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Gibt es heute mehr psychische Erkrankungen als früher?

9. August 2009

Wenn man sich den aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) durchliest, scheint dies in der Tat der Fall zu sein und zwar in einem beunruhigend hohem Maße. Im vergangenen Monat hat die Bundespsychotherapeutenkammer die Ergebnisse des Gesundheitsreports 2009 zusammengefasst. Ich zitiere die entsprechende Pressemitteilung in Auszügen:

„Berufstätige erkranken immer häufiger an psychischen Störungen. Im Jahr 2006 summierten sich in einer Gruppe von 100 Berufstätigen die Fehltage wegen psychischer Krankheiten noch auf 126 Tage, im Jahr 2007 waren es schon 137 Tage. Innerhalb von zwei Jahren nahmen die Fehlzeiten aufgrund von psychischen Störungen um knapp 20 Prozent zu. Sie erreichen damit seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2000 einen neuen Höchststand. Das sind die Ergebnisse des neuen „Gesundheitsreports 2009“ der Techniker Krankenkasse (TK).

Psychisch kranke Menschen sind überdurchschnittlich lange krank. Depressiv Erkrankte fallen beispielsweise fast zwei Monate aus. Häufig werden psychische Erkrankungen diagnostiziert, die infolge schwerer Belastungen entstehen (Anpassungsstörungen). Dies können einschneidende Lebensereignisse wie der Tod eines Angehörigen sein, aber auch dauerhafte Angst und Überforderung am Arbeitsplatz. Nach TK-Angaben gehören zu dieser Gruppe der psychisch Erkrankten auch immer häufiger Menschen, die unter chronischer Erschöpfung und Müdigkeit leiden („Burnout-Syndrom“). Solche Patienten sind durchschnittlich einen Monat krankgeschrieben. Schließlich leiden viele Menschen auch an körperlichen Symptomen, für die sich aber keine körperlichen Ursachen finden lassen, z. B. wiederkehrende Übelkeit, Herzklopfen oder Kopf- und Gelenkschmerzen (somatoforme Störungen). Diese Patienten fallen im Schnitt über drei Wochen an ihrem Arbeitsplatz aus.“

Wie lässt sich das bewerten? Eine Erhöhung der Fehlzeiten aufgrund von psychischen Störungen um 20 Prozent innerhalb von 2 Jahren ist – wenn das für die gesamte Bevölkerung zutreffen sollte – natürlich ein ungewöhnlich massiver Anstieg. Noch beunruhigender wird dieser Wert, wenn man sich vor Augen führt, dass die Fehlzeiten in den letzten Jahren insgesamt zurückgegangen sind – man vermutet, aus Angst den Arbeitsplatz zu verlieren.

Es gibt viele Hinweise, dass sich Arbeit in den letzten Jahren grundsätzlich in einer Weise verändert hat (Vermischung zwischen privatem und beruflichem Raum, immerwährende Verfügbarkeit durch Handy etc., Erhöhung von Parallel- bzw. Simultanarbeit, deutliche Beschleunigung der Arbeitsgeschwindigkeit), die das Auftreten von psychischen Störungen begünstigt. Der Mensch scheint der neuen Arbeitswelt häufig einfach nicht mehr gewachsen. Die vorliegende Erhebung der TK  könnte ein weiterer Beleg hierfür sein.

Quelle:

Pressemitteilung der Bundespsychotherapeutenkammer vom 02.7.2009

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Rubrik: Burnout/Stress, Depression, Leistungsfähigkeit, Psychosomatik & Schmerzen
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3 Kommentieren

  1. Rolf Grießhammer
    August 10th, 2009

    Bei dieser Problematik stellt sich eine grundsätzliche Frage – ist Psychotherapie ein „Reparaturbetrieb“, der Menschen wieder fit machen soll, dabei aber konkrete Arbeitsbedingungen ausblendet, auf das Motto setzt, „immer schön bei sich zu bleiben“ und damit einer Anpassungsideologie folgt? Wie steht es um die Idee des „psychologisch gesunden Arbeitsplatzes“ (s. http://www.phwa.org) in Deutschland?

  2. Mareike
    August 13th, 2009

    Hallo,
    das ist ja eine sehr gute Frage.Hier ist es eigentlich sehr gut erklärt, finde die Zusammenfassung schon sehr schön.Hoffentlich mehrere Leute lesen diesen Blog. Sehr interessanter Blog, gefällt mir schon sehr.Danke.

    LG Mareike

  3. Deprifrei-leben
    August 23rd, 2009

    Zum Thema Depressionen führe ich auch ein Tagebuch, dass jeder gerne besuchen kann.
    Ich glaube, dass die Gesellschaft im Umbruch steht, es entsteht eine neue Arbeitswelt, die Geschlechterrollen verändern sich und die Arbeitswelt wird stressiger.
    Auch die Schulwelt hat sich den neuen Lebensverhältnissen nicht wirklich angepasst und die Lehrer auch nicht.
    In den letzten Jahren sind immer weniger Arbeiter/ Angestellte krank geworden, aber die Kurve der Arbeitsausfälle durch psychische Erkrankungen geht nach oben.
    Die Seele kann man weniger ausblenden, als körperliche Erkrankungen wie Grippe.

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