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Erhöht Rauchen das Depressionsrisiko bei Teenagern?

12. Oktober 2010

Patienten mit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen rauchen überdurchschnittlich viel. Das wird manchmal damit erklärt, dass Nikotin die Bildung von Glückshormonen fördert und für die Patienten eine Art der Selbstbehandlung darstellt. Nun wirft eine neue Studie Zweifel auf diese scheinbar plausible Hypothese. Wir haben einen Presseartikel von Medical News Today zu der Studie von Ende August übersetzt, die zeigt, dass Rauchen die Entwicklung von Depressionen sogar begünstigen könnte:

Eine aktuelle Studie kanadischer Wissenschaftler an Teenagern zeigt, dass Rauchen Symptome von Depression verstärken kann. Die Untersuchung war Teil einer größeren Langzeitstudie über Nikotinabhängigkeit bei Teenagern (NDIT) von Forschern des University of Montreal Hospital Research Centres, der University of Toronto und der University of Montreal.

Michael Chaiton, der erste Autor der Studie, sagt:

„Diese Beobachtungsstudie ist eine der wenigen, die den vermeintlichen emotionalen Nutzen des Rauchens bei Jugendlichen untersucht hat. Obwohl es den Anschein haben kann, dass Zigaretten als eine Form der Selbstmedikation wirken oder die Stimmung verbessern, zeigen unsere Daten, dass Teens, die anfingen zu rauchen, auf die Dauer stärkere Depressionssymptome hatten.”

Chaiton ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ontario Tobacco Research Unit der University of Toronto.

Insgesamt 662 Schüler nahmen an der Studie teil. Sie wurden ab dem Alter von zwölf Jahren bis zu fünf Jahre lang alle drei Monate zu ihrem Nikotinkonsum und seinem Einfluss auf ihre Stimmung befragt. Die Teilnehmer repräsentierten ein weites soziales und ökonomisches Spektrum: sie waren französisch- und englischsprachig, aus Schulen in städtischen und ländlichen Gegenden sowie aus Schulen in sozioökonomisch gehobenen, mittleren und ärmlichen Wohngegenden.

Die Forscher verglichen drei Gruppen von Schülern. Eine Gruppe waren Nichtraucher. Eine zweite Gruppe rauchte als eine Form der Selbstmedikation, das heißt sie rauchten, um ihre Stimmung zu heben oder sich körperlich besser zu fühlen. Eine dritte Gruppe waren Raucher, die Zigaretten nicht als Selbstmedikation verwendeten, sondern aus anderen Gründen rauchten. Die Raucher wurden gefragt, wie sie sich durch das Rauchen fühlten. Alle Teilnehmer wurden nach Depressionssymptomen befragt: Waren sie zu müde, um etwas zu unternehmen? Schliefen sie schlecht? Waren sie unglücklich, traurig oder niedergeschlagen? Hatten sie keine Hoffnung für die Zukunft? Waren sie nervös oder angespannt?

Jennifer O’Loughlin, ein Professorin an der Abteilung Soziale und Präventivmedizin der University of Montreal und Wissenschaftlerin am University of Montreal Hospital Research Centre kommt zu dem Schluss:

Raucher, die Zigaretten benutzten, um ihre Stimmung aufzuhellen, hatten ein höheres Risiko für starke Depressionssymptome als Teens, die nie geraucht hatten. Unsere Studie zeigte, dass jugendliche Raucher, die sich durch das Rauchen besser fühlen, ein höheres Risiko haben, Depressionssymptome zu entwickeln.”

Dr. Chaiton sagt ergänzend:

„Es ist wichtig zu betonen, dass die Depressionssymptome bei Teenagern, die sich durch das Rauchen besser fühlten, stärker waren, nachdem sie angefangen hatten zu rauchen.”

Quellen:

Medical News Today, 30.8.10

Chaiton et al. Addictive Behaviors, 2010

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Rubrik: Depression, Kinder & Jugendliche, Sucht/Substanzmissbrauch
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