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Welche Kosten entstehen der Wirtschaft durch Depressionen?

2. November 2012

Woher-kann-man-wissen-was-einen-glücklich-machen-wird-sDepressionen sind eine Krankheit, über die viele Patienten nur ungern reden, schon gar nicht vor Kollegen oder dem Chef. In einer aktuellen Untersuchung haben Forscher Arbeitnehmer und Manager über Depressionen am Arbeitsplatz, Fehltage und Produktivitätsverluste befragt. Wir haben die Presseerklärung des Herausgebers der Studie übersetzt, in der die wirtschaftlichen Folgen von Depressionen in verschiedenen europäischen Ländern untersucht wurden:

Jeder zehnte Arbeitnehmer in Europa ist schon einmal wegen Depressionen nicht zur Arbeit erschienen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Umfrage, die von der European Depression Association (EDA) durchgeführt wurde.

Die Autoren weisen darauf hin, dass durch eine depressive Episode im Durchschnitt 36 Arbeitstage verloren gehen. Aber trotz der Probleme, die „Depressionen am Arbeitsplatz“ verursachen, haben fast ein Drittel aller Manager noch keinen Anlass gesehen einen Service oder Richtlinien zur Unterstützung von Mitarbeitern mit Depressionen einzuführen. Fast die Hälfte aller Manager wünscht sich bessere Strategien und die Einführung von Gesetzen, die solche Arbeitnehmer besser schützen.

Depressionen am Arbeitsplatz können verschiedene Ursachen haben, die auch in der Arbeit selbst liegen können. Finnische Forscher veröffentlichten 2009 eine Studie in dem Journal Occupational and Environmental Medicine, in der sie zeigten, dass das Risiko von Arbeitnehmern Depressionen zu entwickeln an Arbeitsplätzen erhöht ist, wo das Betriebsklima schlecht ist.

Stephen Hughes, Mitglied des Europäischen Parlaments, sagt:

„Depressionen am Arbeitsplatz stellen eine Herausforderung für die Arbeitspolitik und für die Gesellschaft insgesamt dar, denn sie verursachen schwere Schäden. Deshalb muss sich die Europäische Union damit befassen und tätig werden. Die Aufnahme von Depressionen am Arbeitsplatz in die neue Strategie der Europäischen Kommission für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, der in den nächsten zwei Jahren gesetzgeberische Maßnahmen folgen werden, stellt einen wichtigen Fortschritt in Richtung auf einen effektiveren Schutz von Arbeitnehmern in Europa dar, der letztendlich ein Beitrag zum ökonomischen und sozialen Wohlstand ist.“

Mehr als 30 Millionen Menschen in Europa werden im Laufe ihres Lebens eine Diagnose von Depressionen erhalten, stellt der Bericht fest. Damit sind Depressionen das größte Problem für die psychische Gesundheit von Menschen im arbeitsfähigen Alter in Europa.

Für die IDEA-Umfrage wurden mehr als 7 000 Menschen in Großbritannien, Spanien, Frankreich, Italien, der Türkei, Deutschland und Dänemark befragt. IDEA steht für „Impact of Depression in the Workplace in Europe Audit“ (Die Folgen von Depressionen am Arbeitsplatz in Europa – eine Bestandsaufnahme).

Die Autoren konnten zeigen:

• Von den 7 000 Teilnehmern der Umfrage gaben 20 Prozent an, dass sie schon einmal eine Diagnose von Depressionen hatten.

• In Großbritannien hatten 26 Prozent der Arbeitnehmer schon irgendwann einmal eine Diagnose von Depressionen (der höchste Prozentsatz).

• In Italien gab es die wenigsten Arbeitnehmer, die schon einmal eine Diagnose von Depressionen hatten (12 Prozent).

• In Deutschland hatten 61 Prozent der Arbeitnehmer, die eine Diagnose von Depressionen hatten, wegen ihrer psychischen Probleme auf der Arbeit gefehlt.

• In Dänemark hatten 60 Prozent der Arbeitnehmer mit einer Diagnose von Depressionen auf der Arbeit gefehlt.

• In Großbritannien hatten 58 Prozent der Arbeitnehmer mit einer Diagnose von Depressionen auf der Arbeit gefehlt.

• In der Türkei fehlten Arbeitnehmer nach einer Diagnose von Depressionen auf der Arbeit am seltensten, gerade einmal 25 Prozent.

Die Kosten von Depressionen für die Wirtschaft der Europäischen Union betrugen 2010 schätzungsweise 92 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte dieser Kosten entstanden durch Arbeitsausfälle und Präsentismus aufgrund von Depressionen. Als Präsentismus bezeichnet man, wenn ein Arbeitnehmer zur Arbeit geht, obwohl er eigentlich krank ist.

Im Jahre 2010 fielen in Großbritannien und Deutschland Arbeitnehmer mit einer Diagnose von Depressionen für durchschnittlich 41 Tage auf der Arbeit aus. Italienische Arbeitnehmer hatten mit 23 die wenigsten Fehltage.

Obwohl Arbeitsausfälle wegen Depressionen häufig vorkommen, sagten nur ein Viertel aller Arbeitnehmer mit Depressionen ihren Arbeitgebern oder Chefs, weswegen sie krank waren. Ein Drittel aller Arbeitnehmer mit Depressionen meinten, ihr Job könnte in Gefahr sein, wenn sie es ihrem Chef sagten, besonders in dem gegenwärtigen ökonomischen Klima.

Nach Meinung von Experten haben Patienten während einer depressiven Episode 94 Prozent der Zeit auch geistige Depressionssymptome, die die Leistungsfähigkeit eines Arbeitnehmers erheblich einschränken können. Beispiele für mangelnde geistige Leistungsfähigkeit sind Vergesslichkeit, Unentschlossenheit und Konzentrationsstörungen.

Im Journal of Environmental and Occupational Medicine wurden 2008 mehrere Studien veröffentlicht, die zeigten, dass Depressionen am Arbeitsplatz ein sehr viel ernsteres Problem sind als Arbeitgebern bewusst ist.

Das Bewusstsein für Symptome von Depressionen ist gering

Wenn sie gefragt wurden, welche Symptome von Depressionen sie kennen, nannten 88 Prozent der Befragten Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit. Dagegen gaben nur 57 Prozent Konzentrationsschwierigkeiten an, 44 Prozent erwähnten Unentschlossenheit und 33 Prozent Vergesslichkeit.

Fast ein Drittel aller Manager, die auf die Umfrage antworteten, sagten sie hätten keine formelle Unterstützung für den Umgang mit einem Mitarbeiter, der unter Depressionen leidet. In Deutschland gaben 44 Prozent der Manager an sie hätten keine Unterstützung, der höchste Prozentsatz in Europa. Fehlende Unterstützung war in der Türkei am seltensten (zehn Prozent).

In Großbritannien sagten 55 Prozent der Manager sie würden Unterstützung von ihrer Personalabteilung erhalten, wenn einer ihrer Mitarbeiter Depressionssymptome oder eine Diagnose von Depressionen hätte. Dagegen sagten 79 Prozent der Manager in der Türkei sie würden Unterstützung von einem Fachmann für psychische Gesundheit erhalten.

Auf die Frage, was das Wichtigste sei um Mitarbeitern mit Depressionen zu helfen, nannten alle zusätzliche Beratungsdienste sowie neue Gesetze und Richtlinien.

Dr. Vincenzo Costigliola, Präsident der European Depression Association sagt:

„Die Ergebnisse der IDEA-Umfrage zeigen, dass noch viel getan werden muss, um die Öffentlichkeit aufzuklären und Arbeitnehmer und Arbeitgeber dabei zu unterstützen, dass sie Depressionen am Arbeitsplatz erkennen und damit umgehen können. Wir wünschen uns, dass sich die politischen Entscheidungsträger Gedanken über die Auswirkungen von Depressionen auf die arbeitende Bevölkerung machen und fordern sie auf sich mit Depressionen und der Sicherheit von Arbeitnehmern am Arbeitsplatz zu beschäftigen.“

Ein paar Fakten über Depressionen in Europa und weltweit

• Depressionen sind eine häufige Erkrankung, die lebensbedrohlich sein kann. Weltweit leiden Hunderte von Millionen Menschen unter Depressionen.

Elf Prozent aller EU-Bürger werden im Laufe ihres Lebens eine Diagnose von Depressionen erhalten.

• Bis zum Jahr 2030 werden Depressionen weltweit die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit sein.

• Die sozioökonomischen Kosten von Depressionen sind beträchtlich. Bei mehr als 30 Millionen Menschen, die 2010 in der Europäischen Union unter Depressionen litten, betrugen die Kosten schätzungsweise 92 Milliarden Euro.

• Von den 92 Milliarden Euro entfielen 54 Milliarden Euro auf Krankentage, Frühpensionierungen und andere Formen verlorener Arbeitsproduktivität.

• Die geistigen Symptome von Depressionen führen zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität der Patienten und beeinträchtigen ihre Leistungsfähigkeit auf der Arbeit und im Alltag ganz allgemein.

• Während einer depressiven Episode leidet ein Patient typischerweise 94 Prozent der Zeit unter Depressionssymptomen. Die wichtigsten Symptome (Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, Vergesslichkeit und Unentschlossenheit) werden oft übersehen und deshalb nicht gezielt behandelt.

Depressionen sind ein weltweites Problem. Es ist ein Mythos, wenn Leute glauben, dass diese Erkrankung nur Menschen in westlichen Gesellschaften trifft aber nicht anderswo. Depressionen und Ängste existieren heute in jeder Region und in jeder Gesellschaft auf der ganzen Welt, wie ein Team von Forschern der University of Queensland in Australien zeigen konnte.

Quelle:

Medical News Today, 1. Okt 2012

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Rubrik: Depression, Leistungsfähigkeit
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