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Kann ein Online-Programm individuellen Rat bei Schlafproblemen von Kindern bieten?

1. Mai 2011

behaviour therapy improves sleep sEine Therapie über das Internet bietet eine Reihe von praktischen Vorteilen wie zum Beispiel geringere Kosten, aber das individuelle Feedback kann schwierig sein. Eine aktuelle Studie hat ein Online-Programm für Schlafstörungen bei Kindern getestet und zeigt, dass flexible Verhaltensempfehlungen für Eltern auch online möglich sind. Wir haben die Presseerklärung des Herausgebers der Studie von Ende März übersetzt. Eltern können das Programm (auf Englisch) bereits gratis nutzen:

Eine Studie in der Aprilausgabe des Journals SLEEP zeigt, dass ein Online-Programm effektive Hilfe für Schlafstörungen bei Kleinkindern bietet, wovon indirekt auch der Schlaf, die Stimmung und das Selbstvertrauen der Mütter profitieren. Die Ergebnisse zeigen, dass das Internet Eltern von kleinen Kindern mit Schlafproblemen einen uneingeschränkten Zugang zu individuell angepassten Verhaltensratschlägen ermöglichen kann.

Die Daten zeigen, dass kleine Kinder von Eltern, die an dem Online-Programm teilnahmen, deutlich besser schliefen. Die Kinder wachten nachts nur noch höchstens halb so oft auf, sie blieben höchstens halb so lange wach, und die längste durchgehende Schlafphase war mindestens zwei Stunden länger. Außerdem schliefen die Kinder schneller ein und bekamen nachts insgesamt mehr Schlaf. Die Mütter in der Behandlungsgruppe schliefen ebenfalls besser und fühlten sich weniger angespannt, depressiv, übermüdet und unkonzentriert. Dagegen waren der Schlaf und die Stimmung der Mütter in der Kontrollgruppe kaum verbessert.

„Wir wussten schon immer, dass einfache Umstellungen kleinen Kindern helfen können nachts sehr viel besser zu schlafen. Aber wir waren überrascht, wie schnell sich der Schlaf verbesserte“, sagt die Leiterin der Studie und erste Autorin Dr. Jodi A. Mindell, die Professorin für Psychologie an der Saint Joseph’s University in den USA ist und eine Direktorin am Schlafzentrum des Children’s Hospital in Philadelphia. „Nach nur einer Woche schliefen die Kinder und auch ihre Mütter viel besser und in der zweiten Woche wurde der Schlaf noch besser.“

An der dreiwöchigen Studie nahmen 264 Mütter mit Kleinkindern im Alter von sechs bis 36 Monaten teil. Die Familien wurden nach dem Zufallsprinzip in eine von zwei Online-Behandlungsgruppen oder eine Kontrollgruppe eingeteilt. In der ersten Woche brachten alle Mütter ihre Kinder noch wie gewohnt zu Bett. In der zweiten und dritten Woche befolgten die Mütter der Behandlungsgruppen die persönlichen Empfehlungen des Programms für sie und ihre Kinder. Alle Mütter beantworteten jede Woche Online-Fragebögen zur Schlafqualität ihrer Kinder (Brief Infant Sleep Questionnaire) und zu ihrer eigenen Schlafqualität und Stimmung (Pittsburgh Sleep Quality Index, Profile of Mood States).

Die Mütter der Behandlungsgruppen konnten von ihrem Heimcomputer aus das „Customized Sleep Profile“ nutzen. Bei diesem Online-Programm beantworten Eltern Fragen zum Schlafprofil ihres Kindes, das dann mit gleichaltrigen Kindern verglichen wird. Das Programm stuft den Schlaf des Kindes als „hervorragend, gut oder gestört“ ein und errechnet individuell angepasste Ratschläge, wie Eltern ihrem Kind helfen können nachts besser zu schlafen. Häufig gibt das Programm Ratschläge wie sich eine Routine für die Schlafenszeit überlegen, weniger auf nächtliches Aufwachen reagieren und nachts seltener oder nicht mehr stillen. Neunzig Prozent der Mütter beider Behandlungsgruppen fanden die individualisierten Empfehlungen „hilfreich“, und 93 Prozent sagten, sie würden sich nach Ende der Studie „wahrscheinlich“ weiter an die Empfehlungen halten.

Die Mütter der einen Behandlungsgruppe sollten zusätzlich eine abendliche Routine für die Schlafenszeit einführen, die aus drei Schritten bestand: ein Bad, eine Massage und sich ruhig mit dem Kind beschäftigen, zum Beispiel kuscheln oder ein Schlaflied singen. Eine Studie von Mindell aus dem Jahre 2009 hatte bereits gezeigt, dass diese Routine kleinen Kindern sehr hilft sich Verhaltensweisen abzugewöhnen, die ihren Schlaf stören. Aber in dieser Studie war die Schlafqualität in beiden Behandlungsgruppen ähnlich verbessert.

Nach Angaben der Autoren haben 20 bis 30 Prozent aller kleinen Kinder Probleme mit dem Schlaf. Obwohl sich Schlafstörungen bei Kindern sehr effektiv durch Verhaltenstherapie behandeln lassen, ist das Angebot begrenzt. Das Online-Programm ermöglicht Eltern einen uneingeschränkten Zugang zu wertvollen Ratschlägen, wie sie gesunde Schlafgewohnheiten bei ihren Kindern fördern können.

„Bis jetzt gab es auf dem Internet keine Seite, wo sich Eltern individuellen Rat holen konnten, damit ihre kleinen Kindern besser schlafen“, sagt Mindell. „Dieses Programm bietet Eltern Hilfe, die überall und einfach zugänglich ist.“

Eltern können das Customized Sleep Profile und ähnliche Programme auf der Internetseite von Johnson & Johnson gratis verwenden. Die Autoren haben keine finanziellen Interessen an der Nutzung.

Quellen:

American Academy of Sleep Medicine, 24. März 2011

Mindell et al. SLEEP, April 2011

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Rubrik: Kinder & Jugendliche, Online-Therapie, Schlafstörungen, Verhaltenstherapie
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