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Wie hilft Verhaltenstherapie bei schweren Depressionen?

22. Mai 2010

Wie hilft Verhaltenstherapie bei schweren DepressionenDer Name „Verhaltenstherapie“ hat sich für eine Behandlung eingebürgert, in der es nicht nur und auch nicht unbedingt überwiegend um eine Änderung des Verhaltens geht. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass bei Patienten mit Depressionen eine zweite Komponente der Therapie, die Hilfe zur Veränderung kontraproduktiver Denkweisen, wichtiger sein kann. Wir haben die Pressemitteilung der Universität zu der Studie von voriger Woche übersetzt, die auch auf weitere wichtige Aspekte der Therapie hinweist:

Eine neue Studie zeigt, dass Verhaltenstherapie bei Patienten mit mittelschweren bis schweren Depressionen am wirksamsten ist, wenn der Schwerpunkt der Behandlung auf einer Veränderung des Denkens des Patienten liegt und nicht auf der seines Verhaltens.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Verhaltenstherapeut zumindest in den ersten paar Sitzungen auf gedankenorientierte Techniken konzentrieren sollte. Das ermöglicht Patienten mit eher schweren Depressionen, von negativen Denkmustern loszukommen und Ereignisse in ihrem Leben realistischer zu sehen.

Die Forscher stellten fest, dass die Betonung auf eine Verhaltensänderung – wie Aktivitäten mit dem Patienten zu planen, damit er öfter seine Wohnung verlässt, und nachzufragen, was er gemacht hat – keinen wesentlichen Einfluss auf die Veränderung der Depressionssymptome hat.

„In letzter Zeit war das Interesse sehr auf verhaltensorientierte Methoden zur Behandlung von schweren Depressionen gerichtet. Das hat vielleicht dazu geführt, dass manche Leute vermuten, gedankenorientierte Techniken spielen bei Patienten mit eher schweren Depressionen keine Rolle“, sagt Daniel Strunk, der erste Autor der Studie und Assistant Professor für Psychologie an der Ohio State University in den USA.

„Aber unsere Ergebnisse zeigen, dass es in Wirklichkeit die gedankenorientierten Strategien sind, die in den entscheidenden ersten Wochen einer Verhaltenstherapie am meisten dazu beitragen, dass es Patienten besser geht.“

Strunk führte die Studie zusammen mit Melissa Brotman vom National Institute of Mental Health und Robert DeRubeis von der University of Pennsylvania in den USA durch. Die Ergebnisse wurden nun im Journal Behaviour Research and Therapy online publiziert und werden in einer späteren Druckausgabe erscheinen.

An der Studie nahmen sechzig Patienten mit klinischen Depressionen teil, die an zwei Universitätskliniken behandelt wurden.

Alle Patienten wurden von einem von insgesamt sechs Verhaltenstherapeuten behandelt und hatten sich bereit erklärt, ihre Therapiesitzungen für die Studie mit einer Videokamera aufzeichnen zu lassen.

Zwei speziell geschulte Gutachter sahen sich die Videoaufnahmen der ersten vier Therapiesitzungen an und beurteilten, wie viel Gewicht die Therapeuten auf gedankenorientierte und verhaltensorientierte Methoden legten sowie andere Aspekte der Therapiesitzungen.

Außerdem beantworteten die Patienten bei jeder Therapiesitzung einen Fragebogen, mit dem der Schweregrad ihrer Depressionen gemessen wurde.

Dann verglichen die Forscher die einzelnen Techniken, mit denen die Therapeuten arbeiteten, mit den Verbesserungen der Depressionswerte ihrer Patienten von einer Therapiesitzung zur nächsten.

Die Studie konzentrierte sich auf die ersten paar Wochen der Therapie, da andere Untersuchungen gezeigt hatten, dass sich in dieser Phase der Behandlung die Depressionen der Patienten am meisten verbessern, sagt Strunk.

Die Ergebnisse zeigten, dass sich der Schweregrad der Depressionen bei den Patienten deutlich verbesserte, wenn ihre Therapeuten vor allem gedankenorientierte Techniken verwendeten, aber nicht, wenn sie sich auf verhaltensorientierte Techniken konzentrierten.

Weiter zeigte die Studie, dass die Verbesserung der Depressionen auch mit anderen Faktoren zusammenhängt.

Die Patienten machten größere Fortschritte, wenn sie mit den Therapeuten an ihrem Behandlungsplan zusammenarbeiteten und den Plan befolgten.

Nicht überraschend machten die Patienten auch dann größere Fortschritte, wenn sie sich mehr am Ablauf der Therapie beteiligten und für die Vorschläge des Therapeuten offen waren.

„Unsere Daten zeigen den größten Nutzen bei Patienten, die bereit sind, voll und ganz am Therapieablauf mitzuwirken“, sagt Strunk.

Strunk sagt, dass diese Studien an der Klinik für Depressionsbehandlung und -forschung der Ohio State University fortgesetzt werden. Die Forscher an der Klinik arbeiten mit Depressionspatienten zusammen, um das Wesen der Veränderungen in ihrem Denken zu untersuchen, und wie es sich auf die Verbesserung ihrer Depressionen auswirkt.

„Wir wollen herausfinden, ob die Verhaltenstherapie bei Menschen eine grundlegende Veränderung ihres Selbstbilds bewirkt, oder ob sie ihnen bestimmte Fähigkeiten vermittelt, die sie dann immer weiter praktizieren müssen“, sagt er.

Nach Meinung von Strunk zeigen diese Ergebnisse, dass gedankenorientierte Techniken bei der Behandlung von Depressionen sehr wirksam zu sein scheinen, auch wenn die Aufmerksamkeit in letzter Zeit mehr den verhaltensorientierten Methoden gegolten hat.

„In unserer Studie schienen gedankenorientierte Techniken die Depressionssymptome von Patienten bei der Verhaltenstherapie viel effektiver zu verbessern als die verhaltensorientierten Techniken“, sagt er.

Quellen:

Ohio State University Research News, 12.5.10

Strunk et al. Behaviour Research and Therapy, 2010

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Rubrik: Depression, Verhaltenstherapie
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