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Schlaflos während der Scheidung?

9. Februar 2015

„Da man eine Eheschließung eine ‚Hochzeit‘ nennt, sollte man dann eine Ehescheidung nicht konsequenterweise auch ‚Tiefzeit‘ nennen?“, fragt zurecht der Aphoristiker W. Meurer. Denn an keinem Menschen geht die Auflösung einer langjährigen Partnerschaft ohne Spuren vorüber. Es ist im Gegenteil sogar eine große Anpassungsleistung, die der Mensch aufbringen muss und für die er all seine Kräfte braucht. Wenn Kant schreibt: „Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen“, wird klar, dass es in einer Trennung nicht einfach ist, diese nötigen Kräfte zu erhalten. Es erscheint einem logisch, dass Hoffnung und Lachen beim Verlust der Beziehung als erste verstummen. Weniger klar ist, wie häufig in solchen Phasen der Schlaf in Mitleidenschaft gezogen wird. Dabei braucht man ihn als Ruhepause und Verarbeitungsphase doch so sehr. In einer aktuellen amerikanischen Studie wurde erneut gezeigt, dass Schlafmangel während einer Trennung nicht nur zu einer weiteren psychischen Belastung werden, sondern ganz konkret negative Auswirkungen auf die Gesundheit – in diesem Fall auf den Blutdruck – haben kann. Hier folgt die Übersetzung des Presseberichts zu der Studie.

Es ist normal, dass man nach einer Scheidung mit Schlafproblemen zu kämpfen hat. Wenn diese aber zu lange anhalten können sie zu einem bedrohlichen Anstieg des Blutdrucks führen. Dies fanden Forscher in einer aktuellen Studie heraus und folgern aus den Ergebnissen, dass schlechte Schlafqualität einer der Gründe dafür sein kann, dass Scheidungen mit negativen Folgen für die Gesundheit verknüpft werden.

Die wissenschaftlichen Belege für den Zusammenhang von Scheidung und bedeutenden negativen Effekten auf die Gesundheit – sogar einem frühen Tod – häufen sich. Doch wenige der Studien befassen sich damit WARUM dieser Zusammenhang besteht. Eine aktuelle Studie, die in der Zeitschrift für Gesundheitspsychologie veröffentlicht wurde, legt nahe, dass die mit der Scheidung einhergehenden Schlafstörungen teilweise dafür verantwortlich gemacht werden können.

Die ersten paar Monate nach einer Trennung ist das Auftreten von Schlafproblemen ziemlich normal. Das gehört zu einem Anpassungsprozess, mit dem Menschen im Allgemeinen gut fertig werden“, sagte der Psychologieprofessor an der Universität von Arizona David Sbarra, der die Publikation mit zwei ehemaligen Studenten veröffentlichte (Erstautorin Kendra Krietsh und Ashley Mason).

„Schlafstörungen allerdings, die für eine längere Zeitperiode anhalten, können auf etwas anderes hinweisen. Es könnte sein, dass sich bei diesen Personen eine Depression einschleicht, dass sie damit kämpfen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, und es sind besonders diese Menschen, die gefährdet für Gesundheitsprobleme sind“, sagt Sbarra.

Die Forscher untersuchten 138 Testpersonen, die sich von ihren Partnern ca. 16 Wochen vor Studienbeginn getrennt hatten oder geschieden wurden. Diese Probanden wurden dann im Laufe von drei Laborbesuchen über eine 7,5 monatelange Periode mit Hilfe des Pittsburgh Sleep Quality Index zu ihrer Schlafqualität befragt. Der Fragebogen erfasst Schlafprobleme wie Husten, Wälzen, Schnarchen bis hin zur Schwierigkeit ein- bzw. durchzuschlafen. Bei jedem Laborbesuch wurde ebenfalls der Blutdruck gemessen.

Obwohl die Forscher beim ersten Laborbesuch noch keinen Zusammenhang zwischen Schlafproblemen und Blutdruck messen konnten, fanden sie einen verspäteten Effekt. Denn die Testperson, die zu einem früheren Zeitpunkt unter Schlafstörungen litten, zeigten später sowohl einen erhöhten systolischen als auch diastolischen Blutdruck.
„Wir beobachteten einen Zusammenhang zwischen Veränderungen beim Blutdruck im Ruhezustand und Schlafproblemen drei Monate vorher. Man konnte durch Schlafprobleme kurz nach der Trennung später eine Erhöhung des Blutdrucks im Ruhezustand vorhersagen“, sagte Sbarra. Zusätzlich fanden die Forscher heraus, dass je länger die Schlafprobleme der Testpersonen nach der Trennung andauerten, desto wahrscheinlicher war es, dass diese Schwierigkeiten einen negativen Effekt auf den Blutdruck hatten.

„Wir konnten beobachten, dass wenn man bis zu 10 Wochen nach einer Trennung unter Schlafstörungen leidet, diese Probleme nicht mit einer späteren Erhöhung des Blutdrucks zusammen hängen“, sate Sbarra. „Sobald diese Grenze von 10 Wochen überschritten ist, scheint es einen kumulativen negativen Effekt zu geben.“

Bei Menschen, die schon vor einer Trennung unter hohem Blutdruck leiden, ist dieser Effekt nicht auf die leichte Schulter zu nehmen“, sagte Sbarra.

„Jede mittlere Erhöhung von Schlafproblemen führte ungefähr zu einer Erhöhung des systolischen Blutdrucks um sechs Einheiten (z.b. von 120 mm Hg auf 126 mm Hg)“, sagte Sbarra. „Das ist kein trivialer Anstieg, wenn man sich eh schon im hohen Normalbereich oder niedrigen Bluthochdruckbereich befindet.“

Der systolische Blutdruck ist der obere Wert der beiden und gibt den Druck auf die Arterien während des Herzschlags an; der diastolische Blutdruck ist der untere Wert und gibt den Druck auf die Arterien zwischen zwei Herzschlägen an. Ein normaler Blutdruck rangiert um 120/80 mm Hg.

Erstautorin Krietsh schlägt vor, dass Menschen mit dauerhaften Schlafstörungen nach einer Scheidung sich dem Problem aktiv stellen, indem sie eine kognitive Verhaltenstherapie beginnen, ihren Wochenplan so umstrukturieren, dass er einen gesunden Schlaf fördert, und/oder neue Entspannungsmöglichkeiten zum Einschlafen erlernen. „Wenn jemand durch eine Scheidung geht und dabei nicht schlafen kann, sollte er sich Hilfe holen, sonst können die Probleme schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringen“, sagte Krietsh.

„Wir geraten alle mal in stressige Zeiten in unserem Leben, ob es sich um Scheidung handelt oder andere schwierige Situationen“, sagte Krietsh, „und die Ergebnisse dieser Studie zeigen wie wichtig es ist, für einen guten Schlaf zu sorgen und sich um sich selbst zu kümmern.“

Übersetzungsquelle:
http://www.sciencedaily.com/releases/2014/07/140717180536.htm

Der Text basiert auf Materialien, die von der Universität von Arizona zur Verfügung gestellt werden. Der Originalartikel wurde von Alexis Blue verfasst.

Rubrik: Partnerschaft & Paartherapie, Schlafstörungen


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