immunabwehr gegen Viren spielen“, sagt Lavretsky. „Unsere Analyse zeigte eine verminderte Aktivität von Proteinen, die Entzündungen fördern.“

„Das sind gute Neuigkeiten. Betreuer haben oft nicht die Zeit, Energie oder die Kontakte, die ihnen helfen könnten den Stress abzubauen, den es bedeutet einen Verwandten mit Demenz zu pflegen. Deshalb ist eine kurze und leicht zu erlernende Form der Yogameditation eine große Hilfe.“

Quellen:

UCLA Newsroom, 24. Juli 2012

Black et al. Psychoneuroendocrinology, Juli 2012

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Rubrik: Alter, Burnout/Stress, Depression, Leistungsfähigkeit
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