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Geht Glücksspielsucht mit Depression einher?

7. Juni 2015

Es ist sehr einfach, ein kleines Vermögen aus dem Kasino heimzubringen: Gehen Sie mit einem großen hin! In diesem Ausspruch von Jack Yelton spiegelt sich die Crux mit dem Glücksspiel: zuerst ist man voller Hoffnung, die im ersten Teil des Spruchs oder im Kasino mit dem ersten Gewinn geweckt wird. Dann kommt die Enttäuschung. Der Spruch weist darauf hin, dass man nur verlieren kann und so erweist es sich beim Spiel. Es folgt eine Phase des Verlierens. Der „Psychologe“ unter den Klassikern der Weltliteratur, der russische Schriftsteller Dostojewski beschreibt in seinem Roman „Der Spieler“ eindrucksvoll wie nicht nur ein Protagonist, sondern gleich eine Gruppe von Personen im Laufe der Handlung von ihrer Spielsucht in den Ruin getrieben werden. Das konnte er unter anderem so gut beschreiben, da ihm nachgesagt wird, selbst dem Glücksspiel verfallen gewesen zu sein. Wenn man den Roman liest, will man dem englischen Sprichwort: „Der beste Wurf der Würfel ist sie wegzuwerfen“ nur beipflichten. In der Folgenden Übersetzung eines Presseberichts finden Sie Informationen zur Entwicklung der Spielsucht und der damit wohl oft einhergehenden Depression bei Männern.

Glücksspielsucht ist ein Problem, das zu Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, in der Schule und zu Hause führen kann. Es kann die Gesundheit beeinträchtigen, Beziehungen ruinieren und das Bankkonto leeren. Eine neue Studie fand vor kurzem heraus, dass bei jungen Männern Glücksspielsucht oft Hand in Hand mit Depression geht.

In einem Artikel, der im Journal of Gambling Studies veröffentlicht wurde, beschreiben Frédéric Dussault und Kollegen von der University of Quebec, in Montreal – Kanada, wie sie außerdem herausfanden, dass Jungen mit hohen Impulsivitätswerten eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, als Erwachsene Glücksspieler zu werden.
Ihre Studie ist die erste, die das Ausmaß erfasst, in dem Glücksspiel und Depression bei jungen Männern zwischen dem Teenageralter und den 20ern auftritt. Dazu nutzten sie Daten einer Studie, die 1984 mit den Erhebungen begann und bis heute fortgeführt wird. Es wurden dabei über 1100 Jungen im Kindergartenalter erfasst, die in den ärmeren Gegenden Montreals leben. Die weiterlaufende Studie brachte Informationen über die Familiensituation der Teilnehmer, Maße zu ihrer Impulsivität und die Qualität der Beziehungen ans Tageslicht.

Die Autoren der letzten Veröffentlichung analysierten Daten von 878 Teilnehmern, die jeweils mit 17, 23 und 28 Jahren Aussagen über ihr Spielverhalten und Depression machten.

73 % der Teilnehmer mit Glücksspielsucht hatten auch eine Depression!

Ergebnisse zeigten, dass 3 % der Teilnehmer Anzeichen für Glücksspielsucht zeigten, wobei sich die Suchtprobleme zwischen dem 17. und 28. Lebensjahr noch verstärkten. Diese Statistik stimmt mit der Verteilung der Spielsucht in der Bevölkerung überein (1-3 %).

Außerdem zeigten Analysen, dass 73 % der Teilnehmer, die eindeutige Anzeichen für Glücksspielsucht berichteten, auch unter Depressionen litten, die sich scheinbar mit der Spielsucht entwickelten – also auch im Laufe der Zeit stärker wurden.

Die Forscher fanden heraus, dass Spielsuchtprobleme nicht unbedingt mit dem Erreichen der späten 20er nachlassen. Sie vermuten als Grund dafür, dass Spielen im Erwachsenenalter legal wird – anders als andere Straftaten, wie Gewalttaten oder Diebstahl. Dussault bemerkt:
„Glücksspielsucht gehört zu den persönlichen Problemen wie andere Süchte: wenn man einmal süchtig ist, ist es schwer, die Abhängigkeit zu überwinden.“

Er legt nahe, beide Problematiken der Depression und Spielsucht zu behandeln, wenn sie gemeinsam auftreten.

In einer weiteren Datenanalyse fanden die Wissenschaftler heraus, dass impulsivere Jungen später eher Glücksspielsucht und Depression entwickeln und die Beziehungsqualität zu den Eltern war dazu stark verbunden mit der Entwicklung einer Depression. Zusätzlich schlossen sie aus den Daten, dass die Beziehungsqualität der Freundschaften und ein „sozio-familiäres Risiko“ (z.B. Armut, Scheidung, Elternschaft als Teenager) eine Entwicklung von beidem, Spielsucht und Depression, vorhersagen ließen.

Dussault rät zu Programmen, die darauf spezialisiert sind, diese Probleme früh zu erkennen und anzugreifen, am besten ausgerichtet auf den jeweiligen Einzelfall. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen hoher Impulsivität und einer Anfälligkeit dafür, wiederholt die falschen Freundschaften zu schließen.

Zwischenzeitlich berichten Forscher der University of Missouri, dass mehr als 1,6 Millionen Erwachsene im College-Alter die Kriterien für Spielsucht erfüllen.

Von Dr. Catherine Paddock geschrieben.

Übersetzungsquelle:
http://www.medicalnewstoday.com/articles/294290.php

Rubrik: Depression, Sucht/Substanzmissbrauch


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