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Telefonische Gesprächstherapie für chronische Schmerzen: Geht das?

11. Dezember 2011

Ist Aspirin auch bei Migräne wirksamWenn bei chronischen Schmerzen die Ursachen nicht bekannt sind, eignen sich Medikamente nur bedingt als Langzeitbehandlung, vor allem wegen ihrer Nebenwirkungen. Verhaltenstherapie kann vielen Schmerzpatienten das Leben mit der Krankheit erleichtern, ist aber relativ teuer. Eine neue Studie hat eine telefonische Gesprächstherapie als Alternative untersucht. Wir haben die Presseerklärung der Universität zu der Studie vom November übersetzt, die zeigt, dass diese Therapieform effektiv und praktikabel ist:

Eine neue Studie aus England untersuchte die Wirksamkeit einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) bei Patienten mit chronischen Schmerzen, die von geschulten Therapeuten ausschließlich übers Telefon durchgeführt wurde. Nach sechs Monaten der Behandlung fühlten sich viele Schmerzpatienten deutlich besser.

Die Studie von Wissenschaftlern der University of Aberdeen und der University of Manchester wurde von Arthritis Research UK finanziert. Dies ist die erste Untersuchung über eine telefonische Verhaltenstherapie für Patienten mit chronischen, nicht-lokalisierten Schmerzen.

KVT ist eine psychologische Behandlungsmethode, die Menschen hilft mit ihren Schmerzen umzugehen, indem sie Gedanken und Verhaltensweisen bewusst macht und neu bewertet.

Die Studie zeigte weiter, dass auch Sport die Schmerzen verbesserte, Patienten das Leben im Alltag erleichterte und ihnen half mit ihren Beschwerden umzugehen.

Aber die Studie, die diese Woche in den Archives of Internal Medicine erscheint, zeigte keinen zusätzlichen Nutzen, wenn die Patienten beide Arten der Behandlung erhielten anstatt nur einer.

Chronische, nicht-lokalisierte Schmerzen sind das Hauptmerkmal der Fibromyalgie. Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung leiden unter solchen Schmerzen, die äußerst schwer zu behandeln sind. Die wichtigsten Symptome dieser Krankheit sind eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit am ganzen Körper, Erschöpfung und Schlafstörungen. Die Krankheit ist einer der häufigsten Gründe für Überweisungen an einen Rheumatologen. Viele Kranke sind gezwungen ihre Arbeit aufzugeben, weil sie ständig unter Schmerzen leiden und mehr und mehr isoliert und entmutigt werden. Obwohl KVT als Behandlung sehr effektiv sein kann, ist das Angebot teuer und setzt normalerweise voraus, dass sich Patient und Therapeut über einen längeren Zeitraum regelmäßig treffen.

An der Studie nahmen 442 Patienten mit chronischen nicht-lokalisierten Schmerzen teil. Die Patienten im Alter von 25 bis 60 Jahren wurden aus Hausarztpraxen in Cheshire and Aberdeen rekrutiert. Ziel der Untersuchung war die Entwicklung effektiverer Methoden, die diese Art von chronischen Schmerzen lindern und/oder Patienten helfen besser mit ihnen zurechtzukommen.

Prof. Gary Macfarlane, Professor für Epidemiologie an der University of Aberdeen, und Dr. John McBeth, Privatdozent für Epidemiologie rheumatischer Erkrankungen von der Arthritis Research UK Epidemiology Unit an der University of Manchester leiteten die Studie.

Prof. Macfarlane erläutert: „Das Management von chronischen nicht-lokalisierten Schmerzen und Fibromyalgie war bis jetzt schwierig. Es gibt keine Medikamente, die spezifisch für das Management dieser Beschwerden zugelassen sind, und Hausärzte meinen, dass sie nur über wenige effektive Behandlungsmöglichkeiten verfügen. Wir haben zwei dieser Optionen untersucht – ein langsam gesteigertes Sportprogramm und KVT – und haben gezeigt, dass beide effektiv sind. Insbesondere haben wir versucht, KVT über das Telefon anzubieten, um die Flexibilität des Angebots sowohl für Patienten als auch für Therapeuten zu erhöhen. Die Ergebnisse zeigen, dass man so bei vielen Patienten die Symptome verbessern kann.“

Dr. McBeth sagt: „Wir müssen dringend Behandlungsmethoden entwickeln, die in der Primärversorgung klinisch effektiv und akzeptabel sind, und die man einer großen Anzahl von Patienten anbieten könnte.“

„Die Behandlung chronischer, nicht-lokalisierter Schmerzen ist schwierig und wird in Großbritannien von Fall zu Fall unterschiedlich gehandhabt. Keine Medikamente sind zur Behandlung von Fibromyalgie zugelassen. KVT und Sportprogramme stehen, wenn überhaupt, nur begrenzt zur Verfügung. Die Nachfrage nach KVT ist größer als das Angebot. Aber unsere Studie zeigt, dass man eine KVT über das Telefon anbieten kann, die effektiv und akzeptabel ist.“

Professor Alan Silman, Medizinischer Direktor der Stiftung Arthritis Research UK, die die Untersuchung finanzierte, sagt: „Anhaltende starke Schmerzen im ganzen Körper sind eine häufige Erkrankung, die für Patienten und Ärzte gleichermaßen entmutigend ist und sich nicht gut durch Schmerzmittel kontrollieren lässt. Diese Patientenstudie hat gezeigt, wie eine Verhaltenstherapie, die praktikabel und finanzierbar ist, Menschen helfen kann mit den Schmerzen zurechtzukommen. Vor allem das National Institute for Health and Cinical Excellence (NICE) und die Anbieter von Serviceleistungen im Gesundheitswesen werden ein großes Interesse daran haben auf dem Erfolg dieser Studie aufzubauen.“

Für die Studie wurden Patienten in vier Gruppen aufgeteilt: eine machte Sport, eine zweite machte eine KVT, eine dritte machte beides und eine vierte Gruppe wurde von ihren Hausärzten „wie üblich behandelt“.

Die Teilnehmer der Sportgruppe hatten pro Monat sechs Termine mit einem Fitnesstrainer und sollten täglich 20 bis 60 Minuten Sportübungen machen, die im Laufe der sechs Monate intensiver wurden.

Zu Beginn der Studie, an ihrem Ende (nach sechs Monaten) und drei Monate später beantworteten die Patienten allgemeine Fragebögen zu ihrer Gesundheit per Post. Die Antworten wurden auf einer Skala (mit sieben Stufen von „sehr viel schlechter“ bis „sehr viel besser“) ausgewertet. Ein positives Behandlungsergebnis war definiert als insgesamt „viel besser“ oder „sehr viel besser“.

Sowohl telefonische KVT als auch Sport führten zu einer wesentlichen, statistisch signifikanten und klinisch bedeutsamen Verbesserung der allgemeinen Gesundheit der Patienten.

Außerdem stellten die Forscher fest, dass Patienten, die eine Präferenz für die eine oder andere Behandlung hatten, mehr profitierten, wenn sie ihre bevorzugte Behandlung erhielten.

Quellen:

University of Manchester, 15. Nov 2011

McBeth et al. Archives of Internal Medicine, Nov 2011

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Rubrik: Online-Therapie, Psychosomatik & Schmerzen, Verhaltenstherapie
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