skip to content

Das Gefühl von Sicherheit – ein ausschlaggebender Faktor bei den Schulleistungen von Jugendlichen?

21. September 2016

Jetzt zu Schulbeginn sind die Hoffnungen der Eltern groß, dass das kommende Schuljahr für das eigene Kind ein Erfolg ist, das ehemalige Leistungsniveau gehalten bzw. verbessert wird, wenn denn Bedarf besteht. Oft stehen bei der Reflexion über die Schulnoten intellektuell-kognitive, motivationale und organisatorische Faktoren wie z. B. Zeitaufwand, Lehrmaterial, allgemeine Motivierbarkeit zum Lernen etc. im Mittelpunkt. In den Hintergrund gerät dabei leicht, dass auch emotionale Faktoren einen Einfluss auf die Schulleistung haben. Der folgende Artikel will darauf aufmerksam machen, was Kinder als Basis für eine kognitive Weiterentwicklung ebenfalls benötigen und mehr Achtsamkeit für eher vernachlässigte Themen schaffen, also als Denkanstoß dienen.

Eine aktuelle Studie des Lehrstuhls für Kriminologie der Universität von Ottawa, die in dem Journal of Adolescent Health (Zeitschrift für Gesundheit bei Jugendlichen) veröffentlicht wurde, geht davon aus, dass High-School-Schüler, die sich in der Schule weniger sicher fühlen, ein eingeschränktes Lernpotential und größere emotionale Schwierigkeiten aufweisen.

Die Forscher nutzten Daten aus der Quebec Längsschnittstudie der Kindesentwicklung, die eine seit dem Jahr 1998 weiterlaufende Studie mit einer Kohorte von 2120 fünf Monate alten Säuglingen ist, um zu untersuchen, ob sich ein Gefühl von Unsicherheit auf das Engagement im Klassenzimmer auswirkt. Sie überlegten ebenfalls, ob diese Verbindung sich in eingeschränktem Wohlbefinden zeigt, wobei Symptome von Depression und aggressivem Verhalten miteingeschlossen sind.

Was kam dabei heraus? Eine Bestätigung, dass die Tatsache, ein Opfer von Gewalt an der Schule zu sein, und sich unsicher zu fühlen, zu einer depressiven Symptomatik beitragen kann, die wiederum eine negative Auswirkung auf das Lernpotential der Schüler hat.

Die Daten zeigten weiterhin, dass Schüler, die sich sicherer fühlten, aufmerksamer und effizienter im Klassenzimmer waren. Diese Schüler berichteten auch weniger über depressive Symptome wie z. B. das Gefühl, unglücklich zu sein, und Schwierigkeiten zu haben, Freude zu empfinden. Dafür zu sorgen, dass Schüler engagiert und aufmerksam im Klassenzimmer sind, kann zu einem Langzeiterfolg über intellektuelle Fähigkeiten wie Lesen und Fertigkeiten in Mathematik hinaus führen.

Die typischen Faktoren, die mit dem Gefühl der Unsicherheit zusammenhängen, wie beispielsweise Mobbing oder Gewalterfahrungen an der Schule, erklären nur teilweise, warum Schüler sich weniger sicher fühlen.

Wir wissen aus älteren Studien, dass Kinder, die chronische Armut erleben oder in schlechten Nachbarschaften leben, ebenso dazu tendieren, sich weniger sicher in der Schule zu fühlen.

Dies könnte der Fall sein, weil Jugendliche, die in ungeordneten und benachteiligenden Umgebungen leben, ihre Ängste jeden Tag mit in die Schule bringen. Die Merkmale der physikalischen Schulumwelt sind ebenfalls ausschlaggebend. Z. B. stellen Gebäude mit Grünflächen und guter Instandhaltung eher ein Gefühl der Sicherheit her.

Während die Dropout-Raten in den USA und Kanada seit den frühen 1990er Jahren gefallen sind, legen die aktuellen Abschluss-Raten von 76 und 79 % jeweils nahe, dass komplexere Lösungen gefragt sind.

Die Autoren der Studie empfehlen, dass konkrete Schritte unternommen werden müssen, um ein Gefühl von Sicherheit und daraus folgendes Engagement im Klassenzimmer herzustellen.

Wir müssen vermehrt beobachten, wie Schüler auf Fälle von Mobbing und Gewalt reagieren. Durch kontinuierliche professionelle Schulung kann man die Achtsamkeit der Lehrer für die Wichtigkeit des Gefühls von Sicherheit trainieren, ebenso wie ihr Verständnis davon, wie das allgemeine Schulklima die Leistungsbereitschaft verbessern kann.

Außerdem können Eltern, Schulen und Kommunen Fürsprecher für ausgeweitete Interventionen in der Lebenswelt der Schüler werden, indem sie das Ziel verfolgen, die physikalischen Strukturen der Schule und Nachbarschaften zu verbessern.

Quelle:

Der obige Text bezieht sich auf Materialen, die von der Concordia University zur Verfügung gestellt werden.

https://www.sciencedaily.com/releases/2016/08/160824135308.htm

Rubrik: Kinder & Jugendliche, Leistungsfähigkeit, Mensch & Gruppe


Antwort erstellen



Zurück zum Anfang