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Kann man Depressionen mit Spielen behandeln?

2. Mai 2012

Wie kann das Internet den Zugang zu psychotherapeutischen Angeboten verbessernComputer werden in immer mehr Bereichen der Psychologie eingesetzt, auch in der Therapie. Eine aktuelle Studie hat ein Computerspiel untersucht, mit dem man Depressionen bei Jugendlichen behandeln kann. Wir haben einen Presseartikel über die Studie vom April übersetzt, die zeigt, dass das Computerspiel ähnlich effektiv sein kann wie eine traditionelle Psychotherapie:

Depressionen sind bei Jugendlichen häufig. Aber viele junge Leute scheuen sich davor professionelle Hilfe zu suchen. Eine neue Studie, die jetzt im British Medical Journal (BMJ) erschienen ist, zeigt, dass eine spezielle Computertherapie bei Jugendlichen mit Depressionen genauso effektiv ist wie eine persönliche Therapie durch einen Arzt.

Um zu testen, ob SPARX, eine neue computerisierte Form der Verhaltenstherapie, Depressionssymptome ebenso effektiv reduzieren kann wie eine traditionelle Verhaltenstherapie, führten Forscher von der University of Auckland, Neuseeland eine randomisierte, kontrollierte Studie an 187 Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren durch.

SPARX ist ein interaktives 3D-Fantasiespiel mit 7 Modulen, die in einem Zeitraum von vier bis sieben Wochen absolviert werden sollen. In dem Spiel hat ein einzelner Spieler eine Reihe von Herausforderungen zu bewältigen, um in einer virtuellen Welt, die von den GNATs (trübsinnigen, negativen automatischen Gedanken) beherrscht wird, eine Balance wiederherzustellen. SPARX wurde mit einer Standardtherapie verglichen, die aus einer persönlichen Therapie durch einen geschulten Arzt bestand.

Die Studie wurde in 24 Hausarztpraxen aus ganz Neuseeland durchgeführt. Alle Teilnehmer der Studie wurden von ihren Hausärzten für leichte bis mittelschwere Depressionen behandelt.

Die Forscher teilten die Studienteilnehmer nach dem Zufallsprinzip in Gruppen auf, die entweder eine persönliche Therapie hatten oder am SPARX-Programm teilnahmen.

Nach der Studie wurden die Teilnehmer drei Monate lang weiter beobachtet. Für die Auswertung benutzten die Forscher mehrere gebräuchliche Skalen, mit denen die psychische Gesundheit und die Lebensqualität der Teilnehmer gemessen wurden.

Die Ergebnisse zeigten, dass SPARX bei den Teilnehmern die Symptome von Depressionen und Ängsten um mindestens ein Drittel reduzierte. Damit war SPARX genauso effektiv wie die Standardtherapie. Außerdem wurden 31 der 69 Teilnehmer in der SPARX-Gruppe (44%), die zu Hause mindestens 4 Module durchgearbeitet hatten, wieder völlig gesund, verglichen mit nur 26% (19 von 83) in der Gruppe mit Standardtherapie.

Die Teilnehmer beider Gruppen waren mit ihrer Behandlung sehr zufrieden. Fünfundneunzig Prozent (76 von 80) der Teilnehmer der SPARX-Gruppe meinten, das Programm würde auch anderen Teenagern zusagen und 81 Prozent (64 von 80) empfahlen SPARX ihren Freunden.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass SPARX „eine effektive Behandlungsmethode für Jugendliche ist, die bei ihrem Hausarzt Hilfe wegen Depressionen suchen. Das Programm führte zu einer klinisch signifikanten Verminderung von Depressionen, Ängsten und Hoffnungslosigkeit und verbesserte die Lebensqualität.“

Die Forscher meinen, dass SPARX eine Alternative zur Standardbehandlung sein könnte, die kostengünstiger ist und auch dort eingesetzt werden könnte, wo bei der Behandlung ein hoher Bedarf besteht. Außerdem könnte man möglicherweise Jugendliche mit Depressionen in der hausärztlichen Versorgung durch SPARX leichter erreichen.

Quellen:

Medical News Today, 20. April 2012

Merry et al. British Medical Journal, April 2012

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Rubrik: Depression, Kinder & Jugendliche, Verhaltenstherapie
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1 Kommentieren

  1. Schouten
    Mai 14th, 2012

    Ein interessanter Ansatz eine Therapie in ein Fantasiespiel zu integriern.

    Wurde den Jugendlichen gesagt, was das Spiel bewirken soll oder wurde es ihnen einfach als normales Computerspiel angeboten?

    Gibt es SPARX auf deutsch? Wo kann man es beziehnen?

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