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Vergessen vor lauter Stress, geht das?

28. September 2017

Filme wie die beiden Oskar-nominierten „Memento“ (2000) oder „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“ (2014) können einem auf eindrückliche Weise vermitteln, wie die Funktionalität des eigenen Gedächtnisses mit einem Erleben von Identität zusammenhängt. Im ersten kämpft ein Mann, der aufgrund eines traumatischen Erlebnisses sowohl unter anterograder als auch unter retrograder Amnesie leidet, um die Rückgewinnung seiner Erinnerungen und damit seiner Identität und Ganzheit. Er ist nach dem traumatischen Erlebnis unfähig, Ereignisse, die er im Jetzt erlebt, länger als wenige Minuten zu speichern, und kann sich gleichzeitig an Ereignisse vor dem Trauma nicht erinnern. Somit wird er also Totalgefangener des aktuellen Moments. In dem anderen Film geht es um eine Universitätsdozentin, die am eigenen Leib erleben muss, wie sie langsam ihr Selbst und damit ihr Leben an die Krankheit Alzheimer verliert. Der folgende Artikel will darauf aufmerksam machen, dass Personen aus den verschiedensten Gründen, auch nicht somatischen, Einschränkungen ihres Gedächtnisses erleben können und notwendigerweise durch den hohen Leidensdruck Hilfestellungen brauchen:

Stress, Erschöpfung und das Gefühl, dass man sich nicht mehr auf sein Gedächtnis verlassen kann. Diese Symptome begleiten eine wachsenden Patientengruppe an der Universitätsklinik in Göteborg (Schweden) auf der Gedächtnisstation am Institut für Neurowissenschaft und Physiologie. Sie brauchen wohl Hilfe, aber selten nur sind das die ersten Anzeichen einer beginnenden Demenz.

Die Behandelnden dort erleben eine wachsende Anzahl von Personen, die sich wegen kognitiver Probleme hilfesuchend an sie wenden, die aber trotz gründlicher Untersuchung keine objektiv erkennbaren Anzeichen einer Erkrankung zeigen. Der Zustrom dieser besonderen Patientengruppe, die mittlerweile ein Drittel der gesamten Hilfesuchenden ausmacht, hat es notwendig gemacht, dieses Phänomen zu untersuchen. Die schwedischen Forscher begleiteten einige Hunderte von Ihnen, sowohl Frauen als auch Männer über eine mittlere Zeitdauer von vier Jahren.

Gewöhnlich sind die Betroffenen Fachleute aus höheren Bildungsschichten und um die 50 – 60 Jahre alt. Während der Testung im Krankenhaus sind ihre Gedächtnisfunktionen intakt. Doch in ihrer alltäglichen Umgebung, wo sie unter dem Druck stehen, ständig Neues zu lernen, denken sie, dass etwas nicht stimmt.

Der Zusammenhang zwischen diesen von den Personen erlebten Gedächtnisproblemen und Stress zeigte sich als stark. Sieben von zehn aus der Gruppe der Betroffenen erlebte starken Stress, ein Burnout oder eine Depression.

Es zeigte sich in den Untersuchungen, dass Probleme mit Stress sehr verbreitet waren. Die Patienten erzählten oft, dass sie schon seit einer längeren Zeitperiode unter starkem Stress litten und dass das ihre kognitiven Funktionen in einem solchen Ausmaß betroffen hat, dass sie sich fühlten als wären sie krank und sehr sorgten. In manchen Fällen waren die Betroffenen mit Demenzerkrankungen naher Angehöriger konfrontiert, was ihr Wissen und auch ihre Sorge um ihren eigenen Zustand vergrößerte.

Die Gedächtnisabteilung untersucht Verdachtsfälle von frühen Demenzerkrankungen unter den Hilfesuchenden. Das wird parallel zur oben beschriebenen Forschung durchgeführt.

Das primäre Ziel der Einheit ist die Abklärung einer möglichen Demenz. Wenn diese nicht diagnostiziert werden kann, bleiben die Patienten nicht auf Station. Doch gibt es wenige Orte, an die sich Personen mit den oben beschriebenen Schwierigkeiten wenden können, so dass sie unter den Tisch fallen.

Erlebte Gedächtnisprobleme sind verbreitet und können ein frühes Anzeichen für eine spätere Demenz darstellen. Für die Betroffenen der untersuchten Gruppe, die auch abweichende Biomarker in ihrer Gehirnflüssigkeit aufwiesen (Betaamyloid, Total-tau, Phospho-tau) war das Risiko einer Verschlechterung und Entwicklung einer Demenz doppelt so hoch. Allerdings zeigte die Mehrzahl von ihnen auch nach vier Jahren keine Anzeichen einer Verschlechterung. Die Forscher schließen daraus, dass diese Betroffenen keine objektiven Anzeichen einer Demenz zeigen. Das Problem ist stattdessen Stress, Angst und Depression.

Einer von zehn unter ihnen entwickelte während der Erhebungsperiode eine Demenz. Das ist höher als im Bevölkerungsdurchschnitt, aber immer noch niedrig.

Es geht nicht darum, dass diese Personen gelegentliche Gedächtnisschwierigkeiten im Alltag erleben. Sondern es geht mehr um Betroffene, die medizinische Hilfe aufsuchen, um herauszufinden, ob sie ernsthafte Probleme entwickeln.

 

Quelle:

https://www.sciencedaily.com/releases/2017/08/170831093346.htm

Rubrik: Burnout/Stress, Depression, Leistungsfähigkeit, Uncategorized


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