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Welche Art der Psychotherapie hilft bei Bulimie?

16. Oktober 2009

In dem Informationsdienst Reuters Health ist letzte Woche die Zusammenfassung eines „Review-Artikels“ erschienen. In Review-Artikeln werden eine Reihe von Studien zu einem Thema zusammengefasst. Dies ist insofern wichtig, als dass einzelne Studien immer nur Teilaskpekte eines Themas untersuchen, so dass es diese Zusammenfassungen bedarf, um sozusagen die Summe zu ziehen. Nachfolgend der Beitrag in meiner Übersetzung:

Forscher haben gezeigt, dass eine spezifische Form der Gesprächstherapie Menschen mit Ess-Brech-Sucht und ähnlichen Essstörungen dabei helfen kann, ihre ungesunden Verhaltensweisen innerhalb von nur wenigen Monaten aufzugeben. Dr. Phillipa P. J. Hay und ihre Mitarbeiter an der University of Western Sydney in Australien werteten eine größere Anzahl von Studien zu verschiedenen Formen der Psychotherapie für Bulimia nervosa (kurz Bulimie oder Ess-Brech-Sucht) aus. Dabei fanden sie, dass im Vergleich zu unbehandelten Patienten nach Bulimie-spezifischer Gesprächstherapie – auch kognitive Verhaltenstherapie (KVT) genannt – die Heißhungeranfälle bei etwa 37% der behandelten Patienten aufhörten.

Dagegen gaben lediglich 3 Prozent der Bulimiekranken, die auf einer Warteliste für Therapie waren und nicht behandelt wurden, ihr Ess-Brech-Verhalten auf. Diese Ergebnisse wurden jetzt in Cochrane Database of Systematic Reviews veröffentlicht. Herausgegeben wird das Journal von der Cochrane Collaboration, einer internationalen Organisation, die medizinische Forschungsergebnisse auswertet.

Bulimie-spezifische KVT zielt direkt auf das hemmungslose Essen und das anschließend herbeigeführte Erbrechen beziehungsweise den Missbrauch von Abführmitteln ab, wodurch dem Körper die Nahrung nach jedem Essanfall wieder entzogen wird. Dabei konzentriert sich die Therapie auf das Essverhalten, die Furcht vor dem Zunehmen und darauf, wie Auffassungen über das Essen und das Körperbild wieder „normalisiert” werden können.

Die Bulimie-spezifische Verhaltenstherapie „dauert etwa 4 bis 5 Monate”, bemerkt Hay in einer E-Mail an Reuters Gesundheit und weiter, dass andere Psychotherapien länger brauchen – ungefähr ein Jahr – um einen ähnlichen Wirkungsgrad zu erreichen.

Für ihre Untersuchung verglichen Hay und ihre Mitarbeiter 48 Studien, die verschiedene Psychotherapien für Bulimia nervosa und Binge Eating (Heißhungeranfälle ohne anschließendes Erbrechen oder Abführen) auswerten, darunter interpersonelle und psychoanalytische Methoden, Hypnose, die Anweisungen eines Selbsthilfebuchs zu befolgen, sowie Bulimie-spezifische KVT.

An diesen Studien waren insgesamt 3054 Erwachsene in den USA, Kanada und Großbritannien beteiligt, die im Allgemeinen wöchentliche Therapiesitzungen über einen Zeitraum von durchschnittlich etwa 16 Wochen hatten. Die Auswertung des Krankheitsverlaufs fand bei allen Studien innerhalb von 10 Monaten nach dem Ende der Behandlung statt.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass nach Auswertung aller Studienergebnisse Verhaltenstherapie wohl die insgesamt beste Behandlung bei dieser Essstörung ist. Weiter bemerkt Hay, dass KVT auch verwandte Symptome wie Depressionen deutlich verbessern kann.

Quelle:

Reuters Health und Cochrane Database of Systematic Reviews, October 2009

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Rubrik: Essstörungen, Verhaltenstherapie
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