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Können Sport und körperliche Bewegung im Kampf gegen Depression helfen?

2. März 2015

„Man muss nur immer sorgen, erregt zu werden, um gegen die Depression anzukämpfen. Das ist auch bei jetziger deprimierender Witterung der beste medizinische Rat.“ Dies schrieb Goethe 1828 an Friedrich Müller und ahnt gar nicht, dass er eine These aufstellt, die fast 200 Jahre später vielfach wissenschaftlich belegt sein wird. Eine gute Möglichkeit sich in Wallung zu bringen, ist körperliche Betätigung. Mittlerweile belegen viele Studien, dass Sport und Bewegung hilfreich bei der Behandlung von Depressionen sind. Gut, dass gerade der Frühling vor der Tür steht! Welche Zeit regt mehr dazu an, in die Natur zu stürmen? Im Folgenden findet sich die Übersetzung eines Presseberichts, der dieses Thema etwas vertieft.

 

Depression ist die am häufigsten diagnostizierte psychische Erkrankung. In den westlichen Industrienationen leidet jede zehnte Person wenigstens einmal im Laufe Ihres Lebens unter einer Depression. Ärzte sagen, dass eine Depression die körperliche Gesundheit stärker beeinträchtigt als Diabetes oder Arthritis. Sie wird traditionell mit Antidepressiva und Psychotherapie behandelt. Aber Studien konnten zeigen, dass Sport und körperliche Bewegung teilweise die gleichen neurophysiologischen Veränderungen wie Antidepressiva auslösen. Deswegen kommen eine Vielzahl an Metaanalysen zu dem Ergebnis, dass Sport und körperliche Bewegung einen positiven Einfluss auf Depressionen haben.

Neurobiologische Anpassung durch Sport und körperliche Bewegung

Sport und körperliche Bewegung rufen im Gehirn verschiedene Veränderungen hervor, die sonst nur durch Medikamente ausgelöst werden. Ähnlich wie bei Sport und körperlicher Bewegung wirken Antidepressiva auf die Fähigkeit des Gehirns, Serotonin zu absorbieren. Sie verstärken die Epinephrinaktivität und verursachen die Ausschüttung einiger Stoffe zur Stimulation des Nervenzellwachstums. Diese Stoffe stimulieren das Wachstum der Nervenzellen und verhindern den Zelltod von Nervenzellen im Hippocampus, der sonst durch die Depression ausgelöst worden wäre. Zusätzlich führen Sport und körperliche Bewegung auch zu einer eingeschränkten Aktivität des Stresshormons Cortisol und haben dadurch einen Effekt, der dem von Psychopharmaka ähnelt.

„Leider erlauben es die Metaanalysen nicht, darauf zu schließen wie oft und wie lange man wöchentlich Sport treiben sollte“, sagt Mirko Wegner. „Aber man kann sehen, dass Sport und körperliche Bewegung die Stärke der Depression mildern. Beispielsweise konnten wir mit unserer Forschung zeigen, dass der positive Einfluss von Sport bei Depressionen höher ist als bei Angststörungen.“

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft scheint die regelmäßige sportliche Betätigung ein effektives Heilmittel bei der Reduktion depressiver Symptome zu sein. Dabei ist sie kosteneffektiv und hat quasi keine Nebenwirkungen. Man sollte aber noch untersuchen, ob und in welchen Ausmaß Sport und körperliche Betätigung ein Zusatz zu den Psychopharmaka oder vielleicht sogar eine Alternative dazu bei leichten Depressionen sein kann.

Übersetzungsquelle:

http://www.sciencedaily.com/releases/2014/09/140916084825.htm

Der Text basiert auf Materialien, die von der Universität von Bern zur Verfügung gestellt werden.

Rubrik: Allgemeines, Depression, Hirnforschung


1 Kommentieren

  1. matthias
    März 11th, 2015

    So ähnlich wäre auch meine Frage gewesen: wie wirkt Sport, wenn man schon Antidepressiva nimmt?

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