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Woher kann man wissen, was einen glücklich machen wird ?

24. April 2009

Woher kann man wissen, was einen glücklich machen wird sAm besten fragt man einen Fremden! Dies zumindest legen die Ergebnisse einer Studie der Harvard University nahe, in der gezeigt wurde, dass die Erfahrungen anderer Personen einen besseren Vorhersagewert für das künftige Glück haben als die eigene Vermutung. Die Studie wird in der aktuellen Ausgabe der renommierten Zeitschrift Science veröffentlicht. Harvard Professor Daniel Gilbert fasst die Ergebnisse so zusammen: „Statt die Augen zu schließen und sich vorzustellen, ob uns eine bestimmte Erfahrung glücklich machen wird, sollten wir lieber Menschen befragen, die diese Erfahrung bereits gemacht haben.“

Die Studie setzt auf der Erkenntnis auf, dass Menschen in der Regel große Schwierigkeiten damit haben, vorherzusagen, was sie glücklich macht und was nicht – was dazu führt, dass sie häufig Entscheidungen treffen, die den gegenteiligen Effekt haben als den erhofften. Offensichtlich läßt sich aber dieser „Entscheidungsfehler“ nicht damit beheben, sich die Zukunft einfach noch intensiver vorzustellen.

Die aktuelle Studie zeigt dagegen: Wenn man Menschen andere Menschen befragen lässt, die bereits in ähnlichen Situationen waren, dann werden ihre Vorhersagen, was das eigene künftige Glück anbetrifft, deutlich präziser.

In einem Experiment wurden Frauen gebeten, einzuschätzen wie ihnen wohl das „Speed-Dating“ mit einem bestimmten Mann gefallen würde. In der einen Gruppe konnten sich die Frauen präzise über den jeweiligen Mann (Foto, Biographie, Interessen) informieren, bevor sie ihn trafen. In der anderen Gruppe hatten die Frauen lediglich die Möglichkeit, andere Frauen zu befragen, die sich mit dem Mann schon einmal getroffen hatten. Beide Gruppen waren davon überzeugt, dass ich nur mit den Profilinformationen des Mannes eine wirklich gute Vorhersage treffen läßt, ob das Treffen gut verlaufen würde. Tatsächlich stellte sich aber das Gegenteil heraus:  Die Frauen, die Zugang zu den Erfahrungen anderer Frauen hatten, konnten sehr viel besser einschätzen, ob ihnen das Treffen gefallen würde als die Frauen, die das Profil des Mannes studiert hatten.

In einem zweiten Experiment wurden Versuchspersonen gebeten einzuschätzen, wie sie mit einem schriftlichen negativen persönlichen Feedback eines Bekannten umgehen würden. Die erste Gruppe bekam das Beispiel eines solchen Feedbacks gezeigt, um sich auf ihre Erfahrung vorzubereiten. Die zweite Gruppe konnte sich mit Menschen austauschen, die bereits ein negatives Feedback erhalten hatten. Die Ergebnisse entsprachen dem ersten Experiment. Die Gruppe, die sich vorher über tatsächliche Erfahrungen austauschen konnte, konnten ihre persönlichen Reaktionen erheblich besser einschätzen als die Gruppe, die sich ihre Reaktionen basierend auf dem vorgelegten Beispiel vorstellen konnten. Auch hier waren jedoch beide Gruppen vorher fälschlicherweise überzeugt, dass nur das Lesen eines beispielhaften negativen Feedbacks sie in die Lage versetzen könnte, ihre eigenen Reaktionen präzise vorherzusagen.

Gilbert vermutet folgenden Grund für diese Ergebnissen: „Menschen realisieren nicht, wie wertvoll die Erfahrungen eines anderen tatsächlich sein können, weil sie fälschlicherweise annehmen, dass jeder Mensch einzigartig ist.

Nun, je offener Menschen sich über ihre Erfahrungen austauschen, desto mehr werden sie wohl erkennen, dass es mit dieser Einzigartigkeit vielleicht nicht so weit her ist. Aber darin liegt auch eine Menge Trost und für die Verhaltenstherapie etwa auch eine große Chance. Die Chance nämlich, aus den Erfahrungen anderer Menschen typische Gesetzmäßigkeiten und Verhaltensmuster abzuleiten. Diese Erkenntnisse machen es dann leichter, Menschen den Ausweg aus Problemen aufzuzeigen, von denen sie zu Beginn des Gesprächs noch glaubten, sie seien die einzigen, die mit diesen Problemen zu kämpfen haben.

Quelle:

Pressemitteilung der Harvard University vom 19.03.2009

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Rubrik: Glücksforschung, Verhaltenstherapie
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