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Macht zu viel Smalltalk unglücklich?

7. März 2010

Macht zu viel Smalltalk unglücklich sDer Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden von Menschen und dem Zusammensein mit anderen ist durch viele Studien belegt. In einer aktuellen Untersuchung haben Forscher den Einfluss von Quantität und Qualität menschlicher Kommunikation verglichen und gezeigt, die glücklichsten Menschen reden viel und plappern wenig. Ich habe einen Presseartikel von dieser Woche übersetzt, der die noch nicht veröffentlichte Studie schon kurz beschreibt:

Womit verbringt ein glücklicher Mensch mehr Zeit – mit belanglosem Geschwätz oder mit nachdenklichen und tiefgehenden Gesprächen? Die Psychologen Matthias R. Mehl, Shannon E. Holleran und C. Shelby Clark von der University of Arizona sowie Simine Vazire von der Washington University in St. Louis in den USA untersuchten, ob sich glückliche und unglückliche Menschen darin unterscheiden, wie sie sich mit anderen unterhalten.

Für die Studie trugen Freiwillige vier Tage lang einen sogenannten Electronically Activated Recorder (EAR), ein unauffälliges Aufzeichnungsgerät. Das Gerät machte in bestimmten Abständen kurze Aufnahmen der Umgebungsgeräusche, während die Versuchsteilnehmer ihren normalen Alltagsgeschäften nachgingen. In dieser Untersuchung machte das EAR-Gerät alle zwölfeinhalb Minuten eine dreißig Sekunden lange Aufnahme. Insgesamt hörten sich die Forscher mehr als zwanzigtausend solcher Einzelaufnahmen an und identifizierten die Unterhaltungen als trivialen Smalltalk oder ernsthafte Diskussionen. Außerdem füllten die Versuchsteilnehmer Fragebögen zu ihrer Persönlichkeit und ihrem Wohlbefinden aus.

Die Auswertung der Studie, die jetzt in Psychological Science, einem Journal der Association for Psychological Science veröffentlicht wird, kam zu zwei bemerkenswerten Ergebnissen. Am besten ging es Leuten, die am wenigsten allein waren und am meisten mit anderen sprachen: Die glücklichsten Studienteilnehmer waren fünfundzwanzig Prozent weniger allein und verbrachten siebzig Prozent mehr Zeit im Gespräch mit anderen als die unglücklichsten Teilnehmer. Außer den Unterschieden bei den sozialen Interaktionen, die glückliche und unglückliche Menschen hatten, nahmen sie auch an anderen Arten der Unterhaltung teil: Die glücklichsten Teilnehmer führten doppelt so viele ernsthafte Gespräche und machten nur ein Drittel so viel Smalltalk wie die unglücklichsten Teilnehmer.

Diese Ergebnisse zeigen, dass ein glückliches Leben eher durch soziale Kontakte und tiefgehende Unterhaltungen geprägt ist als durch Einsamkeit und Oberflächlichkeit. Obwohl die Ergebnisse derzeit keine Rückschlüsse auf die Richtung einer möglichen Ursache-Wirkungs-Beziehung zulassen, vermuten die Forscher, dass tiefe Gespräche Menschen glücklicher machen können. Sie meinen, „Genauso, wie sich Menschen füreinander öffnen und dadurch einer Beziehung eine Atmosphäre von Nähe geben, können tiefe Gespräche einem Gegenüber das Gefühl besonderer Bedeutung verleihen.”

Quelle:

Association for Psychological Science, 4.3.10

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Rubrik: Glücksforschung, Mensch & Gruppe
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1 Kommentieren

  1. Gernot Dorner
    Mai 3rd, 2010

    Hier in Berlin hat eine kleine Gruppe genau dieses Thema aufgegriffen und eine so genannte TALISUND Runde gegründet ( http://www.talisund.org ) in der Smalltalk bei den Treffen vermieden werden soll.

    LG Gernot

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