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Wann steht Hoffnung dem Glück im Weg?

8. November 2009

Viele Kranke leben buchstäblich von der Hoffnung auf eine Besserung. Eine neue wissenschaftliche Studie zeigt nun, dass auch das Gegenteil der Fall sein kann. Wenn man Schwerkranken Hoffnung auf eine Heilung gibt, kann sie das depressiv machen. Die Studie wird demnächst veröffentlicht, ist aber im Daily Telegraph schon kurz beschrieben. Ich habe den Artikel für Sie übersetzt.

Wenn Menschen, die mit einer schweren Krankheit leben, die Hoffnung aufgeben, kann sie das glücklicher machen, meinen Psychologen.

Die Forscher stellten fest, wenn Patienten immer weiter auf eine Heilung für ihre Krankheit hofften, fühlten sie sich dabei oft elender als Patienten, die ihren Gesundheitszustand akzeptierten und im Alltag das Beste daraus machten.

Professor Peter Ubel, Direktor des University of Michigan Centre for Behavioural and Decision Sciences in Medicine in den USA, spricht von der „Schattenseite der Hoffnung”.

Er erklärt das so: „Wenn Hoffnung dazu führt, dass Menschen darüber Dinge des täglichen Lebens vernachlässigen, kann das dem Glück im Wege stehen.“

„Wir meinen, die Patienten waren glücklicher, weil sie sich dem Leben wieder zugewandt hatten. Sie hatten das Beste aus dem Blatt in ihrer Hand gemacht und erkannt, dass sie sich nicht aussuchen konnten, ob sie mit anderen Karten spielen wollten.“

Professor Ubel, einer der Autoren der Studie „Happily Hopeless” (zum Glück gibt es keinen Ausweg), die in der nächsten Ausgabe von Health Psychology erscheint, untersuchte eine Gruppe von erwachsenen Patienten, denen der Dickdarm herausoperiert werden musste. Die Erkrankungen hatten verschiedene Ursachen, und je nachdem gab es zwei Möglichkeiten für die Operation.

Von 71 Patienten wurde 41 mitgeteilt, sie könnten nach ein paar Monaten eine zweite Operation haben, die ihre Darmfunktion wieder herstellen würde. Den anderen wurde erklärt, es gäbe sonst nichts mehr, das man noch versuchen könnte.

Patienten, die sich damit abgefunden hatten, für immer mit einem künstlichen Darmausgang leben zu müssen, waren sechs Monate danach glücklicher als Patienten, die noch die Chance hatten, wieder gesund zu werden.

Professor Ubel sagt: „Wir behaupten nicht etwa, dass Hoffnung etwas Schlechtes ist.“

„Wir wollen aber darauf aufmerksam machen, dass Hoffnung auch eine Schattenseite haben kann. Sie kann Menschen dazu bringen, nur noch zu warten, sodass ihr Leben zum Stillstand kommt.“

„Anstelle weiterzumachen und das so gut, wie die Umstände es erlauben, kann man sich auch sagen: Meine Umstände werden sich schließlich doch wieder ändern – sich jetzt darum kümmern hat keinen Sinn.“

Quelle:

Daily Telegraph, 5.11.09

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Rubrik: Glücksforschung
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1 Kommentieren

  1. Franz Josef Neffe
    Februar 14th, 2011

    Je gescheiter, desto komplizierter. Auch HOFFNUNG braucht NAHRUNG. Wenn wir unsere Geistes- und Seelenkräfte ebenso oft und gut füttern würden wie den Körper, würden viele Probleme gar nicht groß werden, weil sie gegen die gestärkten Kräfte keine Chance haben. Was soll ich als Ich-kann-Schule-Lehrer tun, wenn die 7jährige Sabrina nicht mehr leben will, weil die Lehrerin schon ein Jahr lang jeden Tag vor der Klasse zu ihr sagt: „Du bist zu dumm für alles!“? Soll ich die misshandelte und halb verhungerte Seele des Kindes ganz verhungern lassen um sie beim Sterben nicht zu stören? Wie stirbt es sich, wenn man seelisch verhungert gehen muss?
    Vielleicht sollte Herr Professor Ubel mal in die Ich-kann-Schule gehen? Da würde er lernen, dass der Mensch nicht nur durch Worte kommuniziert sondern noch viel tiefer wirksam durch das, was er denkt und fühlt und ausstrahlt. Strahlen dringen überall mühelos durch, wo Worte steckenbleiben. Er hat nicht Hoffnung und Nichthoffnung untersucht sondern Wahrheit und Betrug. Wie sagte Jesus am Kreuz? Herr, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

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