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Beeinflussen Mode-Models das Selbstwertgefühl von Frauen?

18. Oktober 2009

Beeinflussen Mode-Models das Selbstwertgefühl von Frauen-1Heute eine interessante Studie, in der gezeigt wird, dass das Betrachten von Models, z.B. in Zeitschriften Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl von Frauen hat.  Damit lässt sich Bezug nehmen, u.a. auch auf die zunehmende Kritik an dem Einsatz von offensichtlich unterernährte Frauen auf den Laufstegen der Modeindustrie.  Nachfolgend eine Zusammenfassung in meiner Übersetzung:

Das Selbstwertgefühl von Frauen mit Übergewicht sinkt geradezu in den Keller, wenn sie Fotos von Modellen gleich welcher Kleidergröße betrachten. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung hervor, die jetzt im Journal of Consumer Research veröffentlicht wurde. Aber das Selbstwertgefühl von Frauen mit Untergewicht nimmt zu, und zwar ebenfalls unabhängig von der Kleidergröße des Modells. Die Autoren Dirk Smeesters (Erasmus-Universität, Niederlande), Thomas Mussweiler (Universität Köln) und Naomi Mandel (Arizona State University) untersuchten, was Frauen mit unterschiedlichen Body-Mass-Indizes (BMIs) empfinden, wenn sie dünne oder dicke Medienmodelle (Frauen, wie sie in den Medien dargestellt werden) betrachten.

„Unsere Studie bestätigt die Ergebnisse früherer Untersuchungen, wonach das Selbstwertgefühl von Frauen mit einem normalen Body-Mass-Index (BMI) sowohl zu- als auch abnehmen kann, je nachdem, welches Modell sie betrachten“, schreiben die Autoren. „Frauen mit einem BMI im Normalbereich (BMI-Werte zwischen 18,5 und 25) haben ein höheres Selbstwertgefühl beim Betrachten von mäßig dünnen Modellen (weil sie sich den Modellen ähnlich fühlen) und extrem dicken Modellen (weil sie sich den Modellen nicht ähnlich fühlen). Dagegen haben sie ein niedrigeres Selbstwertgefühl beim Betrachten von mäßig dicken Modellen (weil sie sich ihnen ähnlich fühlen) und extrem dünnen Modellen (weil sie sich ihnen nicht ähnlich fühlen).“

Diese Untersuchung bietet wichtige neue Einblicke, wie die Beeinflussung durch Medien das Selbstwertgefühl von Frauen mit Über- und Untergewicht verändern kann. „Das Selbstwertgefühl von Frauen mit Untergewicht nimmt immer zu, egal welches Modell sie sich anschauen“, erläutern die Autoren. „Dagegen nimmt das Selbstwertgefühl von Frauen mit Übergewicht immer ab, und zwar ebenfalls unabhängig vom Modell, das sie gerade betrachten.“ Ein vielleicht etwas unerwartetes Ergebnis war aber, dass das Selbstwertgefühl von Frauen mit Übergewicht und Frauen mit Untergewicht recht ähnlich war, solange sie überhaupt kein Modell betrachteten.

Außerdem beeinflusste die Werbung das Essverhalten der Teilnehmerinnen an der Studie und Vorsätze wie abnehmen und Sport treiben zu wollen. Zum Beispiel aßen Teilnehmerinnen mit Übergewicht weniger süße Kekse und nahmen sich ernsthafter vor, Diät halten und Sport treiben zu wollen, wenn sie dicke Modelle betrachteten als beim Anblick dünner Modelle.

Natürlich gilt hier wie nahezu überall: Vorsicht vor einfachen und unikausalen Erklärungen, z.B. der, dass die Modeindustrie dafür verantwortlich ist, dass Frauen ein geringes Selbstwertgefühl haben und sich als Folge daraus z.B. in die körperliche Nähe der idealisierten Models hungern. Wie in anderen Beiträgen in diesem Blog dargestellt, ist die Wirklichkeit (hier: der Essstörungen) sehr viel komplexer. Aber es ist in jedem Fall ein interessanter Beleg für die Wirkungen von medial vermittelten Frauentypen auf die Adressatinnen der Modewerbung.

Quellen:

e! Science News, 13. Okt 2009

Smeesters et al. The Journal of Consumer Research, April 2009

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Weitere Links:

Wie hilft Psychotherapie bei Essstörungen?

Zur Praxis für Psychotherapie in München

Zur Praxis für Psychotherapie in Düsseldorf

Zur Praxis für Psychotherapie in Berlin-Charlottenburg

Rubrik: Essstörungen, Medienkonsum, Mensch & Gruppe
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3 Kommentieren

  1. Sabine
    Oktober 23rd, 2009

    Danke für diese differenzierten Darstellungen.

    lg Sabine

  2. Selbstwertgefühl, Konfektionsgröße und Sonnenschutz | LadySize
    September 7th, 2010

    […] Studie von Dirk Semesters (Erasmus-Universität, Niederlande), Thomas Mussweiler (Universität Köln) und Naomi Mandel (Arizona State University), übersetzt von Dr. Rose Shaw Blog […]

  3. Lola
    März 15th, 2012

    Also, ganz ehrlich , ich glaube nicht, dass diese Studie aussagekräftig ist. Untersucht wurden NUR Studentinnen (damit haben wir schon mal eine extrem kleine Stichprobe aus der Bevölkerung: fast alle sehr jung, selber Bildungsstand – Abitur – usw…). Ausserdem erfahren wir nichts über das Design der Studie: wie wurde das sogennante „Selbstwertgefühl“ definiert? Wie wollte man es „messen“??? Etwa mit lustigen Fragebögen, die mit schwammigen Begriffen beschreiben, wie „selbstbewusst“ man sich fühlt? Grins….
    Ich bin deswegen so misstrauisch, weil ich selbst Psychologie studiert habe und weiss, wie einfach man sogenannte „Studien“ mit heisser Nadel stricken kann, die wirkliche Wissenschaftler nicht mal mit der Kneifzange anfassen würden. Die sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind!

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