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Hängen Aggressionen von Kindern mit einem schwierigen Familienumfeld zusammen?

26. März 2010

Hängen Aggressionen von Kindern mit einem schwierigen Familienumfeld zusammen sOft kommen besonders aggressive Kinder aus gestörten Familienverhältnissen. Eine neue Studie hat das bekannte Phänomen systematisch untersucht und zeigt, dass an ihrem Verhalten eine Fülle von Faktoren beteiligt sind, die überwiegend nichts mit der Natur der Kinder zu tun haben. Ich habe einen Presseartikel der Universität von letzter Woche übersetzt, der die noch unveröffentlichte Studie zusammenfasst:

Eine Reihe von Forschungsuntersuchungen hat gezeigt, dass aggressive Kinder meistens aus Familien stammen, die durch starke Konflikte geprägt sind. Eine neue Studie der Psychologin Arantzazu Bellido hat dieses Phänomen in der Autonomen Gemeinschaft Baskenland systematisch untersucht und bestätigt. Dazu befragte sie eine größere Anzahl von Familien in der baskischen Provinz Bizkaia, wobei sie Elemente ähnlicher früherer Umfragen an die örtlichen Gegebenheiten anpasste und mit neuen, für diese Studie spezifischen Umfragen ergänzte.

So konnte Frau Bellido einen direkten Zusammenhang zwischen dem Verhalten von Kindern und ihrem Familienumfeld zeigen. Die Ergebnisse ihrer Studie hat sie nun als Doktorarbeit bei der Universität des Baskenlandes (UPV/EHU) eingereicht.

Für die Forschung zu ihrer Doktorarbeit mit dem Titel „Familienumfeld und aggressives Verhalten bei achtjährigen Kindern” besuchte Frau Bellido Schulen in der Baskenprovinz Bizkaia und befragte 251 Familien mit achtjährigen Kindern. Als Grundlage der Forschung diente ein „ökologisches” Modell, das heißt neben den Kindern selbst untersuchte die Psychologin auch äußere Faktoren, die ihr soziales Umfeld und damit ihre Entwicklung beeinflussen. Daher nahmen an der Studie nicht nur die Kinder sondern auch ihre Familienmitglieder, Freunde und Klassenkameraden teil.

Dieser ökologische Ansatz erforderte, dass Frau Bellido die Umfragen sorgfältig an die Gegebenheiten in der Autonomen Gemeinschaft Baskenland anpasste. Dazu verwendete sie mehrere Fragebögen, die bereits vorher in Spanien benutzt und ausgewertet worden waren und modifizierte sie entsprechend. Zusätzlich entwarf sie neue Fragebögen, von denen zum Beispiel einer die Ansichten baskischer Eltern über eine gesunde Entwicklung von Kindern analysierte und andere, die der Erfassung demographischer und sozioökonomischer Daten der Provinz Bizkaia dienten.

Trennung von den Eltern als ein Schlüsselfaktor

In den 251 befragten Familien wurden fünfzehn Kinder als aggressiv eingestuft, davon zwei als hochaggressiv. Nach Meinung der Psychologin war diese Anzahl nicht sehr hoch aber sie reichte aus, um mehrere interessante Beobachtungen auszuwerten. So wurden zum Beispiel manche dieser aggressiven Kinder nicht von den Eltern sondern von ihren Onkeln, Tanten oder Großeltern großgezogen.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass gerade Faktoren des Familienumfelds einen entscheidenden Einfluss auf aggressives Verhalten bei Kindern haben. Neben einer Trennung von den Eltern sind dies insbesondere eine strenge Erziehung durch den Vater (aber nicht durch die Mutter), die vom Bildungsstand der Eltern und ihrer Bereitschaft zur Toleranz abhängt. Auch eine Unzufriedenheit mit den Familienverhältnissen trägt zu Aggressionen des Kindes bei, ebenso wie eine unausgewogene Verteilung der Aufgaben im Haushalt (d.h. eine berufstätige Mutter, die den Haushalt allein führt und gestresst ist).

Darüber hinaus macht Frau Bellido auf einen weiteren wichtigen Faktor aufmerksam: eine mangelnde anfängliche Bereitschaft Eltern zu werden. Die Forscherin stellte fest, dass in diesem Fall Kinder Verhaltensstörungen auch dann entwickeln, wenn sich die Einstellung der Eltern und ihre Beziehung zum Kind später verbessert. Die Psychologin meint, zukünftige Studien sollten genauer untersuchen, wie sich die Eltern-Kind-Beziehung auswirkt, die schon vor der Geburt und während der Schwangerschaft beginnt.

Ablehnung in der Schule

Über diese Merkmale des Familienumfelds hinaus haben auch Faktoren des Schulumfelds einen Einfluss auf aggressives Verhalten bei Kindern. Aggressive Kinder haben eine negative Einstellung zum Lernen und stören den Unterricht. Ihre Schulkameraden lehnen sie ab und glauben, sie sein nicht feige sondern stark. Aggressive Kinder werden auch selbst zu Opfern von Aggressionen anderer Schüler. Kennzeichnend für das Verhältnis aggressiver Kinder zu Gleichaltrigen ist eine mangelnde soziale Anpassung, die durch viele Streitereien und eine Missachtung sozialer Normen geprägt ist. Dadurch entsteht bei anderen Kindern der Eindruck von Feindseligkeit.

Schließlich untersuchte die Studie auch individuelle Merkmale, die aber von Kind zu Kind sehr verschieden und daher schwer zu definieren sind. Frau Bellido stellte fest, dass sich aggressive Kinder vor allem durch eine starke Dominanz auszeichnen. Darüber hinaus spielen auch die Empfindlichkeit, Ängstlichkeit und Extrovertiertheit oder Introvertiertheit der Kinder eine Rolle.

Quelle:

Basque Research News, 17.3.10

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Rubrik: Kinder & Jugendliche
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