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Wie viele Frauen haben nach der Entbindung Depressionen?

26. Mai 2013

Sind Mütter eher vor Suizid geschützt sDie Zeit nach der Geburt ihres Kindes sollte für eine Frau eine der schönsten in ihrem Leben sein. Aber manche junge Mütter verfallen gerade dann in Depressionen. Heute weiß man, dass nicht nur „die Hormone“, sondern noch eine Vielzahl anderer Faktoren daran beteiligt sind. Eine neue Studie amerikanischer Forscher hat untersucht, wie häufig diese Form der Depression ist. Wir haben einen Pressebericht über die Studie vom März übersetzt, die zeigt, dass diese Depressionen häufiger vorkommen als bisher angenommen:

Die größte Untersuchung ihrer Art über postpartale Depressionen bei Müttern zeigt, dass überraschend viele Frauen (jede siebte) nach der Geburt eines Kindes unter Depressionen leiden. Die Studie wurde jetzt in dem Fachjournal JAMA Psychiatry veröffentlicht.

Weiter zeigten die Ergebnisse, dass fast zweiundzwanzig Prozent der Mütter, die nach der Geburt ein Jahr lang beobachtet wurden, Depressionen hatten. Die Autoren empfehlen, dass alle werdenden und frisch entbundenen Mütter auf Depressionen untersucht werden sollten.

Diese Studie ist die größte Untersuchung über Depressionen bei frisch entbundenen Müttern. Außerdem ist sie die erste Studie, in der eine vollständige psychiatrische Auswertung frisch entbundener Frauen durchgeführt wurde, bei denen Depressionen festgestellt worden waren.

Dr. Katherine L. Wisner, die erste Autorin der Studie von der School of Medicine der Northwestern University in Chicago, erläutert:

„In den USA wird die große Mehrheit der Frauen, die nach der Entbindung Depressionen haben, nicht identifiziert oder behandelt, obwohl ihr Risiko für psychische Erkrankungen erhöht ist. Das stellt das Gesundheitswesen vor ein riesiges Problem. Die psychische Gesundheit einer Frau hat weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung ihres ungeborenen Babys und später auf die körperliche und emotionale Entwicklung ihres Kindes.“

Die Forscher untersuchten 10 000 Mütter und stellten bei 1 396 Frauen (14 Prozent) eine Diagnose von Depressionen. Von diesen Frauen wurden 826 (59,2 Prozent) zu Hause besucht und weitere 147 (10,5 Prozent) wurden telefonisch interviewt.

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Auswertung waren:

• Von den Frauen mit einer Diagnose von Depressionen hatten 19,3 Prozent darüber nachgedacht sich etwas anzutun.

• Mehrere Frauen mit einer Diagnose von klinischen Depressionen nach der Geburt hatten schon früher im Leben Depressionen gehabt und litten auch unter Angststörungen. Die Ergebnisse zeigten, dass 30 Prozent der Frauen schon vor der Schwangerschaft Depressionen hatten, 40 Prozent nach der Geburt und 30 Prozent während der Schwangerschaft. Von diesen Frauen litten zwei Drittel auch unter Angststörungen.

• Oft wird eine korrekte Diagnose von bipolarer Störung (für die Symptome einer depressiven und einer manischen Phase vorliegen müssen) erst mit einer Verzögerung gestellt. In der Zeit nach einer Geburt ist bei diesen Frauen das Risiko für neue manische Episoden am größten.

Frühere Studien haben gezeigt, dass Frauen, die im Jahr vor der Studie schwanger waren, sich nicht so bereitwillig für Depressionen behandeln ließen wie Frauen, die keine Schwangerschaft hatten.

Wisner sagt: „Depressionen während einer Schwangerschaft erhöhen das Risiko für eine Frau und ihr ungeborenes Baby. Depressionen sind eine Erkrankung, bei der die Physiologie des ganzen Körpers nicht mehr richtig gesteuert wird.“

Es besteht ein Zusammenhang zwischen Stress und Depressionen der Mutter während der Schwangerschaft und niedrigem Geburtsgewicht und Frühgeburten, was auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöht. Wenn eine junge Mutter Depressionen hat, kann ihre Stimmung negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben, das Risiko für eine unsichere Bindung erhöhen und die geistige Entwicklung des Kindes beeinträchtigen.

Die Autoren betonen, wie wichtig Untersuchungen vor und nach der Geburt sind. Aber das Gesundheitswesen muss kostengünstige Behandlungen entwickeln, die überall verfügbar sind.

Abschließend schreiben die Autoren:

„Zentralisierte Reihenuntersuchungen auf Depressionen kann man in der ersten Zeit nach der Geburt per Telefon durchführen, wie wir es in dieser Studie gemacht haben. Aber es ist schwierig ein therapeutisches Programm zu entwickeln, das Frauen von der diagnostischen Auswertung über die Behandlung bis hin zur vollständigen Genesung als Mütter unterstützt und begleitet.”

Eine frühere Studie, die gerade erst vor einer Woche abgeschlossen wurde, hat gezeigt, dass der Spiegel eines bestimmten Stresshormons bei Frauen niedriger war, wenn sie während der Schwangerschaft von ihren Familien starke soziale Unterstützung erhielten, sodass ihr Risiko postpartale Depressionen zu entwickeln geringer war.

Quellen:

Medical News Today, 15. März 2013

Wisner et al. JAMA Psychiatry, März 2013

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Rubrik: Angst- & Panikstörung, Depression
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