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Lässt sich erfolgreiche Verhaltenstherapie im Hirnscanner nachweisen?

15. Dezember 2010

Lässt sich erfolgreiche Verhaltenstherapie im Hirnscanner nachweisenVerhaltenstherapie kann bei Angststörungen sehr effektiv sein, hilft aber nicht allen Patienten. Amerikanische Forscher haben die Gehirnaktivität von Patienten mit Angststörungen untersucht und festgestellt, dass ihr Angstzentrum im Gehirn auf potenzielle Bedrohungen ganz unterschiedlich reagieren kann. Wir haben die Presseerklärung der Universität zu der Studie vom November übersetzt, die helfen könnte, die Verhaltenstherapie für bestimmte Patientengruppen anzupassen:

Ein Hirnscan mit funktionellem MRT (fMRT) reicht aus um vorherzusagen, welche Patienten mit pädiatrischen Angststörungen auf eine „Gesprächstherapie“ ansprechen und keine medikamentöse Behandlung brauchen werden, sagen Neurowissenschaftler vom Georgetown University Medical Center in den USA.

Ihre Studie, die auf der Jahrestagung der Society for Neuroscience in San Diego präsentiert wurde, zeigte, dass Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis sechzehn Jahren, die mit Angst reagierten, wenn sie auf einem Bildschirm im fMRT-Scanner fröhliche Gesichter sahen, am wenigsten von einer achtwöchigen Verhaltenstherapie profitierten.

Dagegen stellten die Forscher fest, dass Kinder, die auf ängstliche Gesichter selbst mit Angst reagierten, von der Behandlung profitierten, die auch als Gesprächstherapie bekannt ist.

„Angststörungen und Furcht gehören von Natur aus zusammen. Wie das Angstzentrum des Gehirns reagiert, wird deshalb natürlich auch einen Einfluss darauf haben, wie sich Angststörungen manifestieren“, sagt der erste Autor der Studie Steve Rich, ein Medizinstudent im vierten Jahr.

„Die Auswirkung der Reaktionen auf den Therapieerfolg war wirklich beeindruckend”, sagt er. „Frühere Studien haben gezeigt, dass viele Menschen auf ängstliche Gesichter selbst mit Angst reagieren. Aber vor allem zeigten unsere Daten, dass manche Patienten mit Angststörungen mehr Angst vor fröhlichen als vor ängstlichen Gesichtern hatten, und diese Patienten sprachen auf die Verhaltenstherapie am wenigsten an.“

An der Studie nahmen dreizehn Jungen und zehn Mädchen teil, die alle eine Diagnose von pädiatrischen Angststörungen hatten.

Während die Patienten in der fMRT-Maschine waren, sahen sie Bilder von Gesichtern, die bestimmte starke Emotionen zeigten. „Wir wollten zwei Fragen beantworten: Welche Emotionen machen Menschen Angst, wenn sie sie im Gesicht eines anderen sehen, und sagt das Muster der Reaktionen den Erfolg einer Gesprächstherapie voraus?“, sagt Rich.

Ein fMRT ist eine Art des Scans, der Veränderungen der Durchblutung in den verschiedenen Gehirnregionen aufzeichnet und die Gehirnaktivität in der jeweiligen Region sichtbar macht. In dieser Studie konzentrierten sich die Forscher auf die Amygdala, eine Gehirnstruktur, in der die Emotion Angst repräsentiert wird.

Dann verglichen sie die unterschiedlichen Reaktionen, die sie in der Amygdala sahen, mit dem Erfolg einer anschließenden Verhaltenstherapie von acht Wochen.

Die Forscher beobachteten eine deutliche Korrelation, die zeigte, dass sich mit einem fMRT-Scan vor der Behandlung Patienten selektieren lassen, die am ehesten auf eine reine Gesprächstherapie ansprechen, und Patienten, die eine andere, z.B. medikamentöse Behandlung brauchen.

Nach Rich wäre eine Erklärung für die Ergebnisse, dass die Patienten, die mehr Angst vor fröhlichen als vor ängstlichen Gesichtern haben, unter einer etwas anderen Form der Störung leiden, die sehr ähnlich ist, sich aber nicht durch eine Verhaltenstherapie behandeln lässt.

„Bei dieser Untergruppe von Patienten könnte diese Art der Therapie in Wirklichkeit sogar noch mehr Ängste auslösen und so zu einer Entfremdung vom Therapeuten führen“, sagt er. „Weitere Studien werden nötig sein, um zu untersuchen, ob dies tatsächlich ein eigenständiger Subtyp der Erkrankung ist, oder ob ein modifizierter Ansatz der Verhaltenstherapie, bei dem der Therapeut völlig neutral bleiben müsste, eine effektivere Behandlung für diese Patienten sein könnte.“

Rich und seine Mitautoren glauben aber nicht, dass jeder Patient mit pädiatrischen Angststörungen eine Diagnose durch fMRT haben muss.

„fMRT ist teuer, und diese Studie zeigt keineswegs, dass man die Methode universell zur Diagnostik anwenden sollte“, meint er. „Aber dieses Gebiet wird sich weiterentwickeln und unsere Ergebnisse zeigen, dass uns Neuroimaging-Studien wie fMRT helfen können zu verstehen, warum bestimmte Patienten auf die Standardbehandlung nicht ansprechen könnten. In anderen Worten, wenn die Routineversorgung nicht ausreicht, können wir die individuellen Bedürfnisse von Patienten genauer untersuchen.“

Quellen:

Georgetown University Medical Center, 14.11.10

Rich et al. Society for Neuroscience, San Diego 2010

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Rubrik: Angst- & Panikstörung, Hirnforschung, Kinder & Jugendliche, Verhaltenstherapie
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