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Begünstigt Cannabis-Konsum das Entstehen von Psychosen?

30. März 2011

Rauchen Menschen mit Depressionen mehr als andereViele junge Menschen experimentieren irgendwann mit Drogen. Eine aktuelle Studie australischer Forscher hat die Wirkung von Cannabis (Haschisch, Marihuana) auf Psychose-Erkrankungen untersucht und zeigt, dass die Droge bei manchen jungen Menschen das Entstehen von Psychosen auslösen kann. Wir haben die Presseerklärung der Universität zu der Studie vom Februar übersetzt, die davor warnt, den Konsum von Cannabis zu verharmlosen:

Eine neue Studie hat zum ersten Mal schlüssig nachgewiesen, dass Cannabis-Konsum den Beginn einer Psychose-Erkrankung in einem Alter beschleunigt, das für die Entwicklung des Gehirns entscheidend ist – mit möglichen Folgen für das ganze spätere Leben.

Diese erste Metaanalyse (eine statistische Neuauswertung) der Daten von mehr als 20 000 Patienten zeigt einen Zusammenhang zwischen dem Rauchen von Cannabis und Psychosen, die bei Konsumenten der Droge bis zu 2,7 Jahre früher auftreten.

Die Analyse eines internationalen Forscherteams, darunter Dr. Matthew Large von der School of Psychiatry der University of New South Wales (UNSW) und dem Prince of Wales Hospital in Sydney, erscheint heute in dem angesehenen Fachjournal Archives of General Psychiatry.

In Zusammenarbeit mit Forschern des St Vincent’s Hospital und der School of Medicine and Health Sciences an der George Washington University untersuchte die Studie, wie groß der Einfluss ist, den der Konsum von Cannabis, Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen auf das Alter hat, in dem ein Patient zum ersten Mal an einer Psychose wie Schizophrenie erkrankt.

Cannabis ist die illegale Droge, die in Australien am häufigsten konsumiert wird. Nach der National Drug Household Survey (einer landesweiten Umfrage) von 2007 haben 33,5 Prozent der Bevölkerung schon einmal Cannabis genommen. In der Secondary School Survey von 2004 gaben etwa 18 Prozent aller Oberschüler im Alter von 12 bis 17 Jahren an, die Droge irgendwann schon einmal genommen zu haben (National Cannabis Prevention and Information Centre der UNSW).

Nach Meinung von Dr. Large sind die Studienergebnisse, die auf Forschungsdaten aus mehreren Jahrzehnten beruhen, ein wichtiger Durchbruch für unser Verständnis der Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Cannabis und Psychose-Erkrankungen.

Mehrere Studien hatten schon vorher einen Zusammenhang zwischen Psychosen und dem Konsum von Cannabis, Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen gezeigt. Aber diese Studie wollte gezielt untersuchen, wie viele Psychosen allein durch den Konsum von Cannabis verursacht werden, sagt er.

Die Ergebnisse dieser Studie sprechen für die Auffassung, dass Cannabis-Konsum frühzeitig Schizophrenie und andere Psychose-Erkrankungen auslöst, möglicherweise durch eine Interaktion von Erkrankungen, die durch genetische und Umweltfaktoren bedingt sind, oder durch eine Störung der normalen Entwicklung des Gehirns, merkt das Team an.

„Die Studie wertete die Ergebnisse von 83 früheren Untersuchungen an 20 000 Patienten mit Schizophrenie oder anderen Psychosen neu aus. Für die Studie benutzten wir das Verfahren der Metaanalyse – eine moderne statistische Methode – und konnten zeigen, dass der frühere Beginn von schweren psychischen Erkrankungen bei Drogenbenutzern durch den Cannabis-Konsum selbst verursacht wird und sich nicht durch andere Faktoren wie Alkoholkonsum erklären lässt“, sagt Dr. Large.

„Die Ergebnisse dieser Studie sind schlüssig und bringen Klarheit in die bislang widersprüchlichen Daten über einen Zusammenhang zwischen Cannabis-Konsum und dem früheren Beginn von Psychose-Erkrankungen. Unsere Daten sprechen für die Theorie, dass der Konsum von Cannabis bei manchen Patienten eine der Ursachen für die Entwicklung der Psychose ist.“

Dr. Large sagt, dass Drogenkonsum bei Menschen, die in psychiatrischer Behandlung sind, weit verbreitet ist, und dass Patienten mit Schizophrenie häufiger Drogen nehmen als der Durchschnitt der Bevölkerung.

„Die Ergebnisse dieser Studie sind ein überzeugender Beweis, dass man Psychose-Erkrankungen in manchen Fällen hinauszögern oder sogar verhindern könnte, wenn man den Konsum von Cannabis stoppen oder einschränken würde.“

„Die Studie lässt die Frage offen, ob diese Drogenkonsumenten ein paar Jahre später auch so eine Psychose entwickelt hätten.“

„Aber auch wenn der Beginn einer Psychose-Erkrankung unvermeidlich wäre, könnten viele Patienten, wenn sie zwei oder drei Jahre länger ohne eine Psychose leben, wichtige Schritte in ihrer Entwicklung als ältere Teenager oder junge Erwachsene machen, die langfristig die Behinderung durch eine Psychose vermindern könnten“, sagt Dr. Large.

„Die Ergebnisse dieser Studie zeigen einmal mehr, dass es weiterhin nötig ist, die Öffentlichkeit vor den möglichen Gesundheitsschäden durch Cannabis zu warnen.“

Quellen:

University of New South Wales, 8. Feb 2011

Large et al. Archives of General Psychiatry, Feb 2011

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Rubrik: Kinder & Jugendliche, Sucht/Substanzmissbrauch
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