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Kann Verhaltenstherapie bei Rückenschmerzen helfen?

28. Februar 2010

Kann Verhaltenstherapie bei Rückenschmerzen helfen sChronische Rückenschmerzen können permanent die Stimmung drücken und alltägliche Dinge zur Qual machen. Eine aktuelle Untersuchung zeigt nun, dass sich solche Schmerzen durch Verhaltenstherapie ähnlich effektiv behandeln lassen wie mit anderen Methoden. Ich habe einen Presseartikel von Medical News Today vom 26. Februar übersetzt, der die Studie vorstellt:

Diese Woche erschien im Lancet ein Artikel, der kognitive Verhaltenstherapie (KVT) als eine kostengünstige Methode zur Linderung von Kreuzschmerzen beschreibt. Die Behandlung, die als Gruppentherapie angeboten wurde, verbesserte die Beschwerden für mindestens ein Jahr.

Immer mehr Menschen leiden heute unter hartnäckigen Kreuzschmerzen, die in der industrialisierten Welt eine der drei Krankheiten sind, die Menschen im Alltag am meisten einschränken. Diese Behinderungen können sehr schwerwiegend sein. Wegen ihrer Häufigkeit ist die Behandlung von Kreuzschmerzen mit erheblichen Kosten verbunden.

Die groß angelegte Studie wurde von Professor Sarah E. Lamb und ihren Mitarbeitern an der Medical School der University of Warwick in Großbritannien durchgeführt. Insgesamt nahmen an der Untersuchung 701 Patienten teil, die unter quälenden subakuten (ungewöhnlich langsam abheilenden) oder chronischen Kreuzschmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich litten und über Hausarztpraxen aus ganz England rekrutiert wurden. Die Studie untersuchte, ob Patienten von einer Gruppen-KVT profitieren würden, die sie zusätzlich zu der normalen Beratung durch den Hausarztes erhielten. Zu der hausärztlichen Beratung gehörten Empfehlungen für das Aktivbleiben im Alltag und eine richtige Anwendung von Schmerzmitteln.

Die Patienten wurden dann nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt:
• 468 Patienten hatten bis zu sechs Sitzungen Gruppen-KVT
• 233 Kontrollpatienten hatten keine Zusatzbehandlung

In beiden Gruppen nahmen jeweils 85 Prozent der Patienten bis zum Ende an der Studie teil. Die Hauptkriterien für den Therapieerfolg waren eine Verbesserung der Schmerzen und eine geringere Behinderung ein Jahr nach Beginn der Behandlung im Vergleich zu den Ausgangswerten des Patienten. Die Werte wurden mit zwei gebräuchlichen Messmethoden quantifiziert, den Fragebögen für Schmerzen und Behinderungen nach Roland Morris und nach von Korff (modifiziert).

Die Ergebnisse zeigten deutliche und statistisch signifikante Verbesserungen beider Messwerte für Behinderungen ein Jahr nach der KVT. Auf der Roland-Morris-Skala (die von null bis 24 reicht) waren die Werte nach KVT um 2,4 Punkte verbessert verglichen mit 1,1 Punkte bei der Kontrollgruppe. Der von-Korff-Wert verbesserte sich bei der KVT-Gruppe um 13,8 Prozent und bei der Kontrollgruppe um 5,4 Prozent. Außerdem war die Behandlung kostengünstig, was die Wissenschaftler als „qualitätskorrigierte Lebensjahre” quantifizierten (ein Messwert, der neben den Kosten selbst auch die Dauer der Wirkung und die Verbesserung der Lebensqualität berücksichtigt). Danach war die Therapie etwa halb so teuer wie bei alternativen Behandlungen, zum Beispiel Akupunktur.

Nach Meinung der Autoren „ist eine effektive Behandlung für Kreuzschmerzen, die anhaltende Linderung verschafft, schwer zu erreichen. Die Untersuchung zeigt, dass sich subakute und chronische Kreuzschmerzen in der medizinischen Grundversorgung durch BeST, ein eigens dafür entwickeltes KVT-Programm, wirksam managen lassen. Die kurzzeitige Wirkung (über vier Monate) ähnelt der in sorgsam durchgeführten Studien und systematischen Literaturvergleichen von anderen Ansätzen zur medizinischen Grundversorgung wie Physiotherapie, Sport, Akupunktur und Verbesserung der Körperhaltung.”

Die Teilnehmer dieser Studie kamen aus ganz Großbritannien und waren repräsentativ für die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung sowie für ländliche und städtische Wohngegenden. Daher meinen die Autoren, dass die Behandlungsmethode allgemein anwendbar sein könnte. Außerdem weisen sie darauf hin, dass 95 Prozent der Zeit der KVT-Sitzungen psychologisch orientiert war und kaum Sportübungen unter Anleitung enthielt.

Abschließend schreiben die Autoren: „Das speziell auf die Behandlung von Kreuzschmerzen zugeschnittene KVT-Programm erzielte eine auch nach einem Jahr noch anhaltende Verbesserung der Behinderung durch Kreuzschmerzen bei geringen Kosten für die Krankenkasse.“

In einem Kommentar in der gleichen Ausgabe des Lancet zeigte sich Dr. Laxmaiah Manchikanti vom Pain Management Center of Paducah in Kentucky in den USA von den Ergebnissen der Studie von Lamb und Mitarbeitern „recht beeindruckt“.

Aber Manchikanti warnt vor allzu großen Hoffnungen auf eine allgemeine Verfügbarkeit von Gruppen-KVT für Kreuzschmerzen in der hausärztlichen Routineversorgung. Eine solche Behandlung „wäre in Ländern mit einem nationalen Gesundheitswesen möglich aber nicht in einem Land wie den USA.”

Abschließend meint er: „Die Ergebnisse zeigen, dass KVT eine hervorragende Möglichkeit für eine Behandlung durch Hausärzte darstellt bevor sie ihre Patienten an einen Facharzt überweisen.“

Quellen:

Medical News Today, 26. Feb 2010

Lamb et al. The Lancet, März 2010

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Rubrik: Psychosomatik & Schmerzen, Verhaltenstherapie
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