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Ist Online-Therapie bei sozialen Ängsten wirksam?

26. März 2011

Wie hilft Online-Therapie bei DepressionenEine Online-Psychotherapie bietet eine Reihe von potenziellen praktischen Vorteilen und kann bei vielen psychischen Erkrankungen wirksam sein. Bei sozialen Angststörungen etwa könnte sie Patienten helfen, die sonst vielleicht keinen Therapeuten aufsuchen würden. Eine aktuelle Studie des Psychologen Thomas Berger von der Universität Bern in Zusammenarbeit mit dem Karolinska-Institut in Schweden hat verschiedene Formen der Online-Kommunikation zwischen Patient und Therapeut untersucht und zeigt, dass in diesem Fall alle sehr effektiv waren. Wir haben diesmal die Zusammenfassung der wissenschaftlichen Veröffentlichung übersetzt, sie aber für den Blog etwas vereinfacht:

Mehrere Forschungsgruppen haben in kontrollierten Studien unabhängig voneinander die Wirksamkeit von Selbsthilfeprogrammen für soziale Angststörungen nachgewiesen, die über das Internet angeboten werden und nur minimale Unterstützung durch einen Therapeuten per E-Mail erfordern. Aber die Rolle und Notwendigkeit der Anleitung durch einen Therapeuten ist immer noch weitgehend unklar.

Diese Studie verglich den Nutzen eines zehnwöchigen Selbsthilfeprogramms für soziale Angststörungen, das online und ohne Anleitung durch einen Therapeuten angeboten wurde, mit derselben Behandlung, die durch eine minimale, aber wöchentliche Unterstützung durch einen Therapeuten per E-Mail ergänzt wurde. Außerdem wurde noch eine dritte Behandlungsmethode untersucht, bei der die Unterstützung flexibel gehandhabt wurde und je nach Wunsch und Bedarf des Patienten von gar keiner Unterstützung, über Kontakt per E-Mail bis zu Telefonaten reichen konnte.

Einundachtzig Patienten mit einer Diagnose von sozialen Angststörungen wurden nach dem Zufallsprinzip einer der drei Behandlungsgruppen zugeteilt. Das Hauptkriterium für den Behandlungserfolg waren die Angaben des Patienten über Veränderungen der Symptome von sozialen Angststörungen. Zusätzliche Kriterien waren Depressionssymptome, zwischenmenschliche Schwierigkeiten und allgemeine Symptome des Patienten. Die Symptome wurden vor Beginn und am Ende der Behandlung sowie bei einer Nachsorgeuntersuchung sechs Monate später quantifiziert. Ferner wurde nach Ende der Behandlung ein diagnostisches Interview per Telefon durchgeführt und diese Daten bei der Auswertung mit berücksichtigt.

Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Symptome bei allen drei Behandlungsgruppen deutlich verbesserten. Die Effektstärken (Cohens d-Wert) [ein statistisches Maß für den Behandlungserfolg; je größer, desto wirksamer die Behandlung] waren 1,47 beim Hauptkriterium für soziale Angststörungen und 1,16 bei den sekundären Kriterien. Der Vergleich der Gruppen untereinander zeigte keine wesentlichen und statistisch signifikanten Unterschiede bei den vier Kriterien für die Wirksamkeit der Behandlungsmethoden (Cohens d-Werte = null bis -0,36). Auch beim Heilerfolg, klinisch relevanten Veränderungen, Abbrecherquote und Maßen für die Therapietreue wie Anzahl der Lektionen oder Übungen, die die Teilnehmer absolvierten, waren bei den drei Behandlungsmethoden keine Unterschiede erkennbar.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Therapie von sozialen Angststörungen über das Internet eine vielversprechende Behandlungsmöglichkeit ist, sowohl ohne jede Unterstützung als auch mit zwei verschiedenen Arten der Anleitung durch einen Therapeuten.

Quelle:

Berger et al. Behaviour Research and Therapy, März 2011

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Rubrik: Angst- & Panikstörung, Online-Therapie, Verhaltenstherapie
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