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Ist Aspirin auch bei Migräne wirksam?

9. Mai 2010

Ist Aspirin auch bei Migräne wirksamViele Menschen leiden unter Migräne, doch die Ursachen der Erkrankung bleiben unklar und Medikamente verschaffen zwar Linderung aber keine Heilung. Eine aktuelle Untersuchung zeigt nun, dass Aspirin bei Migräne etwa so wirksam ist wie spezielle Medikamente. Wir haben eine Pressemitteilung aus Medical News Today vom April zu der Studie übersetzt, die viele Patienten bestätigt, wenn sie ohnehin zu dem Allerweltsmittel greifen:

Aspirin hat eine deutlich lindernde Wirkung auf Kopfschmerzen bei Migräne. Bei mehr als der Hälfte der Patienten wirkt eine einzelne Dosis Aspirin (900 bis 1000mg) binnen zwei Stunden. Außerdem vermindert es die Symptome von Übelkeit, Erbrechen und die Licht- oder Geräuschempfindlichkeit (Photophobie oder Phonophobie), die bei Migräne auftreten können. Kombinationspräparate mit 900mg Aspirin und 10mg Metoclopramid (ein Antiemetikum, d.h. ein Mittel, das den Brechreiz hemmt) vermindern Übelkeit und Erbrechen besser als Placebos. Zu diesem Ergebnis kommt eine Übersichtsstudie, die Daten von dreizehn Einzelstudien an insgesamt 4222 Patienten auswertete und jetzt in dem Fachjournal Cochrane Systematic Review veröffentlicht wurde.

In westlichen Ländern leiden etwa achtzehn Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer unter Migräne. Die meisten Patienten sind zwischen dreißig und fünfzig Jahre alt. Es gibt verschiedene Arten von Migräne, die als Symptom schwere Kopfschmerzen gemeinsam haben. Typisch sind Schmerzanfälle, die ein bis zweimal pro Monat auftreten und vier bis zweiundsiebzig Stunden dauern.

Die Schmerzen sind pulsierend und treten nur auf einer Seite des Kopfes auf, häufig zusammen mit Übelkeit und manchmal auch mit Erbrechen. Wegen der großen Zahl der Patienten und der Intensität der Schmerzen hat Migräne erhebliche soziale und ökonomische Auswirkungen.

Menschen, die unter Migräne leiden, wollen, dass ihre Schmerzen schnell aufhören, völlig aufhören und für immer aufhören. Aber bei vielen Patienten folgt der nächste Schmerzanfall schon vierundzwanzig Stunden später. Obwohl die Beschwerden häufig sind und die Betroffenen stark belasten, kaufen viele Patienten ihre Medikamente nur rezeptfrei direkt von der Apotheke, oder sie nehmen rezeptfreie Medikamente zusätzlich zu denen, die der Arzt verschrieben hat. Aber bis jetzt lagen keine guten Übersichtsstudien zum Nutzen rezeptfreier Schmerzmittel bei Migräne vor. In ihrer diese Woche veröffentlichten Übersichtsstudie verglichen die Cochrane-Forscher, wie häufig die Medikamente bei Patienten wirkten, die nur Aspirin oder Aspirin plus ein Antiemetikum nahmen, mit Patienten, die ein Placebo oder ein anderes wirksames Schmerzmittel nahmen.

Die Ergebnisse zeigten, dass mit Aspirin bei einem Viertel der Migränepatienten mittlere bis schwere Kopfschmerzen völlig verschwinden können (zwei Stunden nach Einnahme von 900 bis 1000mg Aspirin verglichen mit Placebo). Bei weiteren zweiundfünfzig Prozent der Patienten reduzierte Aspirin die Schmerzintensität von mittel bis schwer auf höchstens leicht. Aspirin allein verminderte auch manche Symptome von Übelkeit, Erbrechen, Photophobie und Phonophobie. Aspirin plus Metoclopramid reduzierte Übelkeit und Erbrechen besonders wirksam, linderte aber die Schmerzen nicht besser als Aspirin allein.

Weiter zeigten die Ergebnisse, dass die Kombination von Aspirin und Metoclopramid ähnlich wirksam war wie 50mg des Kopfschmerzmittels Sumatriptan (ein Serotoninagonist). Dagegen war eine höhere Dosis Sumatriptan (100mg) zwei Stunden nach Einnahme etwas wirksamer als Aspirin.

Bei kurzzeitigem Gebrauch hatten die untersuchten Medikamente überwiegend nur Nebenwirkungen, die leicht und vorübergehend waren. Aspirin hatte kaum mehr Nebenwirkungen als Placebos. Bei Sumatriptan (100mg) traten Nebenwirkungen häufiger auf als bei Aspirin plus Metoclopramid.

„Bei akuten Migräneanfällen ist Aspirin plus Metoclopramid eine recht gute Behandlung, aber für viele Patienten wird sie nicht effektiv genug sein”, sagt der Leiter der Studie Andrew Moore, der in der Abteilung Schmerzforschung des John Radcliffe Hospitals in Oxford in Großbritannien arbeitet.

„Im Moment arbeiten wir an Übersichtsstudien über weitere rezeptfreie Medikamente für Migräne, damit Verbraucher die bestmöglichen Informationen zu Behandlungen haben, für die sie kein Rezept brauchen.“

Quellen:

Medical News Today, 14. April 2010

Kirthi et al. The Cochrane Library, April 2010

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Rubrik: Psychosomatik & Schmerzen
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