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Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD): Was passiert wirklich im Gehirn?

16. November 2009

Der Schritt vom Verhalten von Molekülen oder Nerven zur Wahrnehmung und Empfindung des Menschen ist riesig, und entsprechend lange kann die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden dauern. Forscher haben in einer aktuellen Studie eine Methode vorgestellt, mit der man diesen Prozess für Menschen mit Angststörungen beschleunigen könnte. Ich habe die Pressemitteilung der Wissenschaftler zu ihrer faszinierenden Studie übersetzt:

In einer neuen Studie gelang es Psychologen an der University of Alabama, Birmingham (UAB) in den USA zum ersten Mal zu sehen, wie genau verschiedene Gehirnregionen des Menschen bei einem unerwarteten oder traumatischen Ereignis reagieren. Die Untersuchung könnte die Entwicklung biologischer Diagnoseverfahren ermöglichen, mit denen man bei Leuten eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) feststellen kann, oder Patienten mit PTSD, die von einer bestimmten Behandlungsmethode profitieren könnten.

Für ihre Studie benutzten die Forscher der UAB die Technik der sogenannten funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), um Veränderungen der Gehirnaktivität in den Regionen sichtbar zu machen, die an Angst, Lernen und Gedächtnis beteiligt sind. Sie verglichen die Reaktion im Gehirn von Testpersonen, die sie durch ein unangenehm lautes Geräusch erschreckten, bevor und nachdem die Studienteilnehmer gelernt hatten, das Geräusch richtig vorauszusagen.

„Wenn das Geräusch unerwartet ist, reagiert das Gehirn darauf stärker”, sagt der Psychologe Dr. David Knight, der Hauptautor der Studie an der UAB, die jetzt schon online zu lesen ist und im Januar 2010 in NeuroImage erscheinen soll. „Aber wenn die Studienteilnehmer voraussagen können, ob sie das unangenehme Geräusch hören werden, sieht man, wie sich diese Gehirnregionen beruhigen, sodass es zu einer schwächeren Empfindungsreaktion kommt.“

„Während Studien bis jetzt das menschliche Verhalten bei der Reaktion auf einen Schreck untersucht haben, sehen wir nun zum ersten Mal, was sich wirklich in diesen Gehirnregionen abspielt, wenn ein Mensch etwas Unangenehmes und nicht Vorhersagbares passiert“, sagt Knight.

Für die Studie legten die Psychologen der UAB fünfzehn gesunde Erwachsene in einen fMRT-Scanner, einen diagnostischen Apparat, in dem magnetische Strahlung Bildaufnahmen vom Inneren des Körpers erzeugt. Dann wurde den Testpersonen eine Folge von längeren tiefen und hohen Tönen vorgespielt. Bei manchen Tönen konnten die Testpersonen vorhersagen, dass danach ein kurzes, sehr lautes Geräusch (nahe der Schmerzgrenze) folgt, und bei anderen, dass es nicht folgt. Während der Experimente schätzten die Testpersonen die Bedeutung der Warntöne auf einer Skala von null bis hundert ein, je nachdem, für wie wahrscheinlich sie das laute Geräusch nach verschiedenen Warntönen hielten.

Außerdem bestimmten die Forscher bei den Testpersonen die Hautfeuchtigkeit (Angstschweiß), um die Stärke des körperlichen Unwohlseins kurz vor und nach dem Hören des lauten Geräusches zu messen. Dann analysierten die Forscher den Zusammenhang zwischen den Reaktionen der Haut und des Gehirns und damit den Einfluss der Gehirnaktivität auf den Ausdruck von Gefühlen.

Die Auswertung der Gehirnaufnahmen zeigte, dass unangenehme Ereignisse eine erhöhte Aktivität im Frontallappen (der Stirnregion des Gehirns) erzeugten. Diese Aktivität ließ nach, wenn die Testpersonen das unangenehme Ereignis erwarteten, aber nicht, wenn es unerwartet war. Außerdem kontrollierte die Höhe der Gehirnaktivität in diesen Regionen die Stärke der Gefühlsreaktion.

„Diese Ergebnisse sind ein erster Schritt, um Techniken und Verfahren zu finden, mit denen wir in Zukunft bestimmte Gruppen von Patienten untersuchen können und besser verstehen, wie ihre Gehirne auf negative oder unangenehme Reize reagieren“, sagt Knight.

„Wir hoffen, dass unsere Studien zu weiteren führen, in denen wir verschiedene Medikamente darauf testen könnten, ob das bei diesen Menschen die Gehirnreaktion auf abstoßende Reize verändert“, sagt er. „Mit diesen Informationen können wir jetzt anfangen, mit fMRT nach Biomarkern [geeigneten Biomolekülen für eine gezielte Diagnose und Therapie] zu suchen, um so vielleicht unterschiedliche Krankheitstypen besser identifizieren und behandeln zu können.“

Quellen:

University of Alabama, 10.11.09

Knight et al. NeuroImage, Jan 2010

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Rubrik: Angst- & Panikstörung, Hirnforschung
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