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Ist der Vater in der Eltern-Kind-Triangel wirklich das dritte Rad am Wagen?

17. August 2016

Es gibt in der Psychologie das Konzept der Triangulation. Darunter versteht man, dass das Kind zusätzlich zur Mutter-Kind-Dyade, also der intensiven Zweierbeziehung zwischen Mutter und Kind, noch eine Beziehung zu einem Dritten, dem Vater aufbaut. Durch diese zweite bedeutsame Bindung bekommt das Kind nach dieser Vorstellung die Möglichkeit, sich immer wieder von der Mutter lösen zu können und dadurch erste Schritte in die Autonomie zu gehen. Die Bindung zum Vater ermöglicht in diesem Konzept zusätzlich die Förderung kognitiver und emotionaler Fähigkeiten und ist damit genauso Bestandteil der Entwicklung des Kindes wie die Bindung zur Mutter. Folgende aktuelle Forschungsergebnisse amerikanischer Forscher belegen ähnliche positive Effekte durch den Vater, die lange Zeit vernachlässigt wurden:

Nach aktuellen Forschungsergebnissen der Michigan State University spielen Väter in der Entwicklung ihrer Kinder eine überraschend große Rolle, beginnend mit dem Erwerb der Sprache und weiteren kognitiven Fähigkeiten in der Säuglingszeit bis zu sozialen Fertigkeiten in der fünften Klasse.

Diese Forschung präsentiert Ergebnisse, die sehr schlüssig den Einfluss der Väter auf die Entwicklung ihrer Kinder zeigen, und bestärkt die Idee, dass Programme mit Kindern in der frühen Kindheit sich auf die gesamte Kleinfamilie beziehen, also Mutter und Vater gleichermaßen einschließen.

Es grassiert die Idee, die durch alte Forschungsergebnisse entstand, dass Väter nicht wirklich einen direkten Effekt auf ihre Kinder haben, dass sie nur die Stimmung im Haushalt bestimmten, aber dass Mütter die Entwicklung ihrer Kinder prägen. In dieser Studie wird allerdings gezeigt, dass Väter wirklich direkten Einfluss auf ihre Kinder haben, sowohl lang- wie auch kurzfristig.

Die Wissenschaftler untersuchten die Effekte von elterlichem Stress und psychischen Problemen wie Depression auf ihre Kinder, wobei sie Daten von über 730 Familien aus einer Befragung an 17 verschiedenen Orten der USA nutzten. Stress und psychische Probleme beeinträchtigen die Interaktion zwischen Eltern und Kind und damit folglich auch die Entwicklung des Kindes.

Es wurde entdeckt, dass Stress, den Väter in Bezug auf die Erziehung erleben, einen schädigenden Effekt auf die kognitive und Sprachentwicklung der Kinder im Alter zwischen zwei und drei Jahren hat, sogar wenn der Einfluss der Mütter mit in Betracht gezogen wurde. Dieser Effekt variierte mit dem Geschlecht, so dass der Einfluss auf die Sprachentwicklung bei Jungs durch den Vater größer war als auf die Mädchen.

Ein weiteres Schlüsselergebnis: der psychische Zustand hat bei beiden Elternteilen einen ähnlich starken Einfluss auf Verhaltensprobleme unter Säuglingen. Zusätzlich wirkten sich die psychischen Probleme des Vaters langfristig aus, indem sie zu unterschiedlichen sozialen Fähigkeiten (wie beispielsweise Selbstkontrolle oder Kooperation) in der fünften Klasse bei den Kindern führen. Tatsächlich erwies sich, dass Depressionssymptome beim Vater während der Säuglingszeit ihrer Kinder später einen stärkeren Einfluss auf die späteren sozialen Fähigkeiten der Kinder hatte als Symptome der Mütter.

Zusammengefasst tragen die Ergebnisse zu der noch kleinen, aber langsam wachsenden Sammlung an Forschung bei, die die Effekte der väterlichen Eigenschaften und der Qualität der Vater-Kind-Beziehung auf die kindliche Entwicklung bestätigen.

Die Forscher folgern, dass Väter zusammen mit den Müttern mehr in Forschung im Erziehungsbereich und in Familieninterventionsprogramme miteingebunden werden sollten. Viele Familienberatungsstellen versuchen die Väter vermehrt miteinzubinden, doch entgehen ihnen noch diese oben beschriebenen Zusammenhänge. In Beratungsgesprächen sollte es nicht nur darum gehen, wie wirtschaftlich für die Kinder gesorgt wird, sondern auch für das Kind anwesend zu sein und darüber nachzudenken wie sich Stress oder Depression auf das Kind auswirken. Um Kindern ganzheitlich in ihrer Entwicklung zu helfen, sollte ein verständiger Blick auf die gesamte Familie, sowohl Mutter als auch Vater, geworfen werden.

Quelle:

https://www.sciencedaily.com/releases/2016/07/160714110912.htm

Rubrik: Allgemeines, Kinder & Jugendliche


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