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Macht Unentschlossenheit Menschen unglücklich?

3. Februar 2012

Die 5 interessantesten Studien zu Beziehung und Partnerschaft sDass man eine wichtige Entscheidung gut informiert und wohl überlegt treffen sollte, versteht sich von selbst. Aber kann man etwas auch zu gründlich überlegen? Eine aktuelle Studie hat Leute untersucht, die zu viel über ihre Entscheidungen nachdenken. Wir haben eine Presseerklärung der Universität zu der Studie vom Dezember übersetzt, die zeigt, dass ewige Zauderei Menschen unzufrieden macht:

Sie sind auf der Suche nach einer neuen Kaffeemaschine und diese simple Aufgabe wird für Sie, nun, zu einer Tortur. Nach ausgiebigen Nachforschungen und Lektüre von ein paar Dutzend Verbraucherratgebern machen Sie endlich Ihren Einkauf. Aber schon fragen Sie sich: „War das wirklich die richtige Wahl? Gibt es nicht doch noch etwas Besseres? Hat das Gerät eigentlich eine Rücknahmegarantie?“ Mal ehrlich, sind Sie das?

Wenn ja, könnte eine neue Untersuchung von Forschern an der Florida State University etwas Licht auf Ihr Unvermögen werfen eine Entscheidung zu fällen und damit zufrieden zu sein.

Joyce Ehrlinger, eine Assistenzprofessorin für Psychologie, war schon lange von Leuten fasziniert, die Psychologen als „Maximierer“ bezeichnen. Maximierer können sich regelrecht hineinsteigern in Entscheidungen – große oder kleine – und ärgern sich später über die Wahl, die sie getroffen haben. Das Gegenstück der Maximierer sind die „Satisficer“. Die Wortschöpfung aus den englischen Worten satisfy (zufriedenstellen) und suffice (genügen) bezeichnet Menschen, die eine Entscheidung treffen und dann damit leben können.

Und zwar sehr gut.

Natürlich gibt es alle möglichen Abstufungen. Tatsächlich existiert ein ganzes Spektrum von Möglichkeiten, wie Menschen vermeiden können sich auf etwas festzulegen, ohne es am Ende wirklich vermeiden zu können.

Ehrlingers neuste Untersuchung über Strategien der Entscheidungsfindung wurde in dem Peer-Review-Journal Personality and Individual Differences veröffentlicht. Die anderen beiden Autoren sind ihr Doktorand Erin Sparks und ihr Kollege Richard Eibach, ein Assistenzprofessor für Psychologie an der University of Waterloo in Ontario, Kanada. Die Studie untersuchte, „ob sich Maximierer weniger an ihre Wahl gebunden fühlen als Satisficer, sodass Maximierer mit ihrer Wahl weniger zufrieden sind.“

Der Artikel beschreibt zwei Experimente mit Freiwilligen (Studenten der Florida State University), die zeigen, dass sich Maximierer so sehr auf die Suche nach der besten Lösung konzentrieren, dass dieser Fokus ihr Engagement für die Wahl untergräbt, die sie schließlich treffen. Die Autoren argumentieren, dass daher „Maximierer weniger von dem psychologischen Nutzen des Engagements profitieren“, sodass sie weniger zufrieden sind als ihre Gegenüber, die Satisficer, die mit ihrer Wahl glücklich und zufrieden sind.

Frühere Studien über die Unterschiede zwischen Maximierern und Satisficern haben untersucht, wie die beiden Gruppen von Menschen ihre Wahl unterschiedlich treffen, und wichtiger noch, worin sich der Entscheidungsprozess selbst unterscheidet. Ehrlingers Studie untersuchte allerdings ganz etwas anderes: Was passiert, wenn die Wahl getroffen ist?

„Weil Maximierer sicher gehen wollen, dass sie die richtige Wahl getroffen haben“, behaupten die Autoren, „stehen sie seltener voll und ganz zu ihrer Entscheidung.“ Und mit ziemlicher Sicherheit sind sie überhaupt weniger zufrieden mit ihrem täglichen Leben.

Ob es ein zentraler und stabiler Teil der Persönlichkeit ist ein Maximierer zu sein oder einfach eine Gemütsverfassung, ist nicht klar, aber Ehrlinger hofft in zukünftigen Untersuchungen die Ursache für das Verhalten finden zu können.

„Gegenwärtig untersuchen wir, ob sie sich ändern können”, sagt sie. „Sicher ist, dass hochgradige Maximierer sich selbst viel Kummer bereiten.“

Im Laufe der Jahre hat sich Ehrlingers akademische Forschung auf die Untersuchung der Selbstwahrnehmung von Menschen gerichtet und ihre Treffsicherheit und Fehler beim Urteil über sich selbst. Ihre jüngste Untersuchung über Strategien, mit denen Maximierer es vermeiden sich festzulegen, ist aus mehreren Gründen wichtig.

Erstens könnten die Unterschiede zwischen Maximierern und Satisficern eine größere Rolle dabei spielen, wie Verbraucher Entscheidungen treffen und ihre Einkäufe tätigen, als man bisher angenommen hat. Zum Beispiel: „werden Maximierer nervös, wenn sie ein „Kein Umtausch möglich“-Schild sehen, weil es sie zwingt sich festzulegen“, sagt Ehrlinger.

Außerdem setzt seine Unzufriedenheit einen Maximierer großem Stress aus. Daher könnte der Charakterzug potenziell enorme Auswirkungen auf die Gesundheit haben, erklärt Ehrlinger. Es ist nicht nur der Kauf einer Kaffeemaschine, mit dem sie sich stressen – und an dem sie im Nachhinein Zweifel haben – es sind auch die großen Lebensentscheidungen wie einen Partner wählen, ein Haus kaufen oder sich auf einen Job bewerben.

Selbst nach viel und gründlichem Nachdenken, bevor sie einen Partner oder ein Haus wählen, können hochgradige Maximierer immer noch unzufrieden mit ihrer endgültigen Entscheidung sein, ja sie können sogar depressiv werden.

„Die richtige Wahl finden kann eine Aufgabe sein, die (für einen Maximierer) nie zu Ende ist”, schreiben Ehrlinger und ihre Mitautoren. „Ein Gefühl, welche Option die beste ist, kann sich mit jeder neuen Information wieder ändern. Maximierer könnten außerstande sein ganz hinter einer Wahl zu stehen, weil sie nie absolut sicher sein können, dass sie die bestmögliche Wahl getroffen haben.“

Quellen:

Florida State News, 15. Dez 2012

Sparks et al. Personality and Individual Differences, Jan 2012

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Rubrik: Glücksforschung
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2 Kommentieren

  1. “Maximierer” oder “Satisficer”? « Psycho Logisch!
    Februar 15th, 2012

    […] weiterlesen … […]

  2. waltraud aouida
    Februar 29th, 2012

    Ich glaube auch, dass es sehr viel mit Stress zu tun hat, wenn man zu sehr überlegt. Komischerweise habe ich auch vorgestern eine Kaffeemaschine gekauft, und obwohl mir eine andere besser gefallen hat, bin ich zu dem Schluß gekommen, das eben diese zu teuer ist. Zu Hause habe ich mich zwar geärgert, aber es ist ja nur eine K.-Maschine. Bei einem Haus oder Partner würde das schon anders aussehen. Gelassenheit ist dabei sehr wichtig und das man die Entscheidung für sich alleine trifft.

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