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Kann Paartherapie alkoholkranken Frauen eher helfen als individuelle Verhaltenstherapie?

2. Mai 2010

Kann Paartherapie alkoholkranken Frauen eher helfen als individuelleVon Alkoholproblemen loszukommen, fällt vielen Betroffenen nicht zuletzt auch wegen des sozialen Stigmas der Erkrankung schwer. Eine neue Studie hat die Wirksamkeit von Paartherapie für alkoholabhängige Frauen untersucht und zeigt, dass die Unterstützung durch den Partner zum Therapieerfolg beitragen kann. Wir haben eine Pressemitteilung der Universität von April übersetzt, der diesen neuen Ansatz der Suchttherapie beschreibt:

Barbara McCrady und Elizabeth Epstein untersuchten, ob kognitive Verhaltenstherapie für alkoholabhängige Frauen effektiver ist, wenn sie als Paartherapie oder als Einzeltherapie durchgeführt wird. Die Studie zeigte, dass beide Behandlungsmethoden gut wirksam waren. Aber der Therapieerfolg hielt bei Frauen nach einer Paartherapie etwas länger an als nach einer Einzeltherapie. Außerdem war Paartherapie effektiver bei alkoholabhängigen Frauen, die zusätzlich auch unter Depressionen litten. Die Ergebnisse der Untersuchung sind im Journal of Consulting and Clinical Psychology erschienen.

Elizabeth Epstein ist Associate Research Professor am Center of Alcohol Studies der Rutgers University in den USA. Barbara McCrady, die früher Professorin für Psychologie an der Rutgers University war, leitet jetzt das Center on Alcoholism, Substance Abuse and Addictions an der University of New Mexico.

Alkoholkrankheit trifft Frauen besonders schwer, körperlich wie psychisch. Epstein und McCrady verweisen auf die Ergebnisse früherer Studien, nach denen vier bis acht Prozent aller Frauen unter vierundvierzig Jahren alkoholabhängig sind. Zwei Drittel der alkoholabhängigen Frauen leiden zusätzlich unter weiteren psychiatrischen Erkrankungen. Außerdem suchen Frauen seltener als Männer ärztliche Hilfe für eine Behandlung gegen Alkoholismus. Alkoholabhängige Frauen haben häufig Eheprobleme, und sie erhalten nur wenig Unterstützung von anderen in ihren sozialen Netzen, wenn sie versuchen, von ihrer Abhängigkeit loszukommen. Bis vor Kurzem wurden nur wenige Untersuchungen zur Behandlung von Alkoholmissbrauch durchgeführt, die speziell auf Frauen zugeschnitten waren.

McCrady und Epstein nahmen 102 Frauen in die Studie auf, die sich auf Zeitungsanzeigen gemeldet hatten oder von anderen Therapieprogrammen für Alkoholkrankheit überwiesen worden waren. Um an der Studie teilnehmen zu können, mussten die Frauen alkoholabhängig und verheiratet sein oder mindestens seit sechs Monaten eine feste Beziehung zu einem Mann haben. Außerdem mussten ihre Partner bereit sein, selbst an der Studie teilzunehmen.

Beide Gruppen hatten über einen Zeitraum von sechs Monaten zwanzig ambulante Sitzungen mit kognitiver Verhaltenstherapie, die Alkoholabstinenz zum Ziel hatte. Sieben Therapeuten, die alle sowohl für Einzel– als auch für Paartherapie geschult waren, kümmerten sich um die Patienten. Nach Ende der zwanzig Therapiesitzungen hatte jeder Teilnehmer weitere zwölf Monate lang telefonische und persönliche Gespräche zur Nachsorge. Für jeden Monat der Studiendauer (achtzehn Monate) errechneten die Forscher bei jeder Frau den Prozentsatz der Tage mit Alkoholabstinenz und den Prozentsatz der Tage mit hohem Alkoholkonsum (mehr als drei Gläser Alkohol an einem Tag).

Fast die Hälfte der Frauen begann ihre Alkoholabstinenz bereits vor der ersten Therapiesitzung, schreiben die Forscher. Im ersten Monat der Therapie stieg die Abstinenzrate der Frauen, die noch tranken, in beiden Gruppen stark an. Bei Frauen in Paartherapie war dieser Trend deutlicher, vielleicht, weil sie zu Beginn eine etwas niedrigere Abstinenzrate hatten. Im Jahr nach der Behandlung gaben die Frauen, die an Paartherapie teilgenommen hatten, weniger Tage mit hohem Alkoholkonsum an als Frauen nach Einzeltherapie.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass der Bedarf an spezifischen Behandlungen für alkoholabhängige Frauen groß ist, und dass für eine Verhaltensänderung soziale Unterstützung eine wichtige Rolle spielt. Aber nicht alle Frauen haben einen Partner, und nicht jeder Partner unterstützt sie. Nun suchen Epstein und McCrady nach Frauen für eine weitere Studie, die Einzel- und Gruppentherapie vergleichen soll. Um an dieser Studie teilzunehmen, müssen Frauen nicht verheiratet oder in einer festen Beziehung sein.

Quellen:

Rutgers Today, 22.4.10

McCrady et al. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 2009

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Rubrik: Partnerschaft & Paartherapie, Sucht/Substanzmissbrauch, Verhaltenstherapie
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