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Was treibt gewalttätige Teenager an?

1. Januar 2010

teenager violence s sEine aktuelle Studie hat eine indirekte Form des Mobbings unter Schülern untersucht, die sich nicht so sehr durch körperliche oder verbale Aggression äußert, sondern auf die sozialen Beziehungen des Opfers abzielt. Die Autoren zeigen, dass manche Täter ein mangelndes Selbstwertgefühl haben können und den Wunsch ihr soziales Ansehen zu steigern. Ich habe einen Presseartikel vom 22.12. übersetzt, der die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammenfasst:

Eine neue Studie spanischer Wissenschaftler untersuchte Beziehungsaggressionen, ein Verhalten, das darauf abzielt, dem Freundschaftskreis eines Menschen zu schaden oder sein Ansehen bei seinen Freunden zu ruinieren. Experten meinen, dass diese Art der Aggression psychische Schäden verursacht, weil sie das Opfer an den Rand der Gruppe drängt, es isoliert und ihm seelisches Leid zufügt, von dem sich der Mensch manchmal nur schwer wieder erholt.

Die Forscher analysierten die Zusammenhänge zwischen Beziehungsaggression, sozialen Beziehungen unter Teenagern beiderlei Geschlechts sowie Faktoren, die ihre psychosoziale Anpassung beeinflussen wie Einsamkeit, Selbstwertgefühl und Zufriedenheit mit dem Leben. Die Ergebnisse zeigten, dass junge Menschen, die eine größere Beliebtheit und mehr Respekt in ihrer Gruppe anstreben, am ehesten zu dieser Form des Psychoterrors greifen.

„Das zunehmende Interesse an Studien über aggressives Verhalten von Teenagern in der Schule liegt an den ernsthaften Folgen, die es für die psychologische und emotionale Anpassung der Beteiligten haben kann, und weil es das soziale Geschehen in einer Schule stören kann”, sagte der erste Autor der Studie, David Moreno Ruiz von der Pablo de Olavide-Universität in Sevilla gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur SINC.

Die Studie, die in dem spanischen Fachjournal Psicothema veröffentlicht wurde, untersucht das Verhältnis von Beziehungsaggression, sozialer Anpassung und dem Ansehen unter Teenagern. Sie zeigt, dass junge Menschen, die einen hoch „geachteten Status” anstreben, d.h. eine soziale Identität, mit der sie zu einer Gruppe gehören und ihren Respekt genießen, häufiger zu Beziehungsaggression als einem Mittel greifen, mit dem sie dieses Ziel erreichen können.

Frühere Studien haben gezeigt, dass manche Teenager, die bei ihren Kameraden beliebt sind, Beziehungsaggression einsetzen, um ihr Ansehen in der Gruppe zu bewahren und weiter zu verbessern. „Ein wichtiger Aspekt ist bei Teenagern ein hohes Selbstwertgefühl, weil es sie davon abhält, Verhaltensweisen wie Beziehungsaggressionen gegen Schulkameraden zu entwickeln“, erklärt Ruiz.

Die Studie untersuchte 1319 Teenager an sieben Schulen in Valencia und zeigte, dass Schüler, deren sozialer Status von ihren Kameraden infrage gestellt wird, die von ihnen sozial abgelehnt werden oder keine engen Freundschaften haben, verstärkt unter einem Gefühl von Einsamkeit leiden, ein niedrigeres Selbstwertgefühl haben und mit ihrem Leben weniger zufrieden sind.

„Wir müssen verhindern, dass Teenager soziale Identitäten entwickeln, die auf der Schädigung anderer aufbauen, und dass sie dabei mit unentschuldbaren Taktiken wie mit Beziehungsaggression vorgehen. Wir müssen entsprechende psychologische Schulungsprogramme entwerfen, um solche Fälle von Gewalt zu verhindern, zu erkennen und dagegen einzuschreiten, und so das Zusammenleben in Schulen verbessern“, betonen die Forscher.

Beziehungsaggression gibt es auch bei Mädchen

Nachdem Studien über den Zusammenhang dieser Art von Aggression und dem Geschlecht zu widersprüchlichen Ergebnissen kamen, zeigte diese Untersuchung, dass Beziehungsaggression unter Jungen viel häufiger vorkommt. Eine Ausnahme ist ein solch aggressives Verhalten als Abwehrreaktion auf Provokationen, wo es bei Jungen und Mädchen gleich häufig ist.

Aber im Gegensatz zur landläufigen Meinung machen Mädchen wahrscheinlich öfter von Beziehungsaggression Gebrauch als einer Strategie, mit der sie einen besseren sozialen Status innerhalb ihres Freundeskreises erreichen oder aufrechterhalten.

Quellen:

EurekAlert!, 22.12.09

Ruiz et al. Psicothema, Nov 2009 (spanisch/englisch)

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Rubrik: Kinder & Jugendliche, Mensch & Gruppe
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