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Existiert zwischen Migräne und Depressionen ein genetischer Zusammenhang?

15. Januar 2010

Wenn Menschen unter Migräne leiden, versteht Jeder, dass viele von ihnen Depressionen bekommen. Auch umgekehrt könnte es sein. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass manche Gene an Migräne und Depression gemeinsam beteiligt sind, was aber nicht unbedingt heißt, dass eine Krankheit die andere hervorruft. Ich habe eine Pressemitteilung des Fachjournals vom 13. Januar übersetzt, die das etwas schwierige Thema gut darstellt:

Eine neue Forschungsuntersuchung zeigt, dass Migräne und Depression eine starke genetische Komponente gemeinsam haben. Die Ergebnisse wurden jetzt online in Neurology veröffentlicht, einem medizinischen Fachjournal der American Academy of Neurology.

„Die Erforschung der genetischen Faktoren, die zu diesen behindernden Erkrankungen beitragen, könnte eines Tages zu besseren Strategien für das Behandlungsmanagement dieser Krankheiten führen, wenn sie gemeinsam auftreten“, sagt Dr. Andrew Ahn von der University of Florida in Gainesville. Ahn schrieb den Leitartikel zu der Veröffentlichung und ist Mitglied in der American Academy of Neurology. „Bis dahin sollten Menschen mit Migräne oder Depressionen ihren Arzt darauf hinweisen, wenn in ihrer Familie eine der Erkrankungen vorkommt, damit wir den Zusammenhang zwischen Beiden besser verstehen lernen.“

Die Studie untersuchte 2652 Menschen, die an der größeren Erasmus Rucphen-Familienstudie teilnehmen. Alle Teilnehmer stammen von 22 Elternpaaren ab, die von etwa 1850 bis 1900 in Rucphen, einer Gemeinde in den Niederlanden, lebten.

„Untersuchungen der Familiengeschichte haben gezeigt, dass sie alle zu einer großen, ausgedehnten Familie gehören, was diese Art einer genetischen Studie möglich macht“, sagt die Autorin und Leiterin der Studie Dr. Gisela M. Terwindt vom Leiden University Medical Center in den Niederlanden.

Von den Studienteilnehmern litten 360 unter Migräne. Davon hatten 151 Migräne mit Aura, bei der vor den Kopfschmerzen visuelle Wahrnehmungen wie Lichtblitze auftreten, und 209 hatten Migräne ohne Aura. Unter Depressionen litten 977 Menschen. Von den Migränekranken hatten 25 Prozent außerdem auch Depressionen. Dagegen hatten nur dreizehn Prozent der Teilnehmer ohne Migräne Depressionen.

Anhand von diesen Zahlen konnten die Forscher abschätzten, wie stark genetische Faktoren zu beiden Erkrankungen beitragen. Sie stellten fest, dass die Erblichkeit für beide Arten von Migräne etwa 56 Prozent war, d.h. 56 Prozent der Migränefälle konnten durch einen Einfluss von Genen erklärt werden. Bei Migräne mit Aura lag der Schätzwert sogar bei 96 Prozent. „Diese Ergebnisse zeigen, dass die Untersuchung von Migräne mit Aura ein vielversprechender Ansatz für eine Suche nach Migräne-Genen sein könnte“, sagt Terwindt.

Die Werte für die Erblichkeit von Depressionen mit Migräne im Vergleich zu denen ohne Migräne zeigten, dass beide Erkrankungen eine gemeinsame genetische Komponente haben, insbesondere bei Migräne mit Aura. „Das zeigt, dass diesen beiden Erkrankungen zumindest zum Teil gemeinsame genetische Faktoren zugrunde liegen könnten, jedoch nicht, dass eine Erkrankung durch die andere verursacht wird“, sagt Terwindt.

Quellen:

American Academy of Neurology, 13.1.10

Stam et al. Neurology, Jan 2010

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Rubrik: Depression, Psychosomatik & Schmerzen
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