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Besteht ein biologischer Zusammenhang zwischen Stress, Ängsten und Depressionen?

24. April 2010

Besteht ein biologischer Zusammenhang zwischen Stress, Ängsten und DepressionenStress, Ängste und Depression stehen in einem komplexen Zusammenhang, was eine gezielte Behandlung von Patienten erschwert. Eine aktuelle Studie hat nun zwei Proteine im Gehirn identifiziert, die eine Schlüsselfunktion bei den molekularen Mechanismen zu haben scheinen. Wir haben eine Presseerklärung der Universität von vor zwei Wochen übersetzt, die die Ergebnisse der Studie und ihr therapeutisches Potential beschreibt:

Wissenschaftler an der University of Western Ontario in Kanada haben den biologischen Zusammenhang zwischen Stress, Ängsten und Depression entdeckt. Indem sie den Verbindungsmechanismus im Gehirn identifiziert, zeigt diese wegweisende Studie, die unter Leitung von Stephen Ferguson vom Robarts Research Institute der Universität durchgeführt wurde, wie genau Stress und Ängste zu Depressionen führen könnten. Weiter beschreibt die Studie einen Inhibitor, den Fergusons Team entwickelt hat. Das kleine Molekül könnte neue und bessere Methoden zur Behandlung von Ängsten, Depression und verwandten Störungen ermöglichen. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt online in Nature Neuroscience veröffentlicht.

Ferguson, Ana Magalhaes und ihre Mitarbeiter führten eine Reihe von molekularen Laborexperimenten sowie Verhaltensstudien durch, mit denen sie den Verbindungsmechanismus identifizierten und die Wirkung des neuen Inhibitors bei Mäusen nachwiesen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es eine völlig neue Generation von Medikamenten und Wirkstoffzielen geben könnte, die sich für eine gezielte und deshalb effektivere Behandlung von Depressionen eignen“, sagt Ferguson. Der Molekularbiologe ist Leiter des Labors für Molekulare Gehirnforschung am Robarts Institute und Professor in der Abteilung Physiologie und Pharmakologie an der Schulich School of Medicine & Dentistry der University of Western Ontario. „Wir haben den Verbindungsmechanismus von der molekularen Ebene bis zu Studien an Mäusen charakterisiert. Nun versuchen wir, den Inhibitor zu einem pharmazeutischen Wirkstoff zu entwickeln.“

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit Hymie Anisman an der Carleton University in Kanada durchgeführt und von den Canadian Institutes of Health Research (CIHR) finanziert. „Nach Angaben der World Health Organization sind Depressionen, Ängste und verwandte Stimmungsstörungen inzwischen die häufigsten Ursachen für chronische Erkrankungen“, sagt Anthony Phillips, der wissenschaftliche Direktor des CIHR Institute of Neurosciences, Mental Health and Addiction. „Die molekularbiologischen Untersuchungen von Stephen Ferguson und seinen Mitarbeitern haben zu neuen Erkenntnissen geführt, die für all die Menschen mit diesen psychischen Erkrankungen der Schlüssel zu einem besseren Leben sein könnten.“

Eine entscheidende Rolle in dem Verbindungsmechanismus, den die Forscher untersuchten, spielt die Interaktion zwischen zwei Proteinen, dem Corticotropin Releasing Factor-Rezeptor 1 (CRFR1) und bestimmten Formen des Serotonin-Rezeptors (5-HTRs). Wie genau diese beiden Rezeptoren auf molekularer Ebene zusammenwirken, ist noch nicht klar. Doch zeigt die Studie, dass CRFR1 die Zahl der 5-HTR-Moleküle auf der Oberfläche von Gehirnzellen erhöht, was zur Bildung unnormaler Signale im Gehirn führen kann.

Bei Stress kann eine Aktivierung von CRFR1 zu Ängsten und die von 5-HTR-Molekülen zu Depression führen. Daher zeigen die Ergebnisse, wie die Mechanismen, die zu Stress, Ängsten und Depression führen, durch bestimmte molekulare Vorgänge im Gehirn miteinander verknüpft sind. Vor allem aber blockiert der Inhibitor, den Fergusons Labor entwickelt hat, bei diesem Mechanismus 5-HTRs, sodass er Angstverhalten bei Mäusen entgegenwirkt, und möglicherweise auch Depressionen.

Bei Patienten treten klinische Depressionen und Angststörungen oft gemeinsam auf, und beide Erkrankungen können durch belastende Ereignisse im Leben ausgelöst werden. Außerdem können solche Ereignisse die Symptome von Angststörungen und Depressionen verschlimmern. Ferguson und seine Mitarbeiter haben einen Mechanismus identifiziert und blockieren können, der für den Zusammenhang von Stress, Ängsten und Depression verantwortlich ist. Dadurch hat die Studie nicht nur den ersten molekularen Beweis für diesen Zusammenhang erbracht. Sie hat auch einen Grundstein zur Entwicklung von Medikamenten gelegt, die zu effektiveren Behandlungsmethoden führen könnten.

Quellen:

Western News, 11. April 2010

Magalhaes et al. Nature Neuroscience, April 2010

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Rubrik: Angst- & Panikstörung, Burnout/Stress, Depression, Hirnforschung
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