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Macht Ruhestand zufriedener?

29. November 2010

Macht Ruhestand zufriedenerManche Menschen empfinden die Pensionierung als eine Labsal, andere kommen damit überhaupt nicht zurecht. Auch die Forschung hat in dieser Frage noch keinen Konsens erreicht. Eine aktuelle Studie zeigt, dass es an der Methodik der Untersuchungen liegen könnte, analysierte allerdings selbst eine ungewöhnlich privilegierte Gruppe von Arbeitnehmern. Wir haben einen Presseartikel von Medical News Today über die Studie von letzter Woche übersetzt, die eine interessante Debatte bereichert:

Die Pensionierung führt bei Menschen zu einer erheblichen Verminderung der psychischen und körperlichen Erschöpfung sowie einer Abnahme von Depressionssymptomen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die heute im British Medical Journal online veröffentlicht wurde. Aber die Untersuchung kommt auch zu dem Schluss, dass sich mit der Pensionierung das Risiko für wichtige chronische Krankheiten wie Atemwegs-, Herzerkrankungen und Diabetes nicht ändert.

Dr. Hugo Westerlund, der erste Autor der Studie von der Universität Stockholm, und seine Mitarbeiter betonen die Bedeutung ihrer Ergebnisse in einer Zeit, in der Menschen länger im Leben arbeiten und später in den Ruhestand gehen werden.

Die Pensionierung ist eine wichtige Übergangsphase im Leben eines Menschen, schreiben die Autoren. Aber verschiedene Studien, die die gesundheitlichen Auswirkungen der Pensionierung untersucht haben, sind zu widersprüchlichen Ergebnissen gekommen. Manche zeigten einen positiven Effekt und andere das Gegenteil.

Diese groß angelegte Bevölkerungsstudie hatte einen völlig anderen Ansatz als frühere Untersuchungen, denn sie beobachtete die Studienteilnehmer über einen längeren Zeitraum (fünfzehn Jahre), davon sieben Jahre vor und sieben Jahre nach dem Eintritt in den Ruhestand. Damit gründen sich die Daten auf insgesamt fast 190 000 Beobachtungsjahre.

Die Teilnehmer gehörten zu einer großen französischen Kohortenstudie und waren 11246 Männer und 2858 Frauen, die zwischen 1989 und 2007 jedes Jahr zu ihrer Gesundheit befragt wurden. Die Forscher argumentieren, „eine entscheidende Stärke dieser Studie ist, dass sie auf jährlich wiederholten Befragungen über einen sehr langen Zeitraum beruht.“

Die meisten Teilnehmer waren verheiratet (89%) und alle arbeiteten bei den französischen staatlichen Gas- und Elektrizitätswerken, überwiegend in gehobenen oder mittleren Positionen. Alle gingen regulär in den Ruhestand (nicht vorzeitig aus Gesundheitsgründen)– davon 72% im Alter von 53 bis 57 – und bis zum Alter von 64 waren alle Teilnehmer in Pension. Im letzten Jahr seiner Berufstätigkeit hatte einer von vier Teilnehmern (25 Prozent) Symptome von Depression, und 728 (7 Prozent) hatten eine oder mehrere der vier untersuchten körperlichen Krankheiten (Atemwegs-, Herzerkrankungen, Diabetes oder Schlaganfall).

Unverheiratete Teilnehmer und solche in eher niedrigen beruflichen Positionen hatten ein höheres Risiko für körperliche (aber nicht für psychische) Erschöpfung.

Die Ergebnisse zeigen, dass nach der Pensionierung die psychische und körperliche Erschöpfung erheblich nachlässt. Auch Depressionssymptome nehmen deutlich ab, jedoch weniger stark. Die Studie zeigt aber auch, dass es keinen Zusammenhang zwischen Ruhestand und chronischen Erkrankungen gibt. Wie erwartet, schreiben die Autoren, nahmen diese Erkrankung mit dem Alter langsam zu.

Die Autoren glauben, dass es mehrere Erklärungen für die Ergebnisse gibt: „Wenn die Arbeit für viele ältere Berufstätige ermüdend ist, könnte die Erschöpfung einfach deshalb nachlassen, weil die Ursache des Problems wegfällt … außerdem kann der Ruhestand Menschen mehr Zeit lassen, sich stimulierenden und erholsamen Aktivitäten wie Sport zu widmen“, schreiben sie.

Sie kommen zu dem Schluss, ihre Forschungsergebnisse „zeigen, dass Erschöpfung einer der tieferen Gründe für ein frühes Ausscheiden aus dem Arbeitsleben und eine verminderte Produktivität sein könnte, und dass eine Umgestaltung der Arbeitsbedingungen, gesundheitsfördernde Maßnahmen oder beides nötig sein könnte, um einer größeren Zahl älterer Menschen eine Arbeit bei guter Gesundheit zu ermöglichen.“

In einem begleitenden Leitartikel schreibt Alex Burdorf, Professor für Öffentliche Gesundheit in den Niederlanden, die Studie „ist einzigartig, weil sie die Gesundheit der Teilnehmer jährlich und für mehrere Jahre vor und nach der Pensionierung untersuchte.“

Burdorf glaubt, dass mehr Untersuchungen nötig sind, um die Ergebnisse zu bestätigen, da sie im Widerspruch zu anderen Studien stehen, und schreibt, „es ist noch zu früh, um definitive Aussagen über positive und negative Auswirkungen einer Pensionierung in einem bestimmten Alter zu machen.“ Der Autor ist jedoch auch der Meinung, dass weitere Anstrengungen nötig sind, um Arbeitsbedingungen zu verbessern, anzupassen und „älteren Arbeitnehmern eine gute Gesundheit zu ermöglichen.“

Quelle:

Medical News Today, 24.11.10

Westerlund et al. British Medical Journal, Nov 2010

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Rubrik: Alter, Burnout/Stress, Glücksforschung, Leistungsfähigkeit
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