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Sind Depressionen so lebensgefährlich wie das Rauchen?

30. November 2009

Eine neue Studie hat nun den Nachweis für etwas erbracht, das Fachleute schon länger vermutet haben: Depressionen sind tatsächlich so schlecht wie Rauchen. Für Betroffene haben die Forscher aber auch eine gute Nachricht. Die erhöhte Sterblichkeit kann vermutlich gesenkt werden, wenn sich Ärzte und Patienten selbst gezielt auch um ihre körperliche Gesundheit kümmern. Ich habe die Pressemitteilung der Wissenschaftler übersetzt:

Eine Untersuchung von Forschern der Universität Bergen in Norwegen und des Institute of Psychiatry am King’s College London zeigt, dass Depression genauso ein Risikofaktor für erhöhte Sterblichkeit ist wie Rauchen.

Die Forscher werteten zum ersten mal eine Untersuchung an mehr als 60000 Menschen gemeinsam mit einer ebenso umfangreichen Datenbank zur Sterblichkeit aus und stellten fest, dass in den vier Jahren seit der Untersuchung das Sterblichkeitsrisiko bei Menschen mit Depression ähnlich stark erhöht war wie bei Rauchern.

Dr. Robert Stewart, der Leiter des Forschungsteams am King’s College, erklärt zu den möglichen Ursachen, die diesem überraschenden Ergebnis zugrunde liegen könnten: „Im Gegensatz zum Rauchen wissen wir nicht, wie ursächlich dieser Zusammenhang mit Depression ist. Aber es zeigt, dass wir diesem Zusammenhang mehr Beachtung schenken sollten, denn er blieb auch nach Berücksichtigung der Einflüsse vieler anderer Faktoren noch erhalten.”

Weiter zeigt die Studie, dass Patienten mit Depression insgesamt ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko haben, während die Sterblichkeit bei Patienten mit Depression kombiniert mit Angststörungen verringert ist im Vergleich zu solchen, die nur Depression haben. Dr. Stewart erklärt: „Eine der wichtigsten Botschaften der Studie lautet: ,ein bisschen Angst kann gut für Sie sein’.”

„Dem Anschein nach reden wir hier über zwei Risikogruppen. Menschen mit sehr stark ausgeprägten Angstsymptomen könnten von Natur aus stärker stress-gefährdet sein, zum Beispiel durch den Einfluss von Stress auf den Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Andererseits könnten Leute mit sehr niedrigen Messwerten für Angststörungen, d.h. die jegliche Symptome völlig abstreiten, auch Menschen sein, die bei körperlichen Beschwerden eher keine Hilfe suchen, oder aber sie gehen gerne Risiken ein. Das würde die höhere Sterblichkeit erklären.“

Was das Verhältnis von Sterblichkeit und Angststörungen mit Depression als einem Risikofaktor angeht, deutet die Studie auf das Hilfe suchende Verhalten hin, dass die beobachteten Unterschiede bei den Sterblichkeitsraten erklären könnte. Menschen mit Depression könnten keine Hilfe suchen oder, wenn sie es doch tun, keine erhalten, während das bei Patienten mit Angststörungen gerade umgekehrt sein könnte.

Dr. Stewart merkt an: „Für mich wäre es überhaupt keine Überraschung, wenn Ärzte körperlichen Symptomen bei Menschen mit Depression seltener nachgehen, weil sie meinen, die Erklärung dafür liegt in der Depression. Dagegen könnten sie jemanden mit Ängsten eher untersuchen, weil sie glauben, es beruhigt diese Patienten. Das sind Mutmaßungen, aber sie wären bei diesen Daten angebracht.“

Die Forscher betonen, dass die Ergebnisse im Lichte anderer Studien zu sehen sind, die einen Zusammenhang von psychischen Störungen mit einer ungünstigen Prognose bei einer Vielzahl körperlicher Erkrankungen sowie einem allgemein schlechten Gesundheitszustand gezeigt haben, wie zum Beispiel bei Patienten mit Depression und psychotischen Störungen.

Augrund dieser Ergebnisse schlägt Dr. Stewart Schwerpunkte für die künftige Entwicklung von Behandlungen für Depression und Angststörungen vor: „Der körperlichen Gesundheit von Menschen mit psychischen Störungen, ob sie akut sind oder in der Vergangenheit zurück liegen, muss viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, als das im Moment der Fall ist.“

„Das trifft auf die ärztliche Grundversorgung, die sekundäre psychiatrische Gesundheitsfürsorge und die allgemeine Krankenhauspflege insofern zu, als bei Menschen mit psychischen Störungen ein Vorliegen körperlicher Erkrankungen und Risikofaktoren aktiver überprüft werden sollte. Dazu gehören zum Beispiel die Überwachung von Blutdruck, Cholesterinspiegel, ungesunde Ernährung, Rauchen und Mangel an Bewegung. Das sollte zusätzlich zu einer aktiveren Behandlung von Erkrankungen, soweit sie vorliegen, und einer wirksameren Förderung des allgemeinen Gesundheitszustandes geschehen.“

Quellen:

King’s College London, 17. Nov 2009

Mykletun et al. British Journal of Psychiatry, Aug 2009

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Rubrik: Angst- & Panikstörung, Depression
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