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Werden sich Ehepartner mit der Zeit ähnlicher?

14. Oktober 2010

Befürworter arrangierter Ehen erklären vorzeigbare Erfolge wie niedrige Scheidungsraten unter anderem mit der sorgsamen Auswahl der jungen Leute füreinander. Eine aktuelle Untersuchung über die Persönlichkeiten von Ehepartnern zeigt, dass manche Paare das offenbar auch ohne Mithilfe sehr gut können. Wir haben die Presseerklärung der Universität zu der Studie von Ende August übersetzt, die überwiegend Paare untersuchte, die zehn Jahre und länger verheiratet waren:

Entgegen landläufiger Meinung werden sich verheiratete Paare mit der Zeit nicht immer ähnlicher. Das zeigt eine Studie eines Teams von Forschern der Michigan State University und der University of Minnesota in den USA.

Stattdessen neigen Menschen dazu, ihren Partner aufgrund von Gemeinsamkeiten mit ihren eigenen Persönlichkeitsmerkmalen zu wählen. Die Ergebnisse erscheinen in der Novemberausgabe des Journals Personality and Individual Differences.

„Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Ehepartner stärker ähneln als man rein zufällig erwarten würde”, sagt Mikhila Humbad, die erste Autorin der Studie. „Das könnte den Einfluss widerspiegeln, den Ehepartner im Laufe der Zeit aufeinander ausüben. Oder es könnte das sein, was sie von Anfang an zusammengeführt hat. Das Ziel unserer Studie war, diese Streitfrage zu klären.”

Die Forscher analysierten Daten des Minnesota Centers for Twin and Family Research über 1296 Ehepaare. Damit ist die Studie eine der bisher größten ihrer Art, sagt Humbad, eine Doktorandin der klinischen Psychologie an der Michigan State University.

Die Forscher wollten wissen, ob Ehemänner und –frauen sich ähnlicher werden, je länger sie verheiratet sind. Sie untersuchten eine Fülle von Persönlichkeitsmerkmalen und stellten fest, dass sich in den meisten Fällen die Ehepartner mit zunehmender Dauer der Ehe keineswegs ähnlicher wurden.

Die Schlussfolgerung: Die Ähnlichkeit von Eheleuten lässt sich besser durch Selektion erklären als durch eine schrittweise Entwicklung der Persönlichkeiten aufeinander zu.

Nur die Aggressivität von Menschen war eine Ausnahme und passte nicht in dieses Schema. „Wenn man darüber nachdenkt, ist das einleuchtend”, sagt Humbad. „Wenn einer von beiden zu Gewalt neigt, könnte der andere ähnlich reagieren und dadurch mit der Zeit selbst aggressiver werden.”

Die Forschungsergebnisse könnten von Bedeutung für zukünftige Ehepartner und ihre Kinder sein. „Wenn Sie jemanden heiraten, der Ihnen ähnlich ist, können Sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Sie diese Merkmale an Ihre Kinder weitergeben„, sagt Humbad.

Man sollte die Ergebnisse auch vor dem Hintergrund einer sehr erfolgreichen Heiratsvermittlungsindustrie sehen, in der sich Agenturen bemühen, passende Leute nach ähnlichen Eigenschaften auszusuchen, merkt sie an.

Quellen:

Michigan State University, 25.8.10

Humbad et al. Personality and Individual Differences, Nov 2010

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Rubrik: Partnerschaft & Paartherapie
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1 Kommentieren

  1. Fundgrube (7): Die besten Links der Woche « Alltagsforschung
    Oktober 15th, 2010

    […] Allen Klischees zum Trotz: Verheiratete Paare werden sich mit der Zeit nicht immer ähnlicher. [via Rose Shaw] […]

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