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Macht Betriebsamkeit glücklich?

27. August 2010

Macht Betriebsamkeit glücklichArbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit sind zwei der größten Risikofaktoren für Depression. Eine aktuelle Studie hat das Bedürfnis von Menschen aktiv zu sein und seine Rolle für ihr Wohlbefinden untersucht. Wir haben die Presseerklärung des Herausgebers der Studie von Ende Juli übersetzt, deren Autoren meinen, man könnte das Bedürfnis des Einzelnen nach Beschäftigung befriedigen, indem man es zum Wohle der Allgemeinheit einsetzt:

In der griechischen Mythologie straften die Götter Sisyphos, indem sie ihn verurteilten, für alle Ewigkeit einen Felsbrocken einen steilen Hang hinaufzuwälzen. Aber wahrscheinlich war das besser für ihn, als verurteilt zu sein, bis ans Ende der Zeit dasitzen und in eine gähnende Leere starren zu müssen. Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer neuen Studie über den Beschäftigungsdrang des Menschen. Sie stellten fest, dass Menschen mit einer Beschäftigung, sogar einer sinnlosen, glücklicher sind als Menschen, die untätig herumsitzen.

„Ich interessiere mich für das allgemeine Phänomen, warum der Mensch in der modernen Gesellschaft so sehr in dem aufgeht, was er tut”, sagt Christopher K. Hsee von der University of Chicago. Er schrieb die Studie zusammen mit Adelle X. Yang, ebenfalls von der University of Chicago, und Liangyan Wang von der Jiaotong-Universität in Shanghai. „Leute rennen herum, sie arbeiten hart, und zwar viel mehr als sie müssten.” Natürlich gibt es Gründe wie Beruf, Geld verdienen, berühmt werden, anderen helfen und so weiter. Aber Hsee sagt, „Ich glaube, es hat noch eine tiefere Ursache: Wir haben überschüssige Energie und wollen das Nichtstun vermeiden.”

Für die Studie füllten Freiwillige eine Umfrage aus und mussten dann fünfzehn Minuten warten, bis die nächste Umfrage fertig sein würde. Sie konnten die ausgefüllten Fragebögen ganz in der Nähe abgeben und den Rest der Zeit warten oder sie weiter weg abgeben, sodass sie mit dem Hin- und Rückweg die fünfzehn Minuten etwas zu tun hatten. Sie wussten, dass sie in jedem Fall einen Schokoriegel bekommen, wenn sie ihre Fragebögen abgeben. Danach wurden die Testpersonen über ihr Wohlbefinden befragt. Die Freiwilligen, die sich lieber beschäftigt hatten, indem sie zu dem entfernten Abgabeort gingen, gaben an, glücklicher zu sein als die, die lieber nichts getan hatten.

Nicht jeder entschied sich, zu dem weit entfernten Abgabeort zu gehen. Wenn die Schokoriegel, die es an beiden Orten gab, die gleichen waren, entschlossen sich mehr Testpersonen zum Nichtstun. Aber wenn die Schokoriegel, die es an beiden Orten gab, verschieden waren, gingen sie lieber zu dem weiter entfernten Ort – weil sie sich einbilden konnten, dass der Weg gerechtfertigt war, sagen Hsee und seine Mitarbeiter. Die Studie wurde in Psychological Science veröffentlicht, einem Journal der Association for Psychological Science.

Hsee meint, man könnte dieses Prinzip – Menschen beschäftigen sich gerne, und sie möchten ihre Betriebsamkeit rechtfertigen können – für die Gesellschaft nutzbar machen. „Wenn man sich einen Mechanismus ausdenken kann, um untätige Leute mit etwas zu beschäftigen, das zumindest keinen Schaden anrichtet, meine ich, ist das besser als eine destruktive Beschäftigung”, sagt er. Hsee selbst ist dafür bekannt, seinem Forschungsassistenten eine sinnlose Aufgabe zu geben, wenn er nichts für ihn zu tun hat, sodass er nicht im Büro herumsitzt, sich langweilt und depressiv wird. „Ich weiß, das ist nicht besonders ethisch, aber er ist glücklich”, sagt Hsee.

Quellen:

Association for Psychological Science, 29.7.10

Hsee et al. Psychological Science, Juli 2010

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Rubrik: Glücksforschung
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1 Kommentieren

  1. Macht Nichtstun glücklich? | nicole cavegn – life coaching in zürich
    März 22nd, 2012

    […] Forscher gingen dieser Frage nach und befragten jene, die sich diesen Lebenstraum erfüllt haben. Wie Untersuchungen zeigen, bewirkt das süsse Nichtstun oft das Gegenteil. Keine Aufgabe mehr zu haben, keinen Sinn zu haben […]

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