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Warum verschieben wir Dinge immer wieder auf morgen?

15. Februar 2009

Warum verschieben wir Dinge immer wieder auf morgen-1Für die jedem aus eigener Erfahrung bekannte Versuchung, Aufgaben gerne mal auf morgen zu verschieben, statt sie gleich heute zu bearbeiten gibt es unterschiedliche Erklärungsmodelle. Eine Theorie besagt, dass es primär die Sorge ist, die Aufgabe nicht gut lösen zu können, die zum ständigen Vertagen und Verschieben (Fachbegriff: Prokrastination) führt. Dies kann zurückzuführen sein auf übermäßigen Perfektionismus oder aber auch depressive Gründe haben, d.h. grundsätzliche Zweifel in die eigenen Fähigkeiten. Eine Patientin von mir lieferte einmal folgende einleuchtende Erklärung für ihre „Aufschieberitis“:  Sie sagte, sie sei Perfektionistin. Daher habe sie sich angewöhnt, ihre To Dos so lange aufzuschieben, bis die Zeit bis zur Deadline so knapp geworden ist, dass man in dieser Zeit ja ohnehin kein perfektes Ergebnis abliefern könne.

Forscher der Universität Konstanz unter der Leitung von Sean McCrea haben vor kurzem eine Studie veröffentlicht, in der sie zeigen, dass es möglicherweise aber auch von der Art der Aufgabenstellung abhängt, was man verschiebt und was nicht. In einem Experiment gaben die Forscher Studenten mehrere Aufgaben auf, die sie gegen Bezahlung innerhalb von wenigen Wochen bewältigen sollten. Die (sehr leichten und in wenigen Minuten zu schaffenden) Aufgaben unterschieden sich jedoch hinsichtlich der Konkretheit bzw. Abstraktheit der Aufgabenstellung.  So wurde in einem der drei Teilexperimente eine Gruppe gebeten, in einigen Sätzen aufzuschreiben, was konkret nötig ist, um z.B. ein Konto zu eröffnen (also z.B. zur Bank gehen, mit dem Schalterbeamten sprechen etc.). Eine Vergleichsgruppe wurde gebeten, darüber zu schreiben, warum man überhaupt ein Bankkonto eröffnen sollte. Das Briefing in der ersten Gruppe war also konkreter und spezifischer, während die Aufgabenstellung der zweiten Gruppe abstrakter und unverbindlicher war.

In diesem Teilexperiment als auch in weiteren ähnlich strukturierten konnte gezeigt werden, dass die Versuchspersonen mit der abstrakteren Aufgabenstellung die Ergebnisse entweder überhaupt nicht oder erheblich später ablieferten als die Versuchspersonen mit der konkreteren Aufgabenstellung.

Je konkreter die Aufgabe, so scheint es, desto eher wird sie erledigt.  Je abstrakter sie ist, desto länger wird es dauern. Die Ergebnisse erscheinen beim näheren Hinsehen wenig überraschend. Was jedoch überrascht ist, dass es offensichtlich die erste Studie ist, in der dieser Zusammenhang überhaupt untersucht (und belegt) wurde.

Quelle:

McCrea et al. Psychological Science, Dez 2008

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Rubrik: Depression, Leistungsfähigkeit
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