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Kann Verhaltenstherapie bei Schlafstörungen von Patienten mit chronischen Schmerzen helfen?

17. Februar 2010

behaviour therapy improves sleep sBei vielen Erkrankungen können Patienten auch quälende Probleme mit dem Schlafen haben. Eine aktuelle Studie amerikanischer Forscher zeigt, dass Verhaltenstherapie bei chronischen Schmerzpatienten eine Alternative zu Schlafmitteln sein kann. Ich habe die Pressemitteilung der Universität vom 11. Februar übersetzt, die die relativ kurze aber effektive Behandlung beschreibt:

Kognitive Verhaltenstherapie gegen Schlaflosigkeit führte zu erheblich verbessertem Schlaf bei Patienten mit chronischen Nacken- und Rückenschmerzen. Außerdem verminderte sie die Beeinträchtigungen der Patienten durch ihre Schmerzen im Alltag. Das geht aus einer Untersuchung von Forschern des University of Rochester Medical Centers in den USA hervor.

Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt online in dem Fachjournal Sleep Medicine veröffentlicht und zeigen, dass eine Behandlung, die auf Verhaltensänderungen der Patienten abzielt, Menschen helfen kann, die bereits Schmerzmittel einnehmen und keine zusätzlichen Medikamente zur Behandlung der Schlafstörungen nehmen möchten oder können.

„Für die Patienten war die Therapie ein großer Erfolg”, sagt Dr. Carla R. Jungquist, die erste Autorin des Artikels vom Sleep and Neurophysiology Research Laboratory des Medical Centers. „Wir konnten sehr gute Behandlungserfolge beobachten.“

Für die Studie führte eine speziell dafür geschulte Therapiekrankenschwester eine achtwöchige kognitive Verhaltenstherapie durch. Dazu gehörten gezielte Einschränkungen beim Schlaf, Reizkontrolle, Schlafhygiene und eine ganze Therapiesitzung, in der nur die manchmal stark übertriebenen Ängste der Patienten vor den Folgen ihrer Schlaflosigkeit diskutiert wurden.

„Diese Untersuchung zeigt, dass eine speziell geschulte Krankenschwester eine solche Therapie erfolgreich und sehr effektiv durchführen kann“, sagt Jungquist. „Wenn wir Krankenschwestern für diese Therapieform schulen, könnten mehr Patienten davon profitieren. Im Moment ist dieses Therapieangebot begrenzt, weil es nur wenige entsprechend geschulte Therapeuten gibt, die meistens Psychologen sind.“

Oft suchen Patienten mit chronischen Schmerzen Schlaf als eine Fluchtmöglichkeit. Sie schlafen, wenn sie nicht müde sind, schlafen woanders als im Schlafzimmer oder sie gewöhnen sich Verhaltensweisen im Schlafzimmer an, die mit dem Schlafen nichts zu tun haben, wie zum Beispiel fernsehen und dabei den schmerzenden Rücken ausruhen, schreiben die Forscher.

Kognitive Verhaltenstherapie ist eine Alternative zu einer noch längeren Liste von Medikamenten und eine gesündere und sichere Methode zur Behandlung von Schlafstörungen, meint Jungquist.

„Wir geben den Zeiten oder Stunden im Bett eine neue Struktur”, erklärt Jungquist. „Wir konzentrieren uns auf die negativen Gedanken eines Patienten über den Schlaf und arbeiten an seinem ungesunden Schlafverhalten. Dazu gehören auch Angewohnheiten wie Koffein- oder Alkoholgenuss. Wir sagen den Leuten, sie dürfen im Bett nur schlafen oder Sex haben.“

An der Studie nahmen achtundzwanzig Patienten teil, die ein detailliertes Tagebuch über ihren Schlaf führten. Während der Studiendauer wurden ihre Schmerzen und Stimmungen nach mehreren Standardmethoden quantifiziert. Nach dem Ende der Therapie kamen die Patienten für weitere sechs Monate zu Nachsorgeuntersuchungen. Bald wollen die Forscher auch Ergebnisse über die Dauer der Therapiewirkung veröffentlichen.

Die Forscher glauben, dass kognitive Verhaltenstherapie ebenso effektiv ist wie andere bewährte Behandlungen gegen Schlaflosigkeit und chronische Schmerzen und in manchen Fällen wirksamer sein kann als andere Therapieformen.

Die Forscher haben ein eigenes, benutzerfreundliches Handbuch verfasst, in dem jeder Schritt der verschiedenen Therapiesitzungen beschrieben ist. Damit können in Zukunft mehr Therapeuten geschult werden.

Quellen:

University of Rochester Medical Center, 11.2.10

Jungquist et al. Sleep Medicine, Feb 2010

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Rubrik: Psychosomatik & Schmerzen, Schlafstörungen, Verhaltenstherapie
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