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Wie lange dauert Liebe auf den ersten Blick?

29. Oktober 2010

Wie lange dauert Liebe auf den ersten BlickSchon in der Antike wurde zwischen drei Grundformen der Liebe (Eros, Philia und Agape – in etwa Sex, Freundschaft und Nächstenliebe) unterschieden. Eine aktuelle Studie hat die Gehirnaktivität von Liebenden untersucht und zeigt, dass neben gemeinsamen „emotionalen“ Gehirnregionen andere mit eher rationalen Funktionen beteiligt sind, je nach dem „Zielobjekt“ der Liebe. Wir haben die Presseerklärung der Universität zu der Studie von letzter Woche übersetzt, nach der Liebe alles andere als ein irrationales Gefühl ist:

Eine neue Studie von Wissenschaftlern aus den USA und der Schweiz zeigt, dass Verliebtsein nicht nur das gleiche euphorische Gefühl hervorrufen kann wie Kokain, sondern auch intellektuelle Gehirnregionen beeinflusst. Außerdem stellten die Forscher unter Leitung von Prof. Stephanie Ortigue von der Syracuse University fest, dass es nur etwa eine fünftel Sekunde dauert, wenn sich ein Mensch verliebt. Für ihre Untersuchung, eine sogenannte Metaanalyse, werteten die Wissenschaftler frühere Imagingstudien an verliebten Menschen aus, deren Gehirnaktivität mit funktioneller Magnetresonanztomographie gemessen wurde.

Ortigue ist eine Assistenzprofessorin für Psychologie und Neurologie am College of Arts and Sciences der Syracuse University in New York.

Die Studie von Ortigues Team zeigte, dass zwölf Gehirnregionen zusammenarbeiten, wenn sich ein Mensch verliebt, und chemische Substanzen wie Dopamin, Oxytocin, Adrenalin und Vasopressin freisetzen, die ein Hochgefühl erzeugen. Aber das Gefühl des Verliebtseins beeinflusst auch komplexe kognitive Funktionen wie geistige Vorstellungen, Metaphern und das Körperbild.

Die Ergebnisse werfen die Frage auf: „Verliebt sich das Herz oder das Gehirn?”

„Das ist immer eine schwierige Frage“, sagt Ortigue. „Ich würde sagen, das Gehirn. Aber das Herz hat auch etwas damit zu tun, weil Liebe komplex ist und dazu Prozesse gehören, die nach oben und nach unten gerichtet sind, vom Gehirn zum Herzen und umgekehrt. Zum Beispiel kann die Aktivierung mancher Gehirnregionen das Herz anregen, was wir als Schmetterlinge im Bauch wahrnehmen. Auch andere Symptome, die sich anfühlen, als ob sie vom Herzen kommen, können ihren Ursprung im Gehirn haben.“

Außerdem haben Untersuchungen gezeigt, dass auch der Blutspiegel von Nerve Growth Factor (NGF) steigt und bei frisch verliebten Paaren deutlich erhöht ist. Das Molekül spielt eine wichtige Rolle bei der „sozialen Chemie“ von Menschen oder dem Phänomen der „Liebe auf den ersten Blick“. „Diese Ergebnisse bestätigen, dass Liebe eine wissenschaftliche Grundlage hat“, sagt Ortigue.

Die Studienergebnisse sind von großer Bedeutung für die Neurowissenschaften und die Erforschung der psychischen Gesundheit, denn enttäuschte Liebe kann ein wichtiger Grund für emotionalen Stress und Depressionen sein. „Es ist eine weitere Möglichkeit, das Gehirn und die Psyche eines Patienten zu untersuchen“, sagt Ortigue. „Wenn wir verstehen, warum Menschen sich verlieben, und warum ihnen das Herz bricht, können wir neue Therapien entwickeln.“ Indem sie die Gehirnregionen identifizieren, die das Verliebtsein aktiviert, können Ärzte und Therapeuten den Schmerz eines Patienten mit Liebeskummer besser verstehen.

Außerdem zeigt die Studie, dass bei verschiedenen Arten der Liebe unterschiedliche Gehirnregionen aktiviert sind. Zum Beispiel wird bedingungslose Liebe wie die zwischen einer Mutter und ihrem Kind teilweise von den gleichen aber auch von anderen Gehirnregionen ausgelöst, darunter von Bereichen tief im Inneren des Gehirns. Leidenschaftliche Liebe wiederum wird von den Gehirnregionen entfacht, in denen sich das Belohnungszentrum befindet, aber auch von assoziativen kognitiven Gehirnregionen mit höheren geistigen Funktionen wie dem Körperbild.

Ortigue und ihre Mitarbeiter führten die Studie gemeinsam mit Wissenschaftlern der West Virginia University und des Universitätskrankenhauses Genf durch. Die Ergebnisse wurden im Journal of Sexual Medicine veröffentlicht. Ortigues nächste Studie, wie schnell sich das menschliche Gehirn verliebt, soll demnächst erscheinen.

Quellen:

Syracuse University, 18.10.10

Ortigue et al. Journal of Sexual Medicine, 2010

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Rubrik: Hirnforschung, Partnerschaft & Paartherapie
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